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Dausing-Hof

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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Jun 25, 2013 1:57 am

Zugegeben war mir nicht vollkommen unklar, wo mein Fehler gelegen hatte und warum Touma sauer auf mich war. Als ich den Wetteinsatz akzeptiert hatte, hatte ich wenig über seine Gefühle nachgedacht und schon gar nicht darüber, dass es total falsch war sich provozieren zu lassen. Schließlich war mein Freund kein Gegenstand den man weitergeben sollte und ich wollte ihn auch nicht weitergeben. Ein bisschen dehumanisierend war ich da wohl schon eingestellt, wenn ich wirklich glaubte, dass er auf eine gewisse Weise wohl mir gehörte. Oder besser gesagt, er gehörte zu mir. So hatte ich es bisher zumindest gesehen. Anscheinend war ich da aber auf dem Holzpfad, denn er schien es nicht so zu sehen. Schließlich war er mit einer anderen mitgegangen und das sagte für mich nichts anderes aus, als das er zu haben war. Und für sie sicherlich auch nicht. Keine Ahnung was die Beiden treiben würden, aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht eifersüchtig war. Zugeben würde ich es vor ihm sicher nicht – aber wer wusste schon, ob das noch nötig war. Vielleicht ergänzten sich die Beiden ganz formidabel und fummelten sich schon gegenseitig an, wie wildgewordene Tangela. Langsam wusste ich nicht einmal mehr welche Emotion stärker in mir vorherrschte. Die elende Wut auf meinen bescheuerten Freund oder die zerfressenden Selbstzweifel. Beides war auf jeden Fall mehr als nur unangenehm und ich war wirklich kurz davor mir die Haare auszurupfen. Das schmerzende Handgelenk war auf jeden Fall nicht mehr genug um mich von meiner Laune abzulenken, egal wie oft ich sie noch gegen den blöden Baum hämmerte. Vielleicht sollte ich stattdessen einfach meinen Kopf dagegen schlagen? Nee, klang nicht nach einer Idee die ich im Nachhinein gutheißen würde. Aber wie wir heute gelernt hatten, hatte ich anscheinend nur Blödsinn im Kopf und gerade brütete ich über den Denkzettel...

Den Hunger vergessend und mich ausgetobt, schlief ich sogar wirklich in dem Schatten der Bäume ein, was wohl besser war. Auch gut war, dass ich ganz traumlos schlafen konnte. Eher weniger gut war, dass meine Kehle vollkommen ausgetrocknet war und mein Kopf leicht schmerzte, als ich wieder aufwachte. So spielt das Leben aber wohl. Man sollte mit dem zufrieden sein, was man bekam... was mich wieder auf das Date meines Freundes brachte. Wenn er sie kriegen würde... war ich dann abgeschrieben?  Touma wäre ja nicht der Erste, der sich gegen mich entschieden hatte. Nur einer von vielen, die anscheinend erkannten, dass ich ein komischer Dummkopf war. Baka. So wurde ich doch genannt... weil ich ein Trottel war, oder? Gerade richtete ich mich auf um zurück zu unserem Zimmer zu gehen, weil ich weder Lust hatte weiter zu trainieren – war auch schon langsam dunkel – noch wollte ich mir eine Erkältung holen. Aber was, wenn ich ihn dann treffen würde? Was wenn er sagen würde, dass ich nicht mehr gut genug für ihn war? Mich wieder auf den Hintern sinken lassend, lehnte ich mich mit dem Rücken an einen der Bäume und blickte seufzend in den dunkelblauen Himmel und das Gestirn. Dafür war ich nicht bereit... das würde ich nicht überleben, weswegen ich dem einfach aus dem Weg gehen würde. Wieder einmal war es eine so kindische Art, die ich da an den Tag legte... doch es war auch zu meinem Selbstschutz. War es so falsch, dass ich nicht verletzt werden wollte? Nicht noch mehr, als ich es ohnehin schon war. Um der Einsamkeit entgegen zu wirken, ließ ich aber wenigstens Lady und Lupo aus ihren Pokébällen. Beide schienen sofort zu spüren, dass ich keine sonderlich heitere Laune hatte und krochen mir in die Arme. Schmusen war nicht so meins, aber wenn mich hier eh niemand sah und ich dem einzigen Mensch der vielleicht hätte nach mir sehen können, sicherlich egal geworden war, würde ich es mir mal erlauben. Hier im Versteck – eigentlich war es nicht wirklich eins, aber es war auch kein allzu offensichtlicher Ort – würde niemand meine Schwäche sehen. Und am liebsten hätte ich geheult. Es war schon Jahre her, dass ich das letzte Mal wirklich das Bedürfnis gehabt hatte mir die Seele aus dem Leib zu weinen, aber – Ting, Ting, Ting: Heute war mal wieder einer dieser Tage, die es geschafft hatten meine Arroganz für einige Stunden niederzureißen.

Na hoffentlich war mein Freund – sofern er sich nicht schon als mein Ex-Freund sah – stolz auf sich...
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Jul 02, 2013 10:10 am

Während ich hier so rumlag, fragte ich mich automatisch, ob es das wert gewesen war. Noch kannte ich nicht die Ausmaße der Konsequenzen, die auf mich zurollen würde, wie eine Lawine. Dass sie mich jedoch begraben und machtlos machen würden, das stand auf jeden Fall fest. Mein Gemüt, diese beleidigte Leberwurst in mir, kühlte mit jeder Minute ab, die ich im Schatten des Baumes verbrachte, in die Krone über mich starrend und den Lichtflecken folgend, wie einem schönen Glitzerspiel. Das hieß nicht, dass ich mich einfach gänzlich beruhigte, es hatte mich schon getroffen und daher war ich enttäuscht und verletzt, nur überdachte ich meine Reaktion jetzt mit einem relativ kühlen Kopf. Auf jeden Fall kühler, als er noch kurz nach dem Pokémonkampf der beiden Streithähne gewesen war. Mit einem Seufzen, immer wieder, versuchte ich mich weiterhin mehr und mehr zu beruhigen, während ich in Gedanken die ganze Zeit beim Rotschopf war. Der pochende Schmerz in meinem rechten Ringfinger schaffte es auch nicht, mich von den zahlreichen Bildern meines Freundes abzulenken, so fixiert und sehnsüchtig war ich auf ihn. Aber das würde wohl erst einmal keine Rolle mehr spielen, weil ich mir genau ausmalen konnte, wie er reagierte. Zwar ging ich nicht davon aus, dass er weinte – so weit hatte ich ihn bisher nicht gebracht, glaubte ich zumindest, wusste aber gleichzeitig, dass ich vieles eben nicht wusste – aber es war nicht schwer sich vorzustellen, dass ich fürs erste abgeschrieben war, obwohl ich mich schon noch im Recht sah. Das traurige an dem Ganzen war jedoch, dass ich verzweifeln würde und schlussendlich angekrochen käme, mit Entschuldigungen und anderem, nur damit er wenigstens wieder ein Wort mit mir sprach, oder mich ansah. So etwas wie Stolz verlor ich ihm gegenüber einfach, egal ob sich diese Emotion hin und wieder nach außen traute, in Anbetracht dessen, dass ich ihn liebte, konnte ich alles einstecken ebenso wie alles zurückstecken. So glaubte ich es jedenfalls, weil es immer so gewesen war. Trotz all meiner Strenge, trotz allem, was er verbockt hatte, gewann er am Ende jeden Kampf für sich. Nun, er hatte immerhin auch den Krieg gewonnen, über meine Seele und somit mein Sein hatte er die alleinige Gewalt.

Auch würde ich ihn suchen müssen, das zum Beispiel war schon der erste Schritt in die Demut, die mich später sicherlich niederdrücken würde. Mir vorstellen, dass er mich jemals suchen würde, wenn wir Streit hätten? Was für ein lächerlicher Vorschlag. Deshalb erhob ich mich irgendwann, klopfte mir Gras und Dreck von den Sachen, richtete mit einer einfachen Handbewegung meine Haare und zog den Rucksack über meine Schultern. Ich hatte keine Lust auf Gesellschaft, nicht von Pokémon, weshalb diese dort blieben, wo sie waren und ich war ziemlich dankbar dafür. Der Finger war inzwischen deutlich geschwollen, sicherlich mindestens angebrochen, doch davon ließ ich mich nicht beirren. Jetzt galt es wenigstens… so etwas Ähnliches wie Frieden zu schaffen. Mein Mund kräuselte sich, verzog sich und die Mundwinkel waren nach unten geglitten, als mein Blick in die Ferne schweifte. Hier war er schon mal nicht. Seufzend und ohne Plan schritt ich voran, ohne wirklich eine bestimme Richtung einzuschlagen oder vielleicht mal nach ihm zu rufen, denn das Gefühl, dass er mir Antworten würde, hatte ich nicht. Also musste ich mich anschleichen, ihn überraschen. „Scheiße.“, immer wieder murrte ich, fluchte ein wenig, wenn ich mit dem Finger irgendetwas streifte oder ihn aus Gewohnheit versuchte zu bewegen.
Keine Ahnung, wie lange und wie weit ich gelaufen war, wie oft ich den Schmerz schlimmer gemacht hatte und wie oft ich ebenfalls aus vielerlei Gründen frustriert aufgeseufzt hatte, aber ich wollte mich am Ende wirklich nicht mehr versteifen. Ich hoffte, dass ich mich nicht darauf versteifen würde, darauf dass er mich benutzt hatte wie irgendeinen Gegenstand, als Einsatz akzeptierend, meine Gefühle mal wieder vollkommen außer Acht lassend. Wirklich, ich wollte, wenn ich ihm gegenüber stand, in den Staub kriechen, weil ich ihn schon so sehr vermisste, dass meine Laune kaum vorhanden war und Trauer mein Herz ergriff.

Durch irgendein Gebüsch gebrochen, nicht gerade leise, fand ich mich vor einigen Bäumen wieder, welche nicht zu nahe, aber auch keine Kilometer entfernt waren. Sofort fingen meine Augen seine Gestalt ein, ohne viel zu suchen. Und nun… ja hier stand ich nur. Stand einfach nur da und schluckte schwer, ohne mich zu rühren. Würde ich jetzt mit Steinen beworfen werden?
Sein Anblick, selbst wenn es nur eher Rücken war, machte mir klar: Das war es natürlich nicht wert gewesen.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Jul 02, 2013 10:56 am

Das Fell meiner Pokémon hatte einen guten Geruch, als ich mein Gesicht abwechselnd an ihre kleinen, warmen Körper schmiegte und mir auch mal meine Dosis von Kuscheleinheiten gönnte. Zugegeben wäre Touma sicherlich ein besseres Kuschelkissen – und er würde mir auch nicht ab und an das Gesicht lecken... oder vielleicht doch – aber bis es soweit war, würden jetzt ganz bestimmt ein paar Tage, wenn nicht Monate ins Land ziehen. Sofern er nicht mit dieser doofen Göre durchgebrannt war. Alleine der Gedanken ließ meine Zähne knirschen und Lupo und Lady horchten auf, weswegen ich mich wieder in den Griff bekam und meine Kiefermuskulatur ein wenig entspannte. Schmerzen hatte ich mir bei Weitem genug eingebrockt und ich sah eigentlich nicht ein, dass ich mir wieder welche zufügen würde, nur weil ich ein bisschen Frust schob. Erst einmal würde der sich nicht in Luft auflösen, nur weil ich mir den Kiefer ausrenkte. Zweitens würde ich vielleicht noch die Chance haben, die ganze Sache mit meinem Freund zu klären... aber wollte ich das eigentlich? Klar, klar. Auch wenn man es nicht immer bemerkte, bedeutete mir Oniichan mehr als alles andere in der Pokémonwelt, aber ich war für solche emotionalen Kisten ein wenig zu temperamentvoll. Mir lag es nicht, solche Dinge wie ein erwachsener Mensch zu klären und das würde ich auch dieses Mal nur mit Ach und Krach hinbekommen – wenn überhaupt. Am Ende würde ich vermutlich schreien, ihn treten und einige Stunden gar nicht mit ihm reden... sofern er dies zuließ. Ach! Warum konnte mir nicht irgendein Taubsi zwitschern, ob es überhaupt noch eine Chance für mich gab? Dann könnte ich mir ernsthafte Gedanken darüber machen, wie ich die Sache angehen würde, sobald ich die Möglichkeit dazu hatte. So leicht war das Leben aber leider nicht, auch wenn ich nicht behaupten konnte, dass man es als ein Pokémontrainer so schwer hatte. Keine wirklichen Pflichten, man war praktisch ständig im Urlaub und alles ging nach eigenem Ermessen. So sollte man meinen, dass ich die Zeit mit meinem Freund eigentlich genießen könnte... wenn da eben nicht so Vorfälle wären, wie der vom heutigen Tag. Dumme Vorfälle, welche ich eigentlich vermeiden wollte...

Evoli und Riolu merkten viel früher als ich, dass sich im Gebüsch nicht weit von uns etwas regte und lauschten auf. Als Lady dies sogar zum Anlass nahm um von meinem Schoß zu springen und treu-doof in die Richtung zu starren, richtete auch ich meinen Blick in die Richtung – glaubte, dass sich vielleicht eines der Voltilamm hierher verirrt hatte. Kein Beinbruch, es würde mich nicht stören. Doch ich erblickte natürlich kein hellgelbes Fellknäuel, sondern... die Person bei der ich mir noch gar nicht sicher war ob ich sie sehen wollte. Mein verräterisches Herz machte natürlich einen Sprung, weil ich erleichtert war, dass er bei mir war, aber der Ausdruck auf meinem Gesicht blieb steif und so unglaublich unfreundlich, wie es für mich eben Gang und Gebe war. War auch sonst er derjenige, der es schaffte diese Züge zu erweichen, gab ich ihm diesmal nichts von meiner lieblichen Seite. Die hatte er nämlich nicht verdient. Und da ich es blöd fand ihn einfach nur anzustarren, als hätte er ein paar Beeren im Gesicht kleben, blieb mir wohl nichts anderes übrig als die Konversation die wir definitiv führen mussten, einfach in einem spontanen Gelage ausarten zu lassen. „Komm her, Lady...“, flüsterte ich und sie sprang mir auf die freie Schulter – Lupo hing an der anderen – noch bevor ich mich aufrichten und zu dem Älteren wenden konnte.

Endlich nahm ich mir die Zeit ihn genauer zu mustern und erkannte auch, dass sein Gesicht – oder besser gesagt seine Lippe – in Mitleidenschaft gezogen war und... ich dachte an etwas, was mir sofort wie ein Klumpen in der Kehle stecken blieb. So eine war sie also... stand beim Rumknutschen auf Beißen. Und er schien mitgemacht zu haben. Irrationales Denken? Wohlmöglich, aber wenn man das Selbstbewusstsein nur als eine Fassade nutzte um nicht verletzt zu werden, dann hatte dies einen Grund. Den Grund – zumindest bei mir – dass ich mich unfassbar wertlos im Gegensatz zu ziemlich jedem anderen Lebewesen fühlte. Wäre demnach nicht verwunderlich, wenn auch er dies endlich erkannt hätte und nur hier war um mir zu sagen, dass ich heute – und überhaupt immer – nicht mehr auf ihn warten müsste. Nicht, dass ich dies insgeheim getan hätte... überhaupt nicht! Schluckend unterdrückte ich den Impuls ihm in sein Gesicht zu schlagen, näherte mich aber einige Schritte um ihm besser ins Gesicht sehen zu können. „Weißt du was? Was ich getan habe... war unglaublich dumm.“ Das klang nicht annähernd wie jemand der sich Schuld eingestand, aber ich konnte nicht lieblich und süß klingen – sollte er wissen, sofern sein Kopf nicht voll von seiner neuen Flamme war. „Es tut mir wirklich leid, dass ich oft nicht nachdenke, bevor ich meinen Mund aufmache oder handle.“ Diesmal klang ich beinahe schon bitter und ich machte noch ein paar Schritte auf ihn zu, stand so dicht vor ihm, wie er es eigentlich wohl genießen würde – ob er es heute auch tat?
Ein wenig traurig wurde der Blick in meinen sonst so lodernden Augen schon. „Aber du... du denkst immer nach bevor du etwas tust... du bist berechnend... du achtest darauf, wie du auf andere wirkst... das ist dein Ziel und Lebensinhalt...“ Wie das Klappern vom Schweif eines Arbok, meine Stimme wurde leiser – ich biss sogar leicht die Zähne und Augen zusammen bevor ich weiter fortfuhr. „... du hast das getan, weil du mich verletzten wolltest...“ Ich merkte förmlich, wie die Kälte aus meines Gesicht verschwand und rief wie automatisch meine Pokémon mit einem geschickten Druck auf die Pokébälle zurück an ihren Platz. Ich hasste es, wenn man mich schwach sah... ich hasste es schwach zu sein. „Du bist mit ihr mitgegangen... hast sie dich berühren lassen... um mir weh zu tun...“ Die Hände, welche mittlerweile zur Faust geballt waren, zitterten... weil ich vor Zorn zitterte... und vor Angst... und vor allem vor Beherrschung, damit ich ihm nicht ins Gesicht schlagen würde. „Herzlichen Glückwunsch... Touma... du hast dein Ziel erreicht.“ Tränen hingen mir in den Augenwinkeln. „Ich hoffe, du bist zufrieden.“ Noch bevor die einzelnen Tropfen über meine Wangen rollen konnten und den Rest meiner Selbstbeherrschung und des Stolzes wegspülen konnten, drängte ich mich an ihm vorbei, streifte ihn mit meiner Schulter und glaubte, dass es vielleicht die letzte Berührung war, welche ich je von ihm spüren würde. Ich rannte nicht weg, flüchtete nicht. Ich schlurfte einfach durch das hohe Gras davon, zog den Kragen meines Shirts in mein Gesicht und rieb die feuchten Spuren von den Augen und Backen. Genug geheult..
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Jul 09, 2013 10:53 am

Mir war schlecht, der Magen rumorte und ein erdrückendes Gefühl, als würde ein Relaxo sich auf meinen Brustkorb setzen, machte sich breit. Nein, nein. Es war das Ganze nicht wert gewesen, ich war vor Sehnsucht vergangen und hatte ihn vermisst… der Anblick seines Rückens, seine Präsenz in meiner Nähe, es erinnerte mich daran mit einem sehr schmerzhaften Schlag in die Magengrube. Ein ganzer Tag war verloren, weil ich meinen Kopf nicht unter Kontrolle hatte, wenn es um solche Dinge ging. Wenn es um ihn ging, um genau zu sein. Beherrscht und immerzu darauf bedacht freundlich zu sein, niemals aus dem Rahmen zu fallen und es allen recht zu machen… so war ich. Doch bei ihm wurde alles anders, alles umgeworfen und verworfen, kaputt und instabil. Ihm gegenüber war es schwer so zu sein, weil ich doch anders war, ehrlich war. Er war der einzige, der mich kannte und dem ich meine Gefühle darlegte, ohne sie zu verfälschen. Somit war es auch mein Handeln, welches ihm gegenüber anders war, selbst wenn ich es mir in solchen Situationen lieber verkniffen hätte. Gerne wäre ich beherrschter, so wie zu anderen, doch das war fast unmöglich, wie man gesehen hatte. Und eigentlich dachte ich, dass er es wusste.

Sein bitterböser Blick war ein weiterer Schlag, den ich kaum ertragen konnte und weswegen ich glaubte gleich den Halt zu verlieren. Der Box von dem stämmigen Kerl in mein Gesicht war nicht im Geringsten so schmerzhaft wie das, was ich jetzt ertragen musste. Irgendwo auch selbst schuld, wenn es na Masao ging sicherlich völlig selbst schuld. Ich kniff die Augen zusammen und schlussendlich standen wir da, musterten uns schweigend und ich ging vielen Gedanken nach. In so einer kurzen Zeit schaffte ich es zum Beispiel trotzdem darüber zu philosophieren, was nun passieren würde, wie wütend er wirklich war und wie lange es dauern würde, bis seine Schläge und seine Beleidigungen nachließen. Aber die Zeit reichte auch, um zu schwärmen. Selbst in so einem Moment signalisierte mir mein schmerzlich flatterndes Herz, wie viel ich für ihn empfand. Für mich war er der einzige, der es schaffte solche Gefühle auszulösen und natürlich empfand ich ihn selbst im Streit als den schönsten, besten Menschen, auf dieser Welt. Ich schluckte, weil die Angst über das Flattern meines Herzens siegte. Wie lange würde er bei jemandem wie mir bleiben? Nach heute… Daran wollte ich nicht denken, aber es nützte nichts. Auch diese zerstörende Möglichkeit zog ich in Erwägung. Es schien sogar ziemlich plausibel und… längst überfällig.

Was seine Stimme schlussendlich für Wörter formte, ließ mich erstarren. Jetzt würde die Welt untergehen, so kam es mir vor. Alles woran ich glaubte, immerhin kannte ich ihn – oder nicht? – schien in sich zusammen zu fallen. Denn da waren keine Schläge und Beschimpfungen, nur eine Kälte in seiner Stimme und Wut in den Augen, die in Kombination mit dem Gesagten schlimmer war, als jeder physische Schmerz, den man mir hätte zufügen können. Den ekligen Kloß in meinem Hals konnte ich trotz mehrmaligem Schlucken nicht fortbekommen. Gebannt starrte ich ihn an, paralysiert und wirklich überfordert mit dieser Art seiner Reaktion. Meinem Körper entging nicht, dass er sich mir genähert hatte, denn er liebte es genauso, wie mein Geist es tat. Selbst unter diesen Umständen noch. Gänsehaut rollte über mich hinweg, doch ich konnte nicht ausmachen, ob es die Panik und Angst war, oder die Freude darüber, dass er so nah bei mir stand. Ich war verzweifelt.
Und es wurde nur schlimmer, als die Trauer seine Augen erfasste, mir die Ausmaße meines Handelns nun deutlich darlegend. Mir war jetzt mehr als schlecht, ich wollte im Erdboden versinken und nichts von dem, was mich zuvor noch wütend gemacht hatte, war noch da. Enttäuscht war ich immer noch, irgendwo. Doch das spielte keine Rolle mehr, denn es war eine Enttäuschung wegen mir selbst, die alles in den Schatten stellte. In meinem steifen Blick lag vollkommene Ratlosigkeit und überfordert weiteten sich meine Augen, während ich die Luft anhielt und zu zittern begann, als ich seine Tränen in den Augenwinkeln sah. War das das Ende? Super gemacht Touma…da konnte ich ihm nur zustimmen, mich selbst verfluchend.

Stumm wurde ich von ihm weg gedrängt und versuchte meine sich überschlagenden Gedanken zu ordnen. Würde dieser Stoß wirklich das letzte sein, was ich von ihm bekam? Die letzte Berührung, weil nun alles vorbei war, noch ehe es richtig angefangen hatte. Ich war zusammengezuckt und schluckte erneut, die Luft laut in meine Lungen saugend, da ich bis eben den Atem angehalten hatte. Nein. Ich würde nicht aufgeben… So schwer es mir auch fiel mich zu bewegen oder gar daran zu glauben, dass ich da noch was dran drehen konnte, hallte in mir ein Satz wieder, der mir Mut machte. Sofern man hier noch Mut haben konnte… Es war eher ein letzter Funken Hoffnung. ‚Er hat es nicht ausgesprochen.‘ Innerlich wiederholte ich es wie mein Mantra, als ich meinen Körper gewaltsam aus der Trance riss und herumwirbelte, um die Schritte zu ihm aufzuholen, die er sich von mir entfernt hatte. Nach seiner Schulter greifend, versuchte ich ihn umzudrehen und griff dabei mit der linken Hand nach seinem linken Handgelenk, damit er sich nicht sofort befreien konnte oder mir auswich. „Das war nicht mein Ziel gewesen!“ Mit bebender Stimme versuchte ich mich wenigstens noch zu rechtfertigen, bevor er für immer aus meinem Blickfeld war und mich zurückließ. Dass ich ihn zum Weinen gebracht hatte war pure Folter. Bestimmt drückte ich ihn im Affekt an mich und vergrub mein Gesicht in seiner Schulter, während beide meiner Arme ihn umschlossen und fixierten. Noch nicht… ich wollte ihn nicht hergeben. Eigentlich ja niemals, aber wenn ich schon musste, dann nicht ohne Kampf und nicht ohne ihn zum letzten Mal zu umarmen, den Duft seiner Haut einatmend. Es tat schon weh, dass er so von mir dachte und mich praktisch zum Heuchler degradiert hatte mit seinen beschuldigenden Worten, aber an solchen Schmerz war nicht mehr zu denken. Ich musste einstecken, so lief das eben und ich tat es gern, wenn er dafür nicht fortging. Er wusste es ja anscheinend nicht…
„Du bist der einzige, bei dem ich nicht berechnend bin… bei dem ich etwas empfinde und nicht nur nachdenke, wie ich mich verhalten soll. Du bist der einzige, für den ich Gefühle habe… der einzige, der mich verletzen und aus der Fassung bringen kann… der einzige, den ich liebe.“ Mehr als ein Flüstern gegen seine Haut war es nicht, was ich da so deutlich reumütig und voller Verzweiflung versuchte zusammen zu fassen. Ich hätte ihm Romane vortragen können, hätte auch Vorwürfe machen können, doch ich beließ es dabei. Die Schuld lag doch eh wie immer bei mir… ich gab sie mir nun selbst in vollen Maßen.
„Es tut mir leid.“, mich von ihm gelöst, auch wenn ich noch schwach sein Handgelenk umklammerte, senkte ich meinen Blick, um selbst die Tränen, die in meinen Augenwinkeln hingen, zu verbergen, und murmelte seufzend. „Ich wollte dich nicht verletzen…“ Nur hatte ich eben nicht nachgedacht und es war zu spät.
Was mit der Tatsache war, dass er mich zutiefst verletzt hatte? Nichts, die spielte keine Rolle. War doch nun eh alles zu spät?
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Jul 09, 2013 12:17 pm

Es war so lange her gewesen, dass ich mich wirklich deprimiert gefühlt hatte, dass es mich jetzt so traf wie der Schlag eines wildgewordenen Knockchan... ich hatte kein Gefühl mehr dafür, weil ich mein Leben mit Touma so verdammt unbeschwert hatte führen können und trotzdem war es nun erschüttert. Was wir hatten schien bis auf die Grundmauern zu beben und ich war kein Mensch der Dinge schnell aufgab – oder eigentlich doch, aber nicht solche essenziellen, wichtigen Dinge – aber gerade war ich mir so enorm unsicher. Würde das zwischen uns wirklich klappen? Konnte ich ertragen, dass er war wie er war ohne dabei einen Schaden zu tragen, welcher mir mehr Schmerz als alles andere bringen würde? Irgendwie konnte ich mir das nicht vorstellen. So gerne ich es auch wollte... um Himmelwillen! Ich wollte es wirklich... aber ich kam mit solchen Situationen einfach nicht zu Recht, was nicht einmal an ihm lag, sondern an mir. Warum musste ich so heftig reagieren? Warum konnte ich mir seine Seite der Medaille nicht wenigstens einmal ansehen und musste darauf erpicht bleiben nur meine Sicht der Dinge zu glauben und anzunehmen? Vor mir befand sich kein Fremder, der hinter meinem Rücken alles gegen mich verwenden würde, was nur ging, sondern mein Freund. Der Mensch, den ich so unfassbar liebte, dass ich manchmal glaubte ich musste unter Charme stehen... vermutlich seit der Sekunde als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte...
Damals war es keine Liebe – bestimmt nicht, weil ich dazu zu jung war – aber es hatte sich fortlaufend von da an entwickelt. Jeden Tag hatte ich ein weiteres Puzzleteil in das Gefüge gesetzt und was am Ende rausgekommen war... das klang nun schmalzig... war das Sinnbild meiner Wünsche, Träume. Sozusagen mein Traummann. An diesen Gefühlen hatte ich auch jetzt keinen winzigen, kleinen Zweifel... aber wenn man zu schwach war diesen Gefühlen Stand zu halten... wie man sah war ich ganz grandios darin Dinge zu zerstören... menschliche Beziehungen auf die Probe zu stellen. Hatten sich nicht umsonst meine ganzen ehemaligen Klassenkameraden von mir abgewendet. Sie hatten die Schnauze von diesem gemeinen Kerl der ich war, einfach nur voll gehabt. Nun war es bei meinem... Ex-Freund wohl auch so.

Zumindest konnte ich mir nichts anderes vorstellen, als ich ihm den Rücken zugekehrt hatte. War ich also beschränkt oder ein Realist? Anscheinend hatte ich nicht genug Fantasie, denn natürlich ließ mich Touma nicht gehen und zu meinem Glück schnappte er sich mein nicht-schmerzendes Handgelenk, als er mich an der Schulter zu sich umdrehte. Mein Gesicht war gesenkt und ich war sauer, dass er seine Kraft ausnutzte um mich bei sich zu halten. Schnaubend ließ ich es dennoch erst einmal zu und nutzte nicht meine Faust um ihn von mir zu hebeln. Diese aufgezwungene Nähe. Tatsächlich stand mir der Sinn danach mich zu übergeben. Stattdessen stand ich einfach nur starr da und hörte seinen Worten zu, blickte unberührt an ihm vorbei in die immer satter werdende Dunkelheit. Natürlich lösten seine Worte etwas in mir aus, doch für ein allzu großes, schlechtes Gewissen war ich einfach viel zu stolz. Nicht einmal das Wort, dass er mich liebte, konnte wirklich dafür sorgen, dass ich mich besser oder anders fühlte. Mir war klar, dass ich nicht wollte, dass sich unsere Wege trennten. Das hatte ich schon vorher gewusst. Doch mir war auch klar, dass die Sache so nicht bleiben konnte. Wir würden uns sonst vielleicht an die Gurgel springen – oder besser gesagt ich ihm. Bei mir war nicht so schnell Gras über die Sache gewachsen und es mussten noch viele Tage vergehen, bis ich ihm wieder ins Gesicht blicken konnte, ohne darin Zorn widerzuspiegeln, oder etwa nicht? „Natürlich nicht...“, brummte ich genervt.
Mit einem kräftigen Ruck entwand ich ihm mein Handgelenk und nutzte meine frei gewonnene Hand auch so gleich um ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Gewalt war keine Lösung? Warum trugen wir in dieser Welt unsere Kämpfe dann mit Attacken aus? Pokémon gegen Pokémon? Keine Ahnung... aber anscheinend war es doch irgendwie eine Lösung und ich wusste nicht, warum ich versuchen sollte mich dieser Lösung zu entziehen, wenn es offensichtlich Gang und Gebe war. Ich blickte in sein Gesicht, noch immer mit lodernder Wut und boxte ihm dann gegen die Brust... erst mit der Linken... dann sogar mit der Rechten. Nicht wirklich so fest um ihm wahrhaftige Schäden zuzufügen, aber er sollte es spüren. „Mistkerl...“ Das war nur eines der Beleidigungen, die ich ihm an den Kopf knallte. Mit jedem Hieb – schwächer und schwächer werdend – kam ein anders über meine Lippen und am Ende waren wir bei acht Schlägen – vier mit jeder Hand – und somit auch acht Beleidigungen. Zitternd lagen meine Hände an seiner Brust und wo ich sie eben noch zu Fäusten geballt hatte, spreizte ich nun meine Finger und spürte seinen Herzschlag so deutlich.
Unterbewusst krallte ich mich in den Stoff, ließ nun auch meinen Kopf gegen seinen Brustkorb sinken und fand das alles so lächerlich. Warum stritten wir eigentlich, wo wir uns doch liebten? Das machte alles absolut keinen Sinn... ich wollte ihn nicht verlieren und es war absolut albern, dass ich daran dachte, dass er irgendetwas mit dem Mädchen getan hatte, was mich verletzten würde. Wenn er Lust dazu hätte, würde er mich doch sicher vorher abservieren... so viel Anstand hatte er auf jeden Fall. Langsam schlang ich meine Arme um seinen Oberkörper und... wir waren alleine. Nicht einmal Fellbündel von waren in unserer Nähe... warum sollte ich also Hemmungen haben? Mit strengem Gesichtsausdruck blickte ich zu ihm nach oben, hob eine Augenbraue, streichelte zwischen seinen Schulterblättern entlang und seufzte. „Nur weil du der Oniichan bist... musst du nicht immer die ganze Schuld auf dich nehmen...“, knurrte ich und verengte die Augen ein wenig. „Ich... nun... ich liebe dich auch...“ Schnaubend vergrub ich mein Gesicht an seine Brust. Zum Glück konnte er den roten Schimmer auf meiner Wange bei diesem Licht nicht sehen. „Fünf Minuten...“ Keine Ahnung ob er verstand was ich meinte... dass ich ihm gerade ankündigte, dass er fünf Minuten hatte um mich zu umarmen... ich wusste eigentlich selbst nicht was ich meinte... irgendwie hatte ich wohl einen Hirnschaden durch irgendwas erlitten, anders konnte ich mir mein Verhalten nicht erklären.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Fr Jul 19, 2013 10:59 am

Ehrlich gesagt konnte ich mich wirklich nicht daran erinnern, wann es zuletzt so gravierenden Streit gegeben hatte, zwischen dem Rotschopf und mir. Es war eine lange Zeit schon sehr unbeschwert gewesen, friedlich trotz der Neckereien und kleinen Wutausbrüchen seinerseits, weil ich unverschämt war. Hin und wieder eben. Aber vermutlich war das tatsächlich das erste Mal, dass ich ihn zum Weinen gebracht hatte, was sich genauso anfühlte, wie eine glühende Klinge, die mir von den Weichteilen bis zur Kehle hochschnitt und mich praktisch in Zwei teilte. Selbst als unsere Freundschaft noch auf tatsächliche Freundschaft beruhte oder ich gar als Kind abweisend und kühl zu ihm war, hatte ich ihn wohl nie so verletzt wie jetzt. Zumindest konnte ich wenn, gerade nicht daran denken, weil in meinem Kopf nur Verlustängste und Reue die Runde machten. Dass ich mein eignes Temperament ihm gegenüber nicht im Griff hatte war ebenso ein Problem, wie ein Liebesbeweis. Klar war jedoch, dass er sicherlich nicht letzteres in Erwägung zog, weil er immer nur das sah, was er sehen wollte. Das nahm ich ihm nicht übel, im Moment empfand ich überhaupt nichts dergleichen, war nicht in der Lage seine vermeintlichen Fehler zu sehen und beschäftigte mich ausschließlich mit meinem blöden Fehlverhalten und den nun folgenden Konsequenzen. Dass ich mich noch bemühte die Sache rauszureißen und mich nicht nur entschuldigte, sondern ihm meine Liebe schwor war ja schön und gut, linderte aber weder meine Angst, noch schien es meine Chancen zu erhöhen ihm wieder näher zu kommen. So wie ich mir sonst seiner Gefühle sicher gewesen war, so war ich es immer auch irgendwie nicht. Nicht, weil ich glaubte angelogen zu werden, gar ausgenutzt. Nein. Es war diese Panik, dass auch seine Liebe irgendwann verschwinden würde, er mich zurückließ, weil er genug von mir hatte und andere Dinge fand, mit denen er sich beschäftigen würde. Lieber als mit mir. So war es bei meinen Eltern gewesen, so würde es sicher auch hier enden, wahrscheinlich sogar hier und jetzt. Auf die Idee, dass die gleichen Gedanken in demjenigen wohnten, der sich von mir entfernen wollte, kam ich nicht. Für mich hatte er immer diese Selbstsicherheit, ich glaubte nicht, dass sie mir gegenüber ein Schutz war, weil ich ihn nicht anders kannte.

Es war ein Fehler und doch war es keiner, denn hätte ich ihn einfach laufen lassen, hätte ich es mir niemals verzeihen können. Wie sollte ich ohne diesen Menschen leben? Diese Frage hatte ich mir schon ziemlich oft gestellt, mindestens einmal am Tag, sowohl bei guten, als auch bei schlechten Anlässen. Ich konnte weder ohne seine mürrische, abweisende Art leben, noch ohne den sturen, abenteuerlustigen Jungen, der sich hin und wieder dazu durchrang mir ein bisschen Nähe zu schenken und meinen Wünschen nachzugeben. Es war sicherlich eine Qual für ihn, eine sehr anstrengende Überwindung und das schätzte ich sehr. Ich war ihm für jeden Tag bisher dankbar gewesen, daran änderte die Tatsache, dass er mich wie ein lebloses Stück Papier als Einsatz benutzt hatte.
An seiner Körperhaltung, während ich geredet hatte, konnte ich spüren, dass ich den Bogen wahrscheinlich extrem überspannte. Er war sonst niemand, der sich Gefühlsduseleien hingab, also würde es gleich Schläge geben, denen ich standhalten, die ich aber nicht erwidern würde. Dazu wäre ich niemals fähig. Die erste Schelle traf mich, erschütterte meinen Schädel und brachte die Tränen, welche bisher nur an den Augenwinkeln hingen, ins Rollen. Es schwappte praktisch über, während ich blinzelte und damit den Schmerz, welcher sich auf meiner Wange einbrannte, zu ignorieren versuchte. Das war erst der Anfang und ich musste fast ein wenig lächeln, was man in dem Licht nicht so gut sah, auch weil es ziemlich schwach, kurz und traurig von Statten ging. „Wirklich…“

Jeder Hieb war fast wie eine Befreiung für mich. Ja, er sollte seine Wut an mir auslassen, bitte. Masochistisch veranlagt? Eigentlich nicht, doch es war besser, als ihn weinen zu sehen. Jeden Schlag nahm ich hin, blieb eisern auf meinen Beinen stehen und steckte ein. Schlag um Schlag, Beleidigung um Beleidigung, bis es vorbei war und ich seufzen musste. Ich hatte mehr erwartet. Nein, ich hatte mehr ersehnt. Für meine Missetat hatte ich mehr verdient, als eine Ohrfeige und einige Hiebe mit Beleidigungen. Inzwischen sah ich ihn im Recht, warum auch nicht? Hauptsache er verließ mich nicht und wenn das bedeutete, dass er mich nur noch schlagen würde. Ich liebte ihn, würde ihn immer lieben und ertrug nicht den Gedanken, dass er ging oder ein anderer seine Hand auf dem Gesicht oder gar in der eigenen Hand spüren können würde, wenn er sich umsah und erkannte, dass es so viel bessere Menschen auf dieser Welt gab, als ich es einer war.
Seine warme Hand auf meiner Brust brachte mein Herz zum Rasen, sicher nicht weil ich irgendwelche perversen Gedanken hegte oder mir gerade einer abging, sondern einfach, weil er noch da war und ich seine Wärme spüren konnte. Die Augen geschlossen, genoss ich dieses Gefühl, als wäre es das letzte Mal. Auch wenn ich nicht verstand, warum er das tun wollen würde, wenn er mich ohnehin fallen lassen wollte. Wollte er das nicht? Seine Arme glitten um meinen Körper und ich blickte hinab, in ein verwirrend verzogenes Gesicht, welches mich in Anbetracht der Situation doch ein wenig überforderte. Aber auch wenn mein Herz aussetzte, weil er sich an mich schmiegte und wir in diesem Moment alleine etwas Inniges teilten, konnte ich nach einem Schlucken Worte finden. „Hab aber die Schuld…“, murmelte ich leise, doch war zu sehr damit beschäftigt ihm in seine Augen zu schauen und in diesem Glanz zu vergehen, als wäre ich eine Sternschnuppe, die sich langsam auflöste, weil sie in die Atmosphäre eintrat.
Auch wenn es leise gewesen war, ich hatte ihn verstanden und mir stand ebenso wie im ein roter Schimmer auf dem Gesicht, aber auch meine Augen waren ein wenig geweitet und für einen Moment fühlte es sich an, wie ein Schreck, der mit einem Rumoren in der Magengegend ausklang. Natürlich konnte ich meine Arme nicht davon abhalten, dass sie sich auch um seinen Oberkörper schlangen und ihn feste an mich drückten. Seinen Herzschlag konnte ich ebenso spüren, wie er meinen, während ich eine Hand auf seinen Hinterkopf legte und ihn ermutigte sein Gesicht weiter an mich zu pressen, ohne dabei zu ersticken natürlich. Fünf Minuten… keiner von uns hatte eine Uhr oder einen Wecker gestellt, ich nickte und nahm, was man mir gab. Jetzt wo wir so vereint standen, fiel die Angst irgendwie ab und es war viel einfacher wieder Luft in die Lungen zu saugen, während ich stumm mein Gesicht wieder an seine Schulter lehnte. „Danke.“ Es war ein Flüstern, welches ich ausgesendet hatte, als ich an seinem Ohr gewesen war und es aus Versehen – wirklich – mit den Lippen gestreift hatte. Noch fielen vereinzelt Tränen auf sein Shirt, doch ich hoffte, dass er es nicht merkte und ich wollte nicht viel mehr sagen in dieser Situation, sondern ihn einfach so lange halten, wie er es mir erlaubte. „Ich liebe dich.“
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Fr Jul 19, 2013 12:28 pm

Jemanden zu lieben, bedeutete auch, dass man manchmal einen Schritt zurück machen musste um in sich zu gehen. Kompromisse finden, auch wenn es für manche Menschen sehr schwer war. Für mich war es sehr schwer. Mein Ehrgeiz verbot es mir meistens in die Saure Beere zu beißen und ich hatte mindesten den Stolz eines Arkanies. Trotzdem gab es auch Momente in denen ich mir dachte, dass es doch irgendwie besser war einmal zurück zu stecken, anstatt etwas zu verlieren, ohne was man vollkommen aufgeschmissen war. Schon ironisch, dass wir uns gegenseitig so viel Wert zuschrieben, ihn uns selbst aber aberkannten – wo wir doch schon ähnliche Gedanken hatten und unsere Gefühle füreinander so ernst waren. In meinem gesamten Leben hatte ich Worte niemals ernster gemeint als die, die ihm versicherten, dass ich ihn liebte. Oft tat ich das nicht, weil es mir schwer fiel und es nicht so einfach war... aber wenn ich es so leise hervor brachte, dann war darin kein Funken Zwang oder sonstiges. Zu solch wichtigen Worten, würde ich mich auch niemals zwingen lassen und sobald ich ausgesprochen hatte was ich wirklich empfand, vergaß ich zumindest den Streit den wir hatten. Wir hatten uns Gegenseitig verletzt und es wäre dumm nun Haarspalterei zu betreiben und zu überlegen wer den größeren Mist gebaut hatte. Beide waren wir nicht perfekt und hatten unsere Fehler, demnach war es wohl auch gar nicht nötig, dass ich mir weiter Gedanken darum machte... und er tat dies hoffentlich auch nicht mehr. Wir mussten voran schreiten und nicht ewig auf dieser Lappalie herumeiern. Das würde uns die Reise schwer machen, aber vor allem die Beziehung, welche mir so wichtig war.
Merklich spannte ich meine Muskeln an, als wäre ich selbst ein Machollo, welches seine Pracht zur Schau stellen wollte... doch die Erwiderung die von ihm ausging – auch wenn ich sie eigentlich zugelassen hatte – löste in mir eben doch etwas aus, was man als Unbehagen bezeichnen könnte. Nähe war wohl etwas, mit dem ich im Leben nicht fertig werden würde... zumindest dann wenn sie initiativ von anderen als mir ausging. Mir war es nicht unbedingt leicht gefallen mich so an ihn zu heften und noch weniger war es mir leicht gefallen ihm zu sagen was ich empfand – es aber zu empfangen war noch viel schwerer. Schwerer als ein Relaxo oder gar der Mond wog. Daher würden es auch keine leichten fünf Minuten für mich werden und sie wurden auch sicherlich nicht leichter, als er mir mal wieder eröffnete, dass er mich liebte. So als würde ich es nicht wissen und so als hätte er es nicht gerade schon gesagt. Schweigend nahm ich es hin und war umso glücklicher, dass mein Gesicht an ihn gepresst war. So konnte wirklich niemand sehen, dass meine Wangen gerötet waren. Ob ich merkte, dass warme Tränen durch mein Shirt sickerten und meine Haut berührten? Ja. Doch das würde ich tot schweigen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er es schön finden würde, wenn ich ihn darauf aufmerksam machen würde... zumindest würde es enorm an meinem Ehrgefühl kratzen, wenn er mich auf etwas hinweisen würde, was ich sehr gut selbst wusste. Somit hatten wir uns also Gegenseitig zum Weinen gebracht... ich musste nicht nachfragen um zu wissen, dass ich ihn verletzt hatte und das ich ihn umarmte war ja stellenvertretend für eine Entschuldigung... und die Worte die ich hervorgepresst hatte sowieso.

Fünf Minuten hatten bei mir eine Spanne von zwei Minuten. Das war unfair – ja – doch mir war es wirklich nicht unbedingt angenehm hier mitten unter freiem Himmel rum zu kuscheln. Ebenso mochte ich es nicht in einem Zimmer zu kuscheln. Wann mochte ich es also? Selten. Jedenfalls wand ich mich danach aus seiner Umarmung und zog mein Shirt wieder zu Recht, sah ihn an und aus meinem Gesicht war Unsicherheit, Trauer und auch Verlegenheit gestrichen. Wie immer funkelten meine Augen in der Dunkelheit wie Glut in einem braunen Farbton der ein wenig wirkte wie flammendes Geäst. „Keine Dates mehr... du gehörst zu mir und ich will das nicht.“, stellte ich klar und man merkte mir an, dass es mir nicht schwer fiel diese Worte zu sagen – einfach weil ich sie ernst meinte, weil ich Nägel mit Köpfen machen wollte und weil wir ein Paar waren. So sehr ich mich auch gegen Schmuserein sträubte, war mir dieser Fakt bewusst und ich wollte ihn auch nicht verheimlichen. Mir war es nicht peinlich, dass ich eine Beziehung hatte. Auch nicht, wenn man bedachte, dass es viele verwerflich fanden, wenn zwei Männer miteinander ausgingen. Jedenfalls würde ich niemals leugnen, dass er zu mir gehörte und er sollte mir niemals wieder das Gefühl geben, dass ich mich irrte. „Na ja... Dates mit mir sind noch erlaubt.“, fügte ich an und boxte ihm spielerisch noch einmal gegen die Brust, damit er diesen Satz auch bloß nicht zu ernst nahm und auf dumme Gedanken kommen würde... Dates... PFF! Wozu waren die eigentlich überhaupt nötig? Mir reichte unser gemeinsames Leben und ich empfand, dass wir damit schon weiter waren als viele andere Liebespaare... schließlich verbrachten wir wirklich nahezu jede freie Minute miteinander.
Mit den Armen vor der Brust verschränkt, wendete ich mich von ihm ab und marschierte langsam los. „Komm schon... ich bin wirklich müde und will ins Bett.“, befahl ich in meiner gewohnten Strenge, schob die Hände in die Tasche und trottete davon. Mir schwirrten sehr viele Fragen und Gedanken im Kopf umher, die ich gerne an Touma bringen würde. Doch auch hierfür war ich nicht prädestiniert. Somit würde ich das Thema und den Vorfall wohl einfach schleifen lassen und mir nicht die Mühe machen meine Energie darauf zu verschwenden was nun eigentlich an diesem Tag passiert war. Nichts war passiert was unser Zusammenspiel beeinflussen könnte. Weder hatten sich seine Gefühle für mich geändert, noch meine für ihn. Wir waren so unzertrennlich wie die Köpfe eines Dodu – ganz ohne Zweifel. Trotzdem wendete ich mein Wort noch einmal an ihn, wenn ich mich auch nicht direkt an ihn wendete. „Und... sag das nicht so oft... ich hab es beim ersten Mal verstanden...“, knurrte ich und nahm einfach mal an, dass er wusste wovon ich sprach. Schließlich kannte er mich und wusste wie befremdlich Gefühlsdusel für mich war und wohl immer bleiben würde. Schon faszinierend, dass er diesbezüglich so anders war als ich und trotzdem mit mir zusammen war. Wenn es nach ihm ginge, wären wir sicherlich schon etliche Schritte weiter... wenn es nach mir ginge würden wir niemals die Grenze von diesen flüchtigen Berührungen überschreiten.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Do Jul 25, 2013 10:22 am

Als wäre es eine zarte Blume gewesen, nieder getrampelt und schwach am Boden liegend, hatte sich die Hoffnung und der Mut in mich angefühlt. Mit der Umarmung jedoch, den leisen Worten seinerseits und dem Eingeständnis, dass er mich liebte, geschah etwas, was ich durchaus als Magie bezeichnen würde. Ein Wunder, aber vor allem seine Magie, die diese zerbrechliche Pflanze wieder mit Kraft erfüllte und ihr die Macht gab sich aufzurichten, um nach der Sonne – nach ihm – greifen zu können. Der Unterschied zu dieser Metapher war im echten Leben jedoch deutlich gesetzt, denn wo es einer Pflanze reichte ihre Tagesdosis an Sonnenstrahlen und Wärme abzubekommen, wollte ich mich in diesen Feuerball stürzen und mich an ihm verbrennen, in ihm vergehen und eins mit ihm sein. Wenn das meinen Tod bedeutete, dann ersehnte ich mir wohl genau diesen.
Wir waren so verschieden, dass keiner vermuten würde, wie innig unsere Beziehung war – obgleich ich so wie heute an seinen Gefühlen gezweifelt hatte. Man mochte nur die vielen Streitigkeiten sehen, wenn man ein dummer Außenstehender war, doch so wie wir kaum zusammen zu passen schienen, so ergänzten wir uns jedoch perfekt. Mir fiel es nicht schwer – nur im Affekt und wirklich in Ausnahmen – einen Schritt zurück zu machen und ihm jeglichen Sieg einzugestehen, den es brauchte, damit es zwischen uns wieder funktionierte und sein Gemüt langsam abkühlen konnte. Ihm gegenüber war kaum ein Funken von Stolz in mir vorhanden, auch wenn das was noch da war, wie man heute beobachten konnte, durchaus zu reichen schien, um einen Fehler zu begehen. Diesen hätte ich mir niemals verziehen… Wer wusste es schon, vielleicht stand ich nach einer Trennung auf dem Dach eines Wolkenkratzers in unser beider Heimatstadt – selbst, wenn ich wo anders geboren worden war, gab ich dem Ort an dem ich ihn hatte treffen dürfen, einen Übermaß an Bedeutung – würde starr in die Leere starren, die Menschen unter mir beobachtend, ehe ich hinabstürzte und meinem Leben ein Ende setzte. So sehr, wie es vorhin wehgetan hatte, als er im Begriff war zu verlassen, hielt ich das inzwischen für keine so abwegige Möglichkeit.
Ich wollte nicht mehr nach dem Grund für diesen Streit suchen, auch wenn die Schuld meiner Meinung nach nicht auf seinen Schultern lastete, und versuchte mit einem tiefen Atemzug zu vergessen, während ich mich an der Umarmung erfreute. Natürlich war er zusammengezuckt, versteifte sich und machte eigentlich nicht den Eindruck, dass er genoss, was wir hier taten. Doch auch das war etwas, worin wir uns ergänzen konnten. Hin und wieder brauchte ich das, brauchte seine Bestätigung und die drei Worte, welche ich im Gegensatz zu ihm so ungeniert und eifrig aussprechen konnte. Und weil er mir das gab, es trotz allem was er zu fühlen schien – ihm fiel es nicht leicht, weshalb ein jeder vergleichbare Moment von mir gehütet wurde, wie ein kostbarer, rarer Schatz – konnte ich mich an anderen Tagen in Zurückhaltung üben. Musste.

Zu kurz. Ich brauchte keine Uhr, um festzustellen, dass die fünf Minuten nicht eingehalten wurden, doch auch wenn ich ihn mit einem wohligen, gleichzeitig ein wenig sehnsüchtigen Seufzten nur äußerst ungern aus der Umarmung befreite, war ich nicht überrascht oder gar sauer. So war das eben. So war er eben. Und wenn ich ehrlich war, dann konnte die Enttäuschung, welche kurz meine Augen passiert hatte, nicht meine Liebe zu ihm angreifen, denn schlussendlich war er für mich eben genau so begehrenswert, wie er sich gab. Abweisend und mit einem Feuer, welches jedes Feuerpokémon vor Neid erblassen lassen würde und in seinen Augen loderte, mich mit ihrer Kraft und Schönheit in einen Bann ziehend, den ich nicht durchbrechen wollte, nicht konnte. Die Stärke, die in seinem Blick lag, so kurz nach unserem Streit, fand ich immer wieder bewundernswert. Denn obwohl meine Tränen versiegt waren – ich war wirklich froh, dass er dazu nichts sagte – konnte man gewisses Schuldbewusstsein und allgemeines Unbehagen in meinen trüben Seelenspiegeln entdecken. Bis zu dem Moment, in dem er mir eine Anweisung gab, die ich wie ein Hund mit einem wedelnden Schweif und erfreuten, aufgeregten Gesichtsausdruck zur Kenntnis nahm. Meine Lippen zierte ein breites Lächeln, viel selbstbewusster und zufriedener, als es die Situation eigentlich erlaubte, doch Masao schaffte es wieder mit seinen Worten allein das vermeintliche Eis zwischen uns zu brechen. „Verstanden. Gehöre ganz dir. Nur Dates mit dir.“ Scherzhaft wiederholte ich die Eckdaten, als wäre ich ein Soldat in der Ausbildung, welcher Befehle vom Vorgesetzten entgegen nahm, sich darüber aber mit einer leicht kichernden Stimme lustig machte. Dabei meinte ich es ernst, so auch an meinem Blick abzulesen. Dann musste ich schmunzeln, nachdem sein nicht sonderlich ernst gemeinter Box mich traf. „Das gilt dann aber beidseitig.“ Obwohl ich gerade noch geweint hatte, seine Flucht vor mir fürchtend, war meine Stimme deutlich und fest, ohne jeglichen Zweifel zulassend, dass ich es ernst meinte. „Sonst gibt’s Popohaue…“, scherzte ich zum Schluss jedoch und musste noch breiter Grinsen. Allein die Vorstellung…
Ich ließ ihn laufen, sah ihm dabei zu und musterte den Rücken, an welchen ich mich zu gerne geschmiegt hätte. Stattdessen rieb ich mir über die Nase, da sie ein wenig juckte und betrachtete kurz meine nun schon halb geschwollene Hand. Als hätte die Schwellung vom Finger aus angefangen auf Eroberungszug zu gehen, mit ihr eine Röte verbreitend und Wärme sammelnd. Den Kopf geschüttelt, um den Schmerz weiterhin bewusst ausblenden zu können, schloss ich mit einem leichten Joggen zum Rothaarigen auf und lief an seiner Seite, noch immer einen leichten Schimmer auf den Wangen tragend, welcher bezeugte, was gerade geschehen war. „Ich sags so oft ich will!“, die Zunge ausgestreckt neckte ich ihn, ehe wir uns von dem Platz entfernten, an dem für mich gerade doch noch einmal ein Wunder geschehen war. Nur… wie oft würde das noch passieren?
Blinzelnd blieb ich stehen, stockte in meinem Atem und blickte noch einmal auf meine Hand hinab, welche nun immer stärkere Schmerzenswellen aussenden schien. Um mich an etwas zu erinnern vermutlich, was nun tatsächlich passierte, nachdem ich seine Worte endlich richtig dekodiert hatte und verstand, wohin er überhaupt wollte. „Eh…“ Ihn unsicher angesehen, nachdem ich meinen Blick wieder gehoben hatte, biss ich mir leicht auf die Unterlippe, als wäre ich ein unsicheres Kind, welches vor seinen Eltern beichtete, dass es die Vase zerbrochen hatte. „Bin mir nicht sicher, ob es so eine gute Idee ist, wieder zum Hof zu gehen.“ Einige Schritte zu ihm aufgeschlossen zuckte ich mit den Achseln, als wäre das gar keine so große Sache, wobei irgendwo genau das Gegenteil der Fall war. „Zumindest für mich.“ Mir am Kinn gekratzt, als würde ich nachdenken, ließ ich meinen Blick durch die Dunkelheit schweifen, zwischen einigen Bäumen konnte man in angemessener Ferne die Lichter des Hofs erkennen. „Glaube nicht, dass man mich rein lässt.“ Schuld empfand ich keine, für das vorlaute Gör auf jeden Fall nicht. Doch ich kam mir irgendwie blöd vor, weil ich vielleicht daran schuld war, dass wir draußen schlafen mussten. „Aber du kannst es versuchen und wir treffen uns dann wieder morgens…“
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Fr Jul 26, 2013 12:01 am

Touma zu Begehren und zu Lieben, war für mich eine schwerere Aufgabe, als das tägliche Training mit den Pokémon. Nicht, weil ich mir meiner Gefühle nicht sicher war oder weil ich durchweg Zweifel daran hatte, dass wir nicht füreinander bestimmt waren, sondern einfach, weil es unheimlich schwer war über meinen Schatten zu springen und ihm meine Emotionen auch nahe zu bringen. Wann immer ich solche Dinge zuließ, wie zum Beispiel, dass wir uns umarmten oder er mich küsste, fühlte ich mich schwach und angreifbar. Als wäre es dann ein Leichtes meine harte Schale zu durchbrechen und zu dem doch mehr als weichen Kern durchzudringen.  Gebrauchen könnte ich dies sicherlich nicht, weil ich nach wie vor glaubte, dass ich somit erneut ein Trauma wie durch das Mobbing in der Schule zulassen konnte. Wenn man alles zu nah an sich ranließ und man immer mit dem Besten rechnete, dann fiel man sehr schnell auf die Schnauze, wie ich festgestellt hatte. So sehr ich meinen Freund auch liebte und zu schätzen wusste, würde ich versuchen weiterhin immer meiner Selbst treu zu sein. Wenn wir stritten, dann sollte mich diese Auseinandersetzung nicht wieder zum Weinen bringen – auch wenn ich kaum geweint hatte, reichte es, dass ich aus Frust ein paar Tränen verdrückt hatte. Sicherlich würde mir diese Beziehung zumindest in dem Punkt noch zum Verhängnis werden: Immer wieder würde ich riskieren, dass meine Person verweichlich wirkte, weil mir deswegen irgendetwas auf der Seele lastete. Das wusste ich und trotzdem würde ich nicht wollen, dass sich etwas an dem änderte, wie es war. Ohne Zweifel war ich gerne der Freund von ihm und ich würde es gerne bis ans Ende meiner Tage bleiben. Das klang beinahe zu kitschig um meiner Gedankenwelt zu entspringen, aber so empfand ich wirklich – auch wenn ich ihm dies nicht unter die Nase reiben würde.
Dass er – oder besser gesagt wir – wieder in der Stimmung waren rumzualbern, zeigte eine Besserung und es erleichterte mich. Auch positiv war, dass er gar nicht erst versucht hatte aus den fünf Minuten mehr zu machen. Auf seine Drohung bezüglich den Klapsen auf meinen Hintern, kam von mir nicht mehr als das Schnauben, welches durchaus dem eines Tauros gleichkam. Das würde er sich sowieso nicht trauen, weswegen ich mir keine Sorgen darum machen musste, dass er es doch wagen würde. Der Zorn, welchen er so auf mich ziehen würde, würde alle bisher erlebten Auseinandersetzungen in Nichts auflösen – das wusste er, hoffentlich. Jedenfalls schloss er zu mir auf und erdreistete sich gleich noch einer Frechheit. Mit dem Ellenbogen knuffte ich ihm murrend in die Seite. Wenn er solche Dinge sagte, war es mir unangenehm. Meistens wusste ich nicht einmal wie ich reagieren sollte. Wenn man es erwiderte klang es doch einfach so, als würde man es nur zurückgeben, weil man es gesagt bekommen hatte... oder? Sagte man hingegen nichts dergleichen zurück, wirkte dies doch irgendwie so als würde man keine Gefühle erwidern. Lenkte man vom Thema ab, machte man sich zum Trottel! Viel Ahnung von Pokémon hatte ich im Detail nicht, aber ich würde das alles wohl eher in meinen Schädel bekommen, als die Knigge der Beziehung und Liebe. Um mir über solche Dinge Gedanken zu machen, sollte ich aber sowieso sehr bald keine Zeit mehr finden – oder besser gesagt, keinen Nerv mehr. Denn wenn sonst immer ich es war, welcher damit brillierte, dass er irgendetwas ausfraß was Konsequenzen hatte, schien dieses Mal der Brillenträger für eine kleine Komplikation verantwortlich zu sein. Das würde ich ihm sicher noch eine ganze Weile unter die Nase reiben. Endlich hatte mal ich etwas in die Hand, was ihn als Baka qualifizieren würde... zumindest machte es gerade den Anschein.

Mit gerunzelter Stirn und hochgezogenen Augenbrauen, hatte ich mich zu ihm gewendet und starrte ihn erst einmal ein paar Minuten an. So als hätte er mir gerade eine unglaubliche Geschichte mit Nebulaks und toten Trainern erzählt. Etwas Unglaubwürdiges eben. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf leicht zur Seite. Beinahe schon tadelnd blickte ich ihn an. „Heh?“ Welch‘ äußerst gehaltvolle Aussage... ich kam mir ein bisschen vor wie ein Flegmon oder ein Dummisel. Klug jedenfalls nicht wirklich. Langsam legte ich meinen Kopf auf die andere Seite und verengte die Augen ein wenig um ihn selbst in dieser Dunkelheit besser zu sehen. Obgleich ich ein Nickerchen gemacht hatte, war ich schon wieder müde und Schlafen gehörte sowieso zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. „HEH?“, wiederholte ich also noch einmal viel ungläubiger als davor und ließ die Arme dann wieder sinken, den Kopf hängen gelassen. Mir über die Stirn gerieben, als würde ich ausnahmsweise nachdenken, kam ich irgendwie auf kein zufriedenstellendes Ergebnis – zumindest fand ich den Vorschlag von meinem Freund reichlich dumm. Zwar zog mich die Sehnsucht schon in ein Bett – nach einem kleinen Mitternachtssnack, weil ich noch nicht viel gegessen hatte – doch der Drang bei Touma zu sein, war um ein Vielfaches  stärker. Dann war ich nun eben auf Zwangsdiät gesetzt... nichts, was ich unbedingt begrüßte, aber nur Früchte essen war auch nicht die optimale Lösung. Demnach würden wir also schlafen und dann am Morgen weiter reisen. Dazu hatte ich im Moment nicht den geringsten Elan mehr in meinem Körper übrig. Daher würde ich auch bestimmt keine Diskussionen mehr zulassen, falls der Ältere es wirklich darauf ankommen lassen würde. Bei ihm wusste man ja nie, aber ich würde meinen sturen Kopf durchsetzen – komme was wolle.
Seufzend packte ich das Handgelenk von dem Dunkelhaarigen – das war KEIN Händchenhalten – und zog ihn dann hinter mir her. Schnaubend. „Was hast du denn angestellt, Mister Perfekt?“, fragte ich leicht provokant und warf ihm einen ganz argwöhnischen Schulterblick zu, während ich wieder den Schutz der Bäume aufsuchte. Ihn losgelassen, warf ich meinen Krempel – die Tasche – auf den Boden und ließ mich selbst auf diesen sinken. Meinen Schopf auf das eher unbequeme Kissen gelagert, starrte ich in den von Sternen besetzten Himmel und seufzte. „Na ja... so eine Nacht unter freiem Himmel mit Sternenglanz hat doch auch was.“ Irgendwie romantisch... alleine bei dem Gedanken verzog ich mein Gesicht und bekam leicht rote Wangen. Daran wollte ich nun lieber nicht denken. Glücklicherweise ließ das Wetter so etwas zu und zur Not könnte ich auch noch Lady und Lupo rauslassen, damit sie mir Wärme spendeten – ich würde sicherlich nicht meinen Freund fragen. Das einzige Problem war nur, dass ich Kreuzschmerzen bekommen würde und morgen wohl mit dem Hunger eines Relaxo aufwachen würde. Schon jetzt brummte mein Magen hin und wieder leise und erinnerte mich daran, dass ich Energie brauchte. „Ich glaub ich hab noch ein paar Sachen in unserem Zimmer liegen lassen... ich hol das morgen früh ab und dann reisen wird weiter...“ Zwar mochte ich diesen Ort hier wirklich außerordentlich gerne, aber irgendwann wurde es auch anstrengend diese Flauscheknäule abzufertigen. Wahrscheinlich war mein Evoli schon mehr als bereit für einen Arenakampf und Lupo könnte ich auch noch während der Weiterreise ein wenig auf Vordermann bringen. „... wird langsam Zeit!“ Ich klang nicht sauer oder enttäuscht. Was störte mich auch schon eine so winzige Planänderung? Am Ende zählte mit wem ich unterwegs war und nicht wo ich mich befand.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Fr Aug 02, 2013 2:35 am

Schade, dass er es nicht mit meinen Augen sehen konnte, sondern Nähe als Schwäche auffassen musste. Dabei fand ich, dass genau diese mich und uns so stark machte, keinen Platz für andere Menschen lassend, die uns hätten entzweien können. Manchmal verstand ich nicht, warum es schlimm war, wenn er mir gegenüber diese Wand einstürzen ließ, seine vermeintliche Schwäche darlegend. War doch nicht so, dass ich es ausnutzen würde oder nicht um ihre Existenz Bescheid wusste, im Gegenteil war ich wohl der einzige Mensch auf dieser Welt, der ihn kannte. Natürlich bedeutete ihn zu lieben auch, dass ich das an ihm liebte, aber ich wünschte mir irgendwann, dass er mir genug Vertrauen diesbezüglich aufbringen würde, um nicht bei jeder Berührung sogleich zu erstarren, denn irgendwo war das – von dem Standpunkt eines Freundes, welcher sich mit ihm in einer Beziehung befand, betrachtet – ernüchternd, gar verletzend. Darüber dachte ich nicht so oft nach, so auch dieses Mal nicht, doch im Allgemeinen war es nichts, was mich in meiner eigenen Unsicherheit zu beruhigen vermochte. Ich wollte ihn ganz und gar, mit allem was er besaß, jeder Schwäche, jeder Träne aber auch jedem Feuer und all der Leidenschaft, die sein Körper und Geist mir bieten würden… sollte es jemals so weit kommen. Dass mein Herz und alles, was mich ausmachte, ihm gehörte, völlig unverfälscht und immer abrufbar, brauchte ich sicherlich nicht zu erwähnen. Er musste sich dessen einfach bewusst sein, denn im Gegensatz zu ihm trug ich mein Herz auf der Zunge, die Emotionen – auf ihn bezogen – sowohl im Gesicht als auch in der Körpersprache. Vor seinen Augen weinen? Im Grunde kein Problem, auch wenn es natürlich nicht sein musste, wollte ich doch eigentlich der Starke sein, an den er sich wenden und lehnen würde, wenn er dies benötigte. Trotzdem gehörten solche Momente bei mir dann – in eben diesen Fällen, wo in meinem Augen alles auf dem Spiel zu stehen schien – dazu, weil ich meine Trauer ihm gegenüber einfach nicht zu verbergen wusste. So war das… Wir glichen uns gegenseitig aus.
Und eben das schien das perfekte Rezept zu sein, welches gebraucht wurde, um nur wenige Minuten nach einem ernsthaften Streit einen normalen Umgang zu pflegen. Vielleicht konnte er mir ja auch nicht so lange böse sein, selbst wenn seine Attitüde natürlich oftmals eine andere Sprache nutzte, um mich zu Recht zu weisen. Dass ich jedoch nicht dafür geschlagen wurde; ein Knuffen in die Seite kam in meinen Augen ja fast schon einer Umarmung gleich; weil ich Scherze riss – deren Kern meiner Meinung nach auch gern umgesetzt werden könnte – zeigte schon mal, dass wir auf dem richtigen Weg waren und alles gar nicht so schlimm sein konnte. Nicht so, wie ich es mir ausgemalt hatte zumindest, obgleich ich um die Schwere meines Benehmens noch immer Bescheid wusste. Wie lange würde ich wohl das ganze Verdauen? So schnell würde Masao zumindest keinen weiteren Fehltritt von mir erwarten können…

Klar… An seinem Gesichtsausdruck konnte ich lesen, wie er sich über meine Verfehlung freute. Mein Manko war für ihn etwas, worauf er noch lange herumreiten konnte, wo ich mir doch sonst immer anhören musste, wie ‚Mister Perfekt‘ ich doch war. Dabei hatte ich das so noch nie empfunden, würde es wohl nie. Jedoch sollte er von mir aus Freude daran haben, mich tadelnd ansehen und Laute von sich geben, die einem eingefangenen, verwirrten Pokémon glichen. „Ja, HEH.“, äffte ich ihn spielerisch nach und fuhr mir mit der gesunden Hand durch die Haare, ein Seufzen von mir gebend. Wie konnte er sich so künstlich aufregen, wo ich doch auch nur ein Mensch war? Faszinierend, durch und durch. Keine Ahnung, was ich geglaubt hatte mit meinem Vorschlag zu erreichen – ihn loswerden wollte ich ganz bestimmt nicht – aber es zählte ja nur, dass es ihm gut ging, daher war solch eine Idee von mir zu erwarten gewesen. Anders dagegen seine Reaktion, denn ich hatte gedacht, dass er vielleicht aus purem Trotz und Bequemlichkeit zurück gehen würde, um mir zu zeigen, was mir fehlte, wenn er verschwand. Ich wusste es auch so, doch solche Gedankengänge glaubte ich wirklich auch ihm zutrauen zu können. Immerhin brauchte er meine Nähe nicht – was also dann? Dass es vielleicht ganz anders war und er bei mir sein wollte… So ein Gefühl hatte ich einfach nicht oft. „Naja…“ Etwas überrascht ließ ich mich daher von ihm am Handgelenk packen und mit sich zerren, seinen Blick mit einer Unschuldsmiene erwidernd. „Vielleicht habe ich der dummen Mistkuh eine verpasst… Vielleicht hat man mich dann dafür geschlagen und rausgeworfen… Wer weiß das schon so genau?“ Meine Stimme war nunmehr ein Säuseln, auf den Lippen ein verschmitztes Lächeln, eher schief und zuckend, als wirklich beabsichtigt. Auch ich legte meinen Rucksack neben seinem nieder, kratzte mich – die geschundene Hand inzwischen einfach nicht mehr benutzend, weil der Schmerz stärker wurde, je mehr Muskeln ich an dieser rührte, ganz egal ob ich den verletzten Finger oder die anderen benutzte – an der Wange und blickte hinauf in den Himmel. „Hmm… hast schon Recht.“ Noch stand ich, blickte auf ihn herab und glaubte eine leichte Färbung seiner Wangen zu vernehmen, welche von dem Sternenzelt über uns beschienen wurden. Sein Haar wurde in dieses glänzende Licht getaucht und in den Augen meines Freundes spiegelte sich wie so oft diese grenzenlose Freiheit wieder, verbunden mit Tatendrang und einem Feuer, welchem ich so gern hätte nahe sein wollen, bis es mich ganz und gar verbrannte. „Ziemlich romantisch.“ Kurz wackelten meine Augenbrauen, ehe meine Jacke von den Schultern segelte, ihn zudeckend und auch ich mich nieder ließ, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. „Ein Wunder, dass du das sogar auch so empfindest.“ Mehr als ein Murmeln war es nicht, als ich aus den Augenwinkeln zu ihm schaute, leicht debil grinsend. Wie ein verliebter Trottel es eben tat, wenn er seinen Angebeteten anhimmelte… Das war ich, immer und überall, wenn er bei mir war. Ein debiler, über beide Ohren verliebter Idiot. Kein Oniichan, eher doch der Baka.
Schleichend hatte meine Hand gute Hand sich zu ihm vorgetastet, versuchte seine schlanken Finger zu finden und sich mit Sanftheit einzuverleiben, während mein Kopf dreister Weise an seine Schulter rutschte. Obwohl er mir so viel verbot, obwohl heute beinahe alles zusammengebrochen wäre, obwohl er es nicht mochte… in solchen Augenblicken, aber auch in den ganz gewöhnlichen, wo wir nicht dem Funkeln der Sterne lauschten, versuchte ich es. Immer und immer wieder. „Ich folge dir… bis ans Ende der Welt.“
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Fr Aug 02, 2013 4:47 am

Der heutige Tag zeigte doch, dass wir immer und immer wieder neue Dinge erlebten. Auch wenn es erst noch gewirkt hatte wie ein normaler Tag und es dann so trüber Züge angenommen hatte, dass ich an all dem gezweifelt hatte. Dabei lag es mir gar nicht so wirklich zu zweifeln – vor allem nicht an dem, was ich mit Touma hatte. Ich musste nicht romantisch veranlagt sein um zu wissen, wie lebenswert er mein Leben machte und ich glaubte auch, dass Liebesschwüre nicht einmal dem gerecht werden konnten, was ich eigentlich in mir drinnen empfand. Daran zu zweifeln war also eigentlich absolut absurd. Er war es, der mir das Leben so ermöglichte, wie es jetzt war. Damit meinte ich nicht nur die Sache, dass er indirekt dafür gesorgt hatte, dass wir beide ein Evoli hatten, sondern einfach nur mit seiner Anwesenheit. Als wäre er ein magisches Geröll, welches Mitten in der Brandung stand, an dem ich mich festhalten konnte und selbst wenn ich mich nicht festhielt war ich mir sicher: Er war da und ich hatte einen Ort auf der Welt an dem ich sicher sein konnte. An seiner Seite. Wahrscheinlich zeigte ich ihm viel zu wenig, wie abhängig ich im Grunde von ihm war, aber dafür tat er es – reichte doch auch irgendwie, wenn einer in der Beziehung so war. Zumindest würde ich es als sehr anstrengend empfinden, wenn ich mich seinem Verhalten anpassen würde, aber das wollte er vermutlich sowieso nicht – deswegen passte es schon so wie es war.
Was er getan hatte, klang viel mehr nach mir als nach ihm. Aber eben weil ich, ich war und das Temperament eines jeden wilden Pokémons in mir bündelte, lag es nicht an mir ihn und seine Tat zu verurteilen. Schließlich hätte ich wohl auch nicht anders gehandelt... wobei, doch... hätte ich. Denn ich hätte mich so lange mit jedem geprügelt, der sich mir in den Weg stellen würde, bis ich ohnmächtig geworden wäre. Alles andere hätte sich für mich persönlich wie eine Aufgabe angefühlt und was war schlimmer als Niederlagen? Eben – davon laufen und aufgeben. Aber auch daraus würde ich ihm keinen Strick drehen, weil wir eben anders waren. Trotzdem wäre es sicherlich eine Anekdote die ich hervor holen würde, wann immer ich ihn ein wenig necken wollen würde. Allerdings neckte nun erst einmal er mich, zumindest fühlte sich sein Satz so an. „ICH HAB DOCH NICHT GESAGT, DASS ES ROMANTISCH IST!“ Noch einmal verzog ich demonstrativ mein Gesicht und schüttelte dann nahezu angewiderte den Kopf, während ich seine Jacke von mir schob – die war doch gar nicht nötig! „Laber keinen Stuss...“ Eigentlich war dieser Satz von ihm schon ein Hinweis darauf, wohin er die Sache führen wollte... trotzdem erwischte es mich unverblümt. Ich wurde nicht einmal misstrauisch, als er sich nah an mich legte, aber als er dann auch noch meine Hand ergriff und ich sein Kopf auf meiner Schulter spürte, wollte ich schon meine Fäuste sprechen lassen. Mein Handeln wurde aber mehr oder weniger abgeschnitten, als er plötzlich auch noch schnulzig daher reden musste. Der Schauer der mich erfasste war eigentlich angenehmer Natur – ich liebte ihn ja – wurde von mir aber als unangenehm eingestuft.

Mit einem Ruck riss ich meine Hand aus seiner und rollte dann mit Schwung von ihm weg – weswegen meine Stirn leicht unsanft auf den Boden neben meiner Tasche aufkam – und setzte mich dann schließlich auf. Als ich ihn musterte, waren meine Augen leicht verengt. „Ich brauche weder deine Bemutterung...“, fauchte ich, als ich den Stoff packte, welchen er über mich gelegt hatte und ihn einfach in irgendeine Richtung davon schleuderte. „... noch brauch ich dein Fummeln.“ Meine Unterlippe bebte leicht und meine Augen waren verengt, funkelten angriffslustig wie die Schweifspitze eines Gluraks. Beide Hände hatte ich zu Fäusten geballt, doch anstatt ihn zu schlagen, beherrschte ich mich mit einem so abfälligen Brummen, dass ich wohl nicht unbedingt klang wie ein menschliches Wesen, sondern wie eben jenes Glurak. Stur wendete ich meinen Blick von ihm ab und starrte einfach irgendwo in die Dunkelheit, welche vor mir lag. So viele Dinge wir auch gemeinsam hatten, ebenso viele unterschiedliche Sichtweise der Dinge konnten wir aufweisen. Im Grunde störte es nicht, weil es etwas sehr Gutes hatte, dass wir uns ergänzten, aber ich wusste einfach nicht, wie ich mit dieser einen Differenz zu Recht kommen sollte. Selbst konnte ich es nicht einmal wirklich erklären, denn es war nicht so, dass ich es hasste berührt zu werden... nur war es so, dass ich mich immer in dem Moment in dem er mich berührte so angreifbar fühlte wie ein nichtsnutziges Karpador. Für jemand der in der Schulzeit lange geglaubt hatte auf der starken Seite zu stehen nur um dann eiskalt eines Besseren belehrt zu werden, fühlte es sich nicht richtig an. Zumindest wenn ich nun für mich sprechen würde... ich hasste es ausgeliefert zu sein und wollte es nie wieder empfinden.
Mit zusammen gepressten Lippen stürzte ich mich nahezu auf ihn. Aber nicht um mich mit ihm zu prügeln... ich setzte mich auf seine Hüfte, presste mit den Händen seine Schultern gen Boden und fixierte ihn so. Bestimmt könnte er mich – trotz meiner Kampfsporterfahrung – irgendwie loswerden, aber so wie ich ihn kannte, würde er mir freie Hand lassen. Die Schmerzen im Gelenk waren vergessen, als ich eine seiner Schultern wieder frei gab und mir stattdessen seine Hand nahm. „Was soll daran so toll sein, eh?“, fragte ich, während meine Finger zwischen seine glitten. Von der Berührung unserer Handflächen ging ein Kribbeln in mich über, kroch meinen Arm empor und schien sich dann wie tausend kleine Nadeln in mein schlagendes Herz zu bohren um meinen Puls in die Höhe zu treiben. Kurz griff ich seine Hand fester, presste die Zähne aufeinander. „Was ist so toll daran... wenn es anfängt zu kribbeln, als wäre man von einem Bibor gestochen worden...?“ Seufzend löste ich das Händchen halten auf, nutzte meine Finger stattdessen dazu sein Hemd zu öffnen – zumindest die oberen Knöpfe. Grob ließ ich die Kuppen unter den Stoff huschen, an die Stelle wo sein Herz schlug. „Ein erhöhter Herzschlag auf Grund von... WAS? Was ist daran toll, wenn man sich auch ohne Anstrengungen ganz aufgeheizt fühlt?“ Meine Fingernägel kratzten leicht über seine Haut, doch auch an diesem Ort, verweilte mein Griff nicht lange. Stattdessen berührte ich sein Kinn, herrisch und zog es bestimmend ein Stückweit nach oben. „Und was ist toll daran...“ Langsam beugte ich mich zu ihm hinunter, meine Stirn lag auf seiner und ich funkelte ihn noch immer wild an, mit grimmigen Gesichtsausdruck. „... wenn man nicht mehr atmen kann, weil man sich küsst?“ Auf dieses Stichwort, senkte ich meine Lippen auf seine. Nicht unbedingt so als wollte ich ihn küssen, sondern ein wenig brutal... stürmisch. War eben kein guter Küsser...
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof So Aug 11, 2013 2:13 pm

Ich hatte noch nie Drogen genommen, selbst geraucht hatte ich bisher noch nicht ein einziges Mal, obwohl die Jugend um mich herum nicht so zögerlich war, wenn es darum ging solche Dinge auszuprobieren. Doch wenn man mit Masao zusammen war, selbst das normale ‚nur Freunde‘-Zusammensein, glich ein jeder Tag einem Rausch, als würde man die ganze Zeit an einem Tropf hängen, der verschiedenste Mittelchen um sich glücklich und entspannt zu fühlen, vereinte und kontinuierlich diese Mixtur in den Körper pumpte. Auch mit einem Gift zu vergleichen, von dem ich abhängig geworden war, wie wohl der größte Junkie auf diesem Planeten. Um seine Wirkung wusste ich nur zu gut Bescheid, denn ein Blick in das Feuer seiner Augen, ein Wort mit seiner; meiner Meinung nach; samtigen Stimme, die auch trotz der hin und wieder vorkommenden Rauheit wie die schönste Musik in meinen Ohren war, eine Berührung seiner Haut und auch nur die Nähe samt seinem betörenden Duft reichten aus, um meinen Magen vor Schmetterlingen förmlich zum Bersten zu bringen, während sich mein Herz in einem süßen Schmerz wandte, verkrampfte und anschließend zu explodieren drohte. Meine Sinne waren in seiner Nähe geschärft, als wäre ich ein wildes Tier, spezialisiert nur auf ihn. Kein anderer vermochte mich so zu erfüllen und die Leere, die mein Leben in etlichen Ereignissen in meine Seele eingeritzt hatte, zu vertreiben.
Ich wusste dagegen nicht, was er an mir fand, konnte nicht verstehen sondern nur hinnehmen, fast schon demütig. Er war mehr, als ich verdiente und jemals verdienen könnte. Für mich war er genau so, wie er war, perfekt, ganz gleich welche Sehnsüchte ich als gesunder Mann entwickelte, daher nahm ich mir immer, wenn ich mal enttäuscht von einem Rückschlag der Annäherung war vor, es nicht zu ernst zu nehmen und nicht zu zweifeln. Schwerer als man glauben mochte war es schon, doch bisher hatte unser Zusammensein trotz trüber Tage, mehr als einfach nur gut funktioniert, was bedeutete, dass mich jeder Tag darin bestärkte ihm meine Liebe zu zeigen. Dass ich dabei überfürsorglich und aufdringlich, gar klettenhaft war, dachte ich nicht. Nicht immer zumindest. Aber so wie ich ihn akzeptierte, hoffte ich auch, dass Masao mich so nahm wie ich war, mit all den Fehlern und was auch immer ich sonst noch zu bieten hatte. Im Gegensatz zu ihm hätte ich mich natürlich auch um 180 Grad gedreht, nur um ihm zu gefallen und seine Nähe wissen zu dürfen. Selbstaufgabe war kein Problem für mich, was eindeutig auf den schwachen Charakter verwies, den ich mein Eigen nannte. Aber konnte man das nicht auch irgendwie verstehen, wenn man nur das Beste vom Besten für den Menschen wollte, der einem am wichtigsten war? Oder, dass ich mit allen Mitteln der sein wollte, den er ansah. Nur mich und niemand sonst, bis mein Körper den Geist aufgab. Mir war jedes Mittel recht, um das zu erreichen, denn wäre mir ein Platz an seiner Seite verwehrt, würde ich dieses Leben nicht mehr brauchen…
Ganz gleich, ob er meine Versuche von sich stieß, war es immer wieder ein Augenschmaus ihn dabei zu beobachten. Natürlich wusste ich schon, dass ich mir gleich etwas anhören musste – und später sicher auch, bezüglich meiner kleinen Auseinandersetzung – doch auch dieses Mal konnte er mich überraschen. Selbst wenn man einen Menschen kannte, die Reaktionen waren – zumindest bei Masao – niemals vorhersehbar. Ich musste leise lachen, sein verzogenes Gesicht gemustert. Ja, genau so kannte ich ihn, völlig einem Begriff von Romantik und dergleichen abgewandt, sodass ich für zwei romantisch sein musste. Auch kein Problem, ich wäre nicht ich, wenn mir solche Dinge – ihm gegenüber – nicht liegen würden. „Ich kann aber zwischen den Zeilen lesen.“ Natürlich konnte ich auch nicht aufhören ihn weiter zu necken, es war die perfekte Gelegenheit, vor allem um die ganze Sache noch weiter aufzulockern. Wenn er nämlich sauer werden würde und mich schlug oder zickte, wie er es eben gerne tat, wusste ich genau, dass wir wieder auf dem richtigen Weg waren. „Du bist unglaublich romantisch, wenn es um uns geht.“ Ein leises Kichern, verließ meine Kehle, der Sarkasmus war dezent zu hören. „Sicherlich mehr als ich es bin.“

Klar würde er sich losreißen, keine Chance die Berührung unserer Hände voll auszukosten und in die Länge zu ziehen und doch war ich froh ob des kurzen Augenblick, in dem ich seine Hand in meiner spüren konnte. Ob es jemals so sein würde, dass er sich an mich gewöhnte, so wie ich mich an diese Abweisungen gewöhnt hatte. Zumindest mehr oder weniger und auch sein verzogenes Gesicht oder das Wegrollen verstörten mich nicht so, wie noch zu Anfang, als ich deutlich unsicherer war in dem, was ich tat. Aber auch in dem, was wir waren und ob ich unsere Beziehung wirklich so hinnehmen konnte, wusste ich anfangs doch gar nicht, ob ich mir das alles nicht nur einfach einbildete. Auf die Seite gedreht, um ihn anzuschauen, musterte ich seine Gestalt im schwachen Licht und schien ihn förmlich mit meinen Blicken anzubeten, während ich zusah, wie er meinen Mantel ins Ungewisse warf und sich nach einer Portion seines üblichen Fauchens von mir abwandte. Meinen Kopf auf die Handfläche gestützt, konnte ich wiederum meine halb geschlossenen Seelenspiegel nicht von ihm lassen und seufzte. Es war keine Enttäuschung, sondern viel mehr Erleichterung, weil wir so schnell zur Normalität zurückgefunden hatten, denn ich sah auch seine geballten Hände, machte mich glatt schon auf ein paar Schläge gefasst, die ich wie immer über mich ergehen lassen würde, weil ich in meinem Leben sicherlich nie die Hand gegen ihn erheben konnte. „Und was brauchst du dann von mir?“
Doch meine Antwort sollte ich nicht erhalten, ebenso wie die Schläge aus blieben, welche ich mir schon ausgemalt hatte. Manchmal tat ich sogar extra so, als würde er mir wirklich wehtun, weil ich glaubte, dass es ihm gefiel… irgendwie. Schon eine verschrobene Beziehung, die wir da führten. Überrascht war ich auf jeden Fall, aber nicht negativ und ließ mich nur zu gerne von ihm gegen den Boden pinnen, nicht einen Muskel rührend oder auch nur im Geringsten die Anstalten machend sein Treiben zu beenden oder zu hinterfragen. Stattdessen hielt ich gebannt die Luft an und starrte nach oben, in das unbeschreiblich schöne Gesicht meines Freundes. Zum Glück war es dunkel, denn bei so viel Initiative von seiner Seite aus – was auch immer er bezwecken wollte oder ihn gerade gestochen hatte, ich würde es auskosten – färbten sich meine Wangen rosa, in meinen Augen ein Glänzen der Aufregung unverkennbar zu sehen. Auch mein Herz stimmte mir da zu, vibrierte förmlich vor Freude, als seine Hand sich in meiner – glücklicherweise hatte er sich die Hand gegriffen, die nicht wie ein Luftballon geschwollen war – verhakte und eine warme Welle des Glücks auszusenden schien, die sich pulsierend sowohl zu meinem Scheitel als auch zu den Zehen ihren Weg bahnte. Es kribbelte schier überall, als ich ihn stumm ansah und das Treiben seiner Finger beobachtete, ebenso wie ich mich an dem mürrischen Ausdruck in seinem Gesicht zu erfreuen wusste. So war er eben und es wäre komisch, wenn er bei solch einer Nähe dreinblicken würde, als wäre er ein Engel. Nein, dieser junge Mann war ein Schabernack treibendes Teufelchen, welches sich im Moment ziemlich unbeholfen anstellte, wenn man mich fragte. Ganz gleich wie herrisch er sich an mir verging und was für Worte auch aus seinem Mund kamen, ich fand ihn unbeschreiblich niedlich. Ob ich verrückt war? Nein, abhängig.
Ich schwieg, meine Augen sprachen dafür jedoch Bände und als seine warmen Hände meine nackte Brust berührten, seine Fingernägel über die Haut kratzten und ich seine Wärme erneut und viel intensiver in mich fließen spürte, verlor ich mich und meine Beherrschung. Das war so viel mehr, als ich es gewohnt war – ganz  gleich von wem es ausging – sodass ich die Luft scharf einsog und ein Japsen von mir kam. „Weil…“ Weiter kam ich nicht, denn er hatte schon mein Kinn für sich erobert und mit einem leicht glasigen Blick starrte ich – Stirn an Stirn – in den Bernstein seiner Iriden und schien von diesen gefangen zu werden, eingeschlossen und hoffentlich für immer versteinert, solange es nur die seinen Augen wären. Auch auf diese Frage durfte ich keine Antwort geben, doch das machte rein gar nichts. Meine Augenlider flatterten, als er sich langsam zu mir gebeugt und seine Lippen nach dem Stichwort auf meine gelegt hatte. Mir stockte die Atmung genauso, wie mein Herz und ich seufzte hörbar in den Kuss hinein, den ich erst perplex und zögerlich, dann aber ebenso leidenschaftlich zu erwidern gedachte, wie er ihn initiiert hatte. Meine Hände verkrampften erst einmal, ich klammerte mich ans Gras und hoffte, dass die Lawine an Freude mich samt der Hitzewallung nicht eher von innen zerstören würden, als der Kuss vorbei war.
Jede Sekunde kostete ich aus, bis schließlich meine Hände lieber Platz an seiner Taille fanden und sich in dem Stoff seines Shirts vergruben, während ich der Überwältigung versuchte Einheilt zu gebieten und die kecke Dreistigkeit langsam aber sicher mein Handeln zu bestimmen wusste, weshalb ich schlussendlich meine Zunge ins Spiel mit einbezog, um erst an seinen Lippen zu lecken und eine Möglichkeit zu suchen die seine zu erreichen, um dem stürmischen Kuss noch einen wilden Tanz hinzuzufügen – auch auf die Gefahr hin, dass er mir diese abbeißen würde. Dabei kam ich nicht umhin, auch wenn er noch ein wenig Druck ausübte, meinen Körper zu erheben, um mich im zu entgegnen und mehr von ihm zu fordern, den Duft seiner Person inhalierend. Ich konnte nicht verstehen, wie man gegen solch ein heiß-kaltes Kribbeln und gegen die Gänsehaut, die den ganzen Körper für sich einnahm, etwas haben konnte. Ich war überwältigt und zitterte richtig, weil mir Masao wirklich unter die Haut, ins Mark und Bein ging. So wirklich gemerkt hatte ich es nicht, dass meine Arme nun sein Becken umschlungen hielten, damit er mir nicht entkommen konnte und ihn auf meinem Schoß fixierten – welcher nebenbei gemerkt schon dezent das Kribbeln in sich versammelte, um mich daran zu erinnern, dass ich auch nur ein Mann mit Bedürfnissen war – als ich für den Bruchteil einer Sekunde und ziemlich widerwillig meine Lippen von seinen ließ, um Luft zu holen. „Es ist toll, weil man es mit dem Menschen teilt, dem man am meisten vertraut und für den man unbeschreibliches empfinden.“ Sanft lächelte und küsste ich seine süßen Lippen, ehe ich mir über die eigenen leckte und den Geschmack mit kurz geschlossenen Lidern noch einmal auskostete. „Ich finde dich nun mal ziemlich… anziehend.“, verharmloste ich das, was ich eigentlich sagen wollte, doch er musste es eigentlich wissen. „Und will dir so nahe sein, wie niemand sonst. Das Kribbeln, die Hitze, das Herzrasen… das sind alles Beweise von purem Glück.“ Meine Stirn lag an seiner und ich ließ die Augen geschlossen, ziemlich friedlich auch wenn ich wusste, dass er mich nur provozieren wollte und auch ärgern, nie aber so zu empfinden schien wie ich. Trotzdem wollte ich, dass er wenigstens auch meine Seite versuchte zu verstehen. „Wenn man sich drauf einlässt, fühlt es sich unglaublich gut an. Gib es zu.“ Wieder die Seelenspiegel geöffnet, grinste ich breit und offenbarte ihm einen Ausdruck, den sonst niemand auf der Welt zu Gesicht bekommen würde. Glücklicher als mit ihm konnte ich einfach nicht sein und so zog ich ihn ein wenig heran, auch wenn er es war, der auf mir saß – mich wohl unwissend ziemlich stimulierend – und die Oberhand zu haben schien, um meine Hände in die seinen zu verkeilen – scheiß auf die schreckliche Schwellung und die Schmerzen – und ihn dann wieder zu küssen, nicht minder fordernd als er. „Tut es nicht gut zu wissen, dass du der einzige bist, der nicht nur mein Herz sondern auch meinen Körper besitzt und reizt?“ Flüsterte ich in die Atempause hinein, leicht raunend aber vor allem verführerisch. „Ich will eins mit dir sein, damit du bei niemand anderen so empfindest wie jetzt.“
Na spätestens jetzt würde ich Prügel kassieren…
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Mo Aug 12, 2013 3:35 am

Die mächtige Woge eines herzerweichenden Gefühls durchströmte mich und spülte die Stärke hinfort, welche sonst in jeder Handlung steckte, welche ich vollführte. Meine Persönlichkeit schien zu ertrinken, in einer Mischung aus einem unbeschreiblichen Kribbeln, einer Hitzewallung und einem Schauer, dessen Temperatur eiskalt und brühwarm zu gleich zu sein schien. Mir schlug das Herz in der Brust heftig gegen die Rippen, wie ein majestätisches Tauboss, welches man eingesperrt hatte, dass es jetzt um seine Freiheit kämpfen musste. Gewaltsam schien es seinen Käfig aufbrechen zu wollen um zu entspringen und dem beengenden Gefühl entkommen zu können. Mein Brustkorb brach jedoch nicht entzwei und befreite das lebenswichtige Organ aus den Trümmern, stattdessen schien es so, als würde einfach nur die Zeit in einem Strudel stecken. Mal wirkte es, als würden die Sekunden voran kriechen, wie der träge Leib eines Flegmons und in der nächsten Minute tickte die Uhr schneller als ich es jemals für möglich gehalten hatte. Doch nicht nur diese Empfindung schien in einem wahren Zwiespalt zu stehen, die ganze Welt schien sich mit mir nicht mehr einig zu sein, was sie mir gerade vermitteln wollte – und obwohl es verwirrend war, mich in allem überforderte, schöpfte ich auch Kraft und einen wahren Entdeckungsdrang daraus. Mir kam es vor, als würde kein Ozean mehr zu tief für mich sein um an den Grund zu tauchen, kein Berg mehr zu hoch um die Spitze zu erklimmen und keine einzige Arena in ganz Einall würde noch ein Problem für mich darstellen. So stand ich irgendwie auf der Gewinnerseite, obgleich ich ebenso glaubte, dass mich der Kuss emotional so ausraubte, dass ich verletzlicher war denn je. Noch schwächer als damals zu meiner unliebsamen Schulzeit, welcher ich den Rücken zugekehrt hatte.
Und das war es, was es so unfassbar unangenehm machte. Obsiegte von dem Wirrwarr der Gefühle auch das unfassbare Feuerwerk der Farben und Empfindungen, welches durchaus als positiv zu bezeichnen war, so hasste ich es, dass ich mich fühlte, als wäre ich zum Abschuss bereit gestellt. Wann immer ich seine Nähe beanspruchte – oder im Normalfall ihm seine paar Minuten gab, damit er meine Nähe beanspruchen konnte – fühlte ich praktisch, wie alle Klingen und Läufe auf mich gerichtet waren und ich nicht die Möglichkeit hatte in Deckung zu gehen. Es wäre so ein Leichtes, mich in diesen Momenten auf Gefühlsebene zu verletzen, egal wie vital und kräftig ich mich auch fühlte und wie viel Ansporn mit einer jeden Berührung seines Körpers in mir aufflammte. Das Feuer, welches durch ihn in mir brannte, war schon enorm, wenn ich mich einfach nur in seiner Nähe wusste, goss man jedoch Öl hinein, wärmte es mich nicht nur, sondern es drohte mich von innen zu verbrennen. Züngelnd würden die Flammen mir jedes Fleisch von den Knochen lecken, bis von mir nichts mehr übrig war und ein Kleinkind mich emotional in den Boden stampfen könnte. Somit war es – zumindest für mich – die zweischneidige Klinge, auf welcher ich tanzte und die mich in Null Komma Nichts entzwei teilen konnte, mich aber auf der anderen Seite ebenso zu mehr Hochmut und Selbstbewusstsein beflügelte. So wie unsere Leiber sich nun nah waren – von Sekunde zu Sekunde erfasste mich ein heißeres Kribbeln – schäumte alles in mir über und man konnte getrost sagen: Es war zu viel des Guten. Kein anderer Ausspruch vermochte es besser auszudrücken.
Ich hatte nicht nur ihm den Satz abgeschnitten, welchen er verlauten lassen wollte, sondern auch meine eigene Stimme geraubt. Unsanft und ungestüm, presste ich meine Lippen gegen seine und ließ mich auf ein Spiel ein, welches ich sonst verabscheute. In meinem Handeln war ich mir nicht einmal unsicher. Eher noch küsste ich ihn selbstsicher wie man es von meiner Person gewohnt war, schnaufte gegen seinen Mund und funkelte ihn dabei so an, als würde ich ihn gerade zu einem Pokémon-Duell herausfordern. Selbst die Reaktion auf seine Hände an meiner Taille, blieb harmlos und fast schon bedacht – nur ein Knurren in den Kuss, als wäre ich ein wildes Pokémon, welches noch nicht aufgegeben hatte. So ließ ich seine Zunge auch nicht gewähren und als ich ihm doch die Pforte öffnete biss ich ihn wirklich. Nicht brutal, wenn auch mit einer Grobheit, welche meine Persönlichkeit umfasste, sondern eher leidenschaftlich, als wäre ich absorbiert von dem, was wir taten – gewissermaßen stimmte dies auch. Meine Gedanken schienen leer gefegt, als würden mich selbst nur niedere Triebe führen, die mich nicht mehr allzu sehr von der Artenvielfalt auf dieser Welt abhoben und mich primitiv machten. Auf der Suche nach dem Mehr, bereit unsere Beziehung einen Schritt voran zu treiben, aber verunsichert und zu stolz um die damit einhergehende Angriffsfläche zu akzeptieren, die wohl ein jeder Mensch in einer Beziehung offenlegen musste.
Beinahe so, als hätte mich ein Whirlpool auf offenem Meer in die Tiefe gesogen, schnappte ich nach kostbarer Luft und füllte meine bebende Lunge mit Sauerstoff. Er war es gewesen, der unsere Gesichter getrennt hatte und ich starrte ihn aus unerfindlichen Gründen finster an, während ich seinen Worten folgte. Mein Mund war zu einem unzufriedenem Strich verzogen und gedachte nicht mehr daran, seine zärtlichen Annäherungen z erwidern. Das Kribbeln, das Flimmern und das Lieben wurde ausgetauscht von einem anderen Kribbeln, einem anderen Flimmern und von Wut. War es ich, der diese ganze Sache in einem unbedachten Moment angezettelt hatte, hatte er sich die Situation zu Eigen gemacht, hielt mich an sich und schien nicht mehr in der Lage sich selbst zu kontrollieren. Wie konnte er so ruhig sein, wenn er genau wusste, dass er hier einen Tanz mit einem Arbok wagte. Eines, welches nun damit anfing, gefährlich zu zischen. Wie dreist er doch war, mir zu sagen, wie es sich anfühlte, wo er doch nichts über den Zwiespalt wissen konnte, der sich in mir aufbereitete. Selbst jetzt, als ich meine Abwehr für viele Momente des Knutschens abgelegt hatte und ich diesem guten Gefühl eintritt gelassen hatte... alles wurde überdeckt von dem Schleier der Angst, dass man zu viel Schwäche zuließ. Seine Aussage stimmte so also nicht. Hinter diesem gut stand so viel mehr – empfand er dies nicht oder wollte er es nicht empfinden? So glücklich wie er wirkte, wahrscheinlich nicht... ich gönnte es ihm, freute mich, dass ich es war, der ihm diesen Gesichtsausdruck entlockte. Der erneute Kuss wurde von mir starr entgegen genommen und ich fragte mich, welche Entscheidung die Richtige sein würde. Mich ans Messer liefern um ihm einen so wunderschönen, glücklichen Gesichtsausdruck zu entlocken oder ihn in seine Schranken weisen?

Bedeutete Liebe gleich Selbstaufgabe?

„Ich will eins mit dir sein, damit du bei niemand anderen so empfindest wie jetzt.“


Die Augen geweitet, als hätte man mir eben ein Messer in den Rücken gerammt, spannte sich ein jener Muskel in meinem Körper an. Die Worte, welche mein Freund über seine Lippen gebracht hatte, schockierten mich, weil sie so unfassbar anzüglich klangen. Damit konnte ich noch weniger umgehen, als mit den kleinen Intimitäten, die er sonst so bekam oder einforderte. Vielleicht meinte er es nicht so und es war nur mein verkorkster Verstand, welcher nun zu viel in die Worte interpretierte – doch es verunsicherte mich und nahm mir für eine ganze Weile auch die Fähigkeit irgendwie angemessen zu reagieren. Sonst hätte ich diese innige Nähe unserer Körper – meiner nicht minder aufgeheizt als der Seine, was schon wieder mal zeigte, dass ich mich doch mehr von Trieben leiten ließ, als mir lieb war – sicherlich mit einem brutalen Ruck entzweit und ihm die Nase mit der Faust zertrümmert. Häusliche Gewalt war bestimmt nicht gut, doch so wie ich jeden anderen Mann schlagen würde, der mich provozierte, bildete er keine Ausnahme, nur weil wir ein Paar waren. Glimmend lagen meine goldbraunen Augen auf seinem Gesicht, musterten es und suchten auf seinen rosa Wangen nach einer Antwort, die er mir aber wohl nicht geben konnte. So nah er auch bei mir war, musste ich alleine die Lösung auf die Frage finden, welche ich mir selbst gestellt hatte...
Aus der Trance gerissen, nachdem ich für den Bruchteil einer Sekunde meine Augen mit einem Seufzen geschlossen hatte um den Kuss zu erwidern, löste ich mich mit einem unsanften Ruck von ihm und packte wieder sein Kinn. Unsanft presste ich meine Fingerkuppen an seinen Kiefer und blickte ihn so an, als wären wir nicht etwa Liebende, sondern Erzfeinde bei ihrem Showdown. Knirschend rieben meine Zähne aufeinander, außer Atem saß ich auf ihm und musterte sein Gesicht um die Intensionen darin zu lesen – wollte ich doch wissen wie er den Satz gemeint hatte, welchen er gerade noch in den Kuss gehaucht hatte, mit einer Stimmlage, die ich so eigentlich nicht kannte und daher nur schwer einzuschätzen fand. Sanft war der Druck meiner nicht, weder der an seinem Kinn, noch der an seiner Hand, welche ich mit meiner noch immer hielt. Mehr als würde gleich eine Prügelei aus unserer Zweisamkeit geboren werden und eben nicht so, als hätten wir gerade noch innige Küsse ausgetauscht. Woran ich bei ihm war, wusste ich... so gerne ich auch stritt, so oft ich ihm auch Vorhaltungen machte, wusste ich, dass er treu war und er mich ehrlich liebte. Von mir konnte man nichts anderes behaupten. Trotzdem war da eben der Unterschied unserer Sehnsüchte, eine ewige Kluft, welche zwischen uns liegen würde, weil wir so unterschiedliche Bedürfnisse hatten, wie Tag und Nacht. Allgemein waren unsere Charaktereigenschaften so als würde man zwei Drachen-Pokémon aufeinander hetzen. Effektiv gegeneinander. Selber Typ und trotzdem vermochten sie sich auszuschalten... es ging nur darum, wer die besseren Züge tat.
„Selbst wenn Dimensionen zwischen uns liegen... würde ich für niemand anderen jemals mehr empfinden können als für dich.“ Süße Worte aus meinem Mund, kamen sie jedoch hervor wie ein tiefes Grollen und beinahe unfreundlich. „Ich muss dich nicht berühren um zu wissen, dass wir zueinander gehören.“ Auch dieser Satz war schmeichelnd, sollte ihm eigentlich liebevoll entgegen gebracht werden, doch ich klang so streng und kalt, als wollte ich ihm gleich das schlagende Herz aus der Brust reißen um es mit bloßen Händen zu zerquetschen. Nichts lag mir ferner als das, aber es kostete mich sehr viel Anstrengung, meine Hände nicht zu Fäusten zu ballen um ihm doch noch einen Schlag in das Zentrum seines Gesichtes zu verpassen und ihm so Nase und Brille zu zertrümmern. Was hatten sie damals nicht zu mir gesagt, als ich das Mobbingopfer der gesamten Klassenstufe wurde? Dass ich nur ein Bückstück für Touma war und ich ohne ihn nur ein verdammter Schwächling war... gut, ich hatte nicht bemerkt vor wie viel er mich bewahrt hatte, doch der Gedanke, dass ich schwach war und meine Stärke nicht mehr existent schien, sobald ich bei ihm war, gefiel mir und meinem Stolz nicht. „Reicht es dir nicht zu wissen, dass ich dich liebe oder musst du dir diese Tatsache versichern, indem wir Händchen halten und Knutschen?“ Gerunzelter Stirn erhob ich meine Augenbrauen und schnalzte dann mit der Zunge. „Ich für meinen Teil... spüre es jede Sekunde... egal wo du bist und egal was wir tun.“ Vielleicht hatte er gar nicht so Unrecht, wenn er behauptete, dass ich romantisch war...
Ihm eine Kopfnuss verpasst, welche meinen eigenen Schädel leicht zum Dröhnen brachte, löste ich mich endgültig von ihm und begab mich wieder auf meinen Platz auf dem Boden – den Kopf auf der Tasche gebettet und die Lider geschlossen um in vollkommene Dunkelheit zu tauchen. In meinem Fleisch kribbelte es nicht weniger als noch zu der Zeit, als wir uns geküsst hatten und mein harter Panzer schien zu warmer Butter zu schmelzen. So wie er nicht verstehen konnte, dass ich dem gegenüber eher negativ eingestellt war, würde er wohl nicht verstehen, dass es für mich schier unerträglich schien mich so unfassbar ausgeliefert zu fühlen. Frustriert durch den Zwiespalt wendete ich mich von ihm ab, drehte meinen Rücken zu ihm und versuchte dann die Härte aus meiner Stimme in meinen sonst einfach nur dreisten Klang umzuwandeln. Für Streit war ich zu müde und zu hungrig. „Wir sind eins... also komm bloß nicht auf dumme Gedanken in der Nacht...“ Der Gedanke, dass er auf dumme Ideen kam, ließ mich schwer und hörbar schlucken. Dachte er wirklich schon an so etwas, wenn wir es noch nicht einmal schafften jeden Tag einen ganz gewöhnlichen Kuss auszutauschen? War er reif oder einfach nur pervers? Wieder einmal knirschten meine Zähne übereinander und ich drehte mich dann doch wieder in seine Richtung, versuchte ihn in der Dunkelheit mit vorgeschobener Lippe zu betrachten. „Willst du... wirklich... ehm... du weißt schon?“ Hinfällig ob er reif war oder pervers, ich war – was dieses Thema anging – einfach unreif und beinahe schon bieder...
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Sa Aug 24, 2013 10:55 am

Wie konnte man den Tanz zweier Wesen in unmittelbarer Nähe nur so verabscheuen? Mit der schönsten Poesie wäre diese Armada an Gefühlsausbrüchen und Empfindungen noch immer nicht zu beschreiben und selbst wenn, dann würde sie mir nicht einfallen. Gebildet war ich schon, zumindest hielt ich mich nicht für ungemein dämlich, doch sobald es um den Rothaarigen ging, fehlten mir schlicht und ergreifend die Worte, um das zu beschreiben, was meine Seele berührte und meinen Körper von der höchsten Spitze in den tiefsten Abgrund warf. Nichts war dabei irgendwie schlecht, selbst wenn Unsicherheit ebenso ihre Krallen nach mir ausstreckte, wie es die Peinlichkeit tat, denn immerhin waren solche Dinge mit ihm erlebt besser, als jedes ‚erstes Mal‘ welches ich vielleicht schon erlebt hatte. Ertrunken war ich noch nie in diesem zähen Saft der Liebe, welcher mich an ihn klebte und nicht nur verführerisch roch, sodass man sich nach mehr sehnte, sondern auch jede Köstlichkeit auf dieser Welt bei Weitem überflügeln konnte. Die Zeit schien ebenfalls in dieser Masse fest zu stecken und dachte gar nicht daran weiter zu ziehen, auch wenn ich wusste, dass alles nur ein Trugschluss meiner Fantasie war. Jene, welche von dem wilden Rotschopf immer wieder mit mehr Nahrung gefüttert wurde, obgleich er im selben Atemzug alles wieder zerstörte und nur Staub dessen zurückließ, was vorher mein gläsernes Schloss war. In diesem spiegelte sich alles, so wie es auch in meinen Augen der Fall war. Liebe, Verlangen, Berauschtheit, Sucht und ungebändigtes Chaos… Dieses Feuerwerk schien in den verschiedensten und kräftigsten Farben zu leuchten und mit jedem Knall einen Impuls in meinen Körper zu senden, welcher nicht nur Gänsehaut in rollenden Bahnen über meine Haut zog, sondern auch ein erregtes Zittern in meine Glieder und den Atem schickte. Ich war ihm verfallen und sicherlich nicht besser als der bemitleidenswerteste Perverse, den diese Welt zu bieten hatte. Schämen tat ich mich jedoch für nichts, ich würde es auch nicht leugnen, ganz gleich wie mein Partner dazu stand. Und ich wusste, wie er dazu stand…
Wo er zu viel sah, fand ich es zu wenig. Nein, ich konnte einfach nicht genug von dem bekommen, was mir die Knie weich machte und mir den Atem ebenso raubte, wie jeglichen Gedanken. Nur noch er erfüllte meinen Kopf – was eigentlich nicht sonderlich neu war, doch um Längen intensiver und penetranter. Auch wenn meine Augen in dem stürmischen Kuss geschlossen blieben, sah ich ihn vor mir, der Duft seiner Haare oder der Haut machten das Bild in meinem Kopf nur klarer und alles schien in einen wunderschönen Glanz getaucht. Dies war vermeintlich eher die Sicht eines über beide Ohren verliebten Mädchens, welches zum ersten Mal so einen Höhenflug erlebte und durch ihre rosarote Brille nur Glitzer, Herzchen und Sternchen sehen konnte. Im Endeffekt war ich wohl nichts weiter, als eben ein solches, denn meine Ansichten bezüglich unserer Beziehung gingen in den Punkten der Romantik ebenso tiefer, wie in den Punkten unserer Nähe. Er, mein Gegenstück, dagegen war abweisend, ganz gleich welche Folter er im Moment auch anwandte. Folter, anders konnte man es doch nicht nennen, was er mir mit den Versuchen mir seine Sichtweise zu erklären, antat, wo er doch wusste, wie es um mich, meine Gedanken und oftmals auch um meine Körpermitte stand. Einen grausamen Freund hatte ich da. Masochistisch, weil ich auch das an ihm liebte. Es gab wirklich nichts, was mich von ihm wenden könnte und niemanden dem ich erlauben würde den Mund negativ in Bezug auf ihn aufzumachen. Selbst meine eigenen Gedanken waren immer nur aufs eine fixiert: darauf ihn zu lieben, so wie er war. Mit allen Macken und dem ganzen anderen Drumherum. So war er eben für mich… perfekt.

Den Blick seiner ernsten Augen konnte ich nur blinzelnd erwidern und war wohl in diesem Szenario das niedlich dreinblickende Lamm, welches ins Maul des bösen Wolfes schaute, sogar schlucken musste ich. Trotzdem umspielte ein Lächeln meine Lippen, denn ein jedes Wort hatte ich ernst gemeint und mit einer Überzeugung rüber gebracht, die von Herzen kam. Ich wollte, dass er mir allein gehörte und auch wenn ich nicht genau wusste, ob es das war, was er hören wollte, lag es mir gerade eben doch auf der Zunge. Ich wusste auch nicht, ob er mir glauben würde oder nur so tat als ob, denn wenn man mich fragte, so zeigte ich ihm zu wenig, wie viel er mir eigentlich bedeutete. Alles nämlich, gab es doch keinen anderen Menschen, den ich so begehrte und für den ich auch einfach alles tun würde. Er brauchte nur sagen was, ich würde mir auch jeden Knochen im Leib brechen oder ihm mein Herz aus meiner Brust schneiden… Hauptsache er war zu frieden. Dass dieser Grad von Liebe nicht mehr wirklich als gesund zu bezeichnen war, konnte ich mir selbst denken, ohne dass man mit dem Finger darauf zeigte. Trotzdem wollte ich diesen Lebensstil beibehalten und ja… ich hatte mich selbst für ihn aufgegeben, denn das war kein Problem. Im Gegensatz zu ihm empfand ich das nicht als schlimm oder verwerflich, frönte liebend gern diese Abhängigkeit und sah die Aufgabe mehr als etwas an, das den Weg für ein Wir ebnen konnte, sollte er es zulassen.
Der Druck seiner Finger an meinem Körper schmerzte, sowohl am Kinn als auch an der Hand, welche er fixierte, als würde ich gleich aufspringen und fliehen, wie ein wildes, verängstigtes Pokémon. Bei dem Blick, welchen er mir schenkte wäre das gar nicht so abwegig, doch selbst bei dem wutentbrannten Funkeln seiner Flammen war mir nicht nach fliehen zu mute. Ich hielt es aus, blieb standhaft und erwiderte sein Feuer mit einer ruhigen Kälte meiner blauen Iriden, obgleich es nichts mit der Kälte zu tun hatte, welche sich Erzfeinde zuwerfen würden. Diese Stimmungsschwankungen – oder eher diesen dauerhaften Zustand – kannte ich schon und wusste auch, was ich zu erwarten hatte. Nicht etwa eine niedliche Stimme und Sanftheit im Blick, sondern Härte und Unbeugsamkeit, die mit einem Feuer daherkam, welcher alles in einem Sturm zu verschlingen drohte. Und ebenso die Handlungen, welche man erwarten konnte… Rau, fordernd und überlegen. Ob ich mich dabei schwach fühlte? Nur der Liebe wegen. Jene, welche er erneut mit lieben Worten fütterte, obwohl sie in eine sehr unschöne Verpackung gesteckt wurden. Jedoch nur unschön, wenn man ein Außenstehender war und nicht jener, der sehr viel Zeit mit diesem Menschen verbracht hatte und nur grinsen konnte, auch wenn das mit dem Druck am Kinn doch sehr verzerrt war. Solche Worte hatte ich ihm nicht zugetraut, aber sie waren ja auch nicht dahergekommen, als wollte er mir nun einen Heiratsantrag machen… ganz typisch also. Ich war unbeschreiblich glücklich, mit einem wilden Rumoren in der Magengegend, als wollten die Millionen Pappinellas herausbrechen und Freiheit schnuppern. Sein strenger, unbarmherziger Ton klang fast schon wie Musik in meinen Ohren… zumindest wenn solche Dinge aus seinem Mund kamen. Immerhin sagte er, dass er mich liebte… auf die wohl romantischste Art und Weise, die man sich vorstellen konnte. Spielte es da wirklich noch eine Rolle, wie er mich dabei anschaute? Dass er mich anschaute war doch die Hauptsache. „So gegen Händchenhalten und Knutschen habe ich wirklich nichts… Gehört doch dazu.“ Also nickte ich, die Augen kurz geschlossen und mir über die Lippen geleckt. „Ich spüre es auch…“ Mehr als ein Säuseln war meine Stimme nicht, sie summte fast, als ich die Augen wieder Aufschlug und ihn von unten herauf betrachtete. Beschienen vom schwachen Licht war er wirklich mehr als nur schön anzusehen. Jede Faser meines Wesens glühte, nur für ihn. „Trotzdem muss man sein Revier markieren…“ Es war mehr ein Scherz, denn hinter Nähe stand vor allen Dingen… Nähe. Wenn ich dabei potenzielle Gefahren abschreckte, weil wir Händchen hielten, umso besser. „Und ich bin nicht so stark wie du.“

Die Kopfnuss bescherte mir sofortige Schmerzen, vermochte aber das warme Kribbeln in den Lippen und dort wo er saß nicht zu lindern, weshalb es mich nur bedingt vom Geschehenen ablenkte und ihm die Möglichkeit gab mich zu verlassen, denn vielleicht hätte ich mich dazu erdreistet ihn in diesem rührenden Moment – gleich was in seinen Augen auch loderte – auf mir zu fixieren und noch einen Kuss zu fordern. Wunschdenken. Ich drehte mich auf die Seite, um mir seinen Rücken anzusehen und seufzte, weil alles so schnell vorbei gewesen war. Zu schnell hatte sich die Zeit aus der zähen Masse des Glücks befreit und war davongeflogen, als wäre alles gerade nur ein viel zu schöner Traum, in dem er mir erneut seine Liebe gestand. Es von ihm so oft an einem Tag zu hören war schon ein sehr großes Highlight. „Ich doch nicht…“, antwortete ich ein wenig verschwörerisch und kicherte leise, mir die Haare aus dem Gesicht streichend und die Brille von eben jenem streifend, um sie weg zu legen. Die Augen geschlossen erwartete ich eigentlich nichts mehr, nur das Ende einer wunderschönen Nacht, während ich mich an dem Nachbeben labte, welches durch meine Nerven zog und überall kitzelte. Dass er mit der einfachen Geste, dem Umdrehen, mein Herz dazu zwang einen Salto zu machen, war schon traurig… irgendwie. Verwirrt blickte ich in die Dunkelheit, konnte seine Konturen jedoch auch ohne Brille gut erkennen und kniff leicht die Augen zusammen, während mir die Gesichtszüge bei seiner Frage entglitten. Eine Frage, die mich hätte laut zum Auflachen animieren können, wenn er nicht so verdammt niedlich geklungen hätte und mir nicht bewusst gewesen wäre, mit welcher Strafe ich bei einem solchen Patze zu rechnen hatte. „Ich weiß schon?“, stellte ich mich dumm und schmunzelte leise, seine vorgeschobene Lippe musternd. Lippen, die ich zu gerne wieder an meine gepresst hätte, unbarmherzig. Dann nickte ich leicht, grinste wieder breiter und seufzte. Irgendwie war er doch noch ein ziemlicher Kindskopf. „Machst du dir deswegen etwa so große Sorgen?“ Meine Hand fuhr in die Höhe und ich streichelte sanft über seinen Schopf, als wäre er ein Kind, welches man trösten musste. „Du weißt, dass ich dir gegenüber immer ehrlich bin, nicht?“ Dann fixierte ich ihn eindringlich, schluckte, weil ich nervös wurde… immerhin war es Masao, mit dem ich gerade solche Dinge besprach. „Ja.“ Die Antwort fiel knapp aus und ziemlich leise, denn mit jedem Wort war meine Stimme schwächer geworden, obgleich ich überzeugt und sicher klang. „Aber nur, wenn du es irgendwann auch möchtest.“ Nur ein Kuss auf seine Stirn folgte, ehe ich mich umdrehte und die Augen zusammenkniff, in mich hinein grinsend. „Oder es zumindest aussprechen kannst, wie ein Erwachsener.“ Wenn er mir gleich das Genick brechen würde, wäre es nicht verwunderlich.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Sa Aug 24, 2013 11:22 pm

Irgendwie war ich ein wenig verwundert darüber, welche Bahnen das Gespräch nun angenommen hatte, wo ich eigentlich nicht der Typ war, welcher irgendwie über seine Gefühle sprach. Dass es dann noch um ein so heikles Thema wie Intimität ging, war beinahe schon gespenstisch und verwirrte mich selbst, da es doch irgendwie zeigte, dass auch ich mir unterbewusst Gedanken darum machte. Zwar sicherlich keine Positiven und keine, welche Touma jemals toll finden würde, aber sie waren da und manchmal beschäftigten sie mich eben auch. Besonders dann, wenn der Blauhaarige irgendwelchen Mist faselte, den ich – ob so von ihm geplant oder nicht – in den falschen Hals bekam. Aber was wollte er auch schon sonst damit andeuten, wenn er Dinge sagte, die irgendwie implizierten, dass wir eins werden würden? Für mich gab es hinter diesem Satz keine tiefere Bedeutung und es machte mich stutzig, weil ich selbst über so etwas im Normalfall eben nicht nachdachte. Einfach, weil ich beschlossen hatte, dass es nicht nötig war, einen nur schwach machte und wir noch zu jung waren, so wie andere Aufgaben hatten. So offen und wild ich in vielerlei Dinge war – wie ein unbändiges Feuerpokémon, welches im Rausch drohte alles zu versengen – blieb ich was diese Thematik anging wohl doch immer der kleine Junge und weder glaubte ich, dass es sich ändern würde, noch hoffte ich es. Nicht einmal um seinetwillen. Dies hatte auch gar nichts mit Angst zu tun, sondern mehr mit dem Gedanken, dass es falsch war, welchen ich aber nicht zu Hundertprozent erklären und in Worte fassen konnte. Da ich meine Ansicht über Knutschen und Händchenhalten nun aber sowieso deutlich gemacht hatte, stand uns doch eigentlich nichts mehr im Wege? Irgendwann würde auch e mit dem vollkommen zufrieden sein was wir hatten, denn jetzt – wenn er sich nach mehr von diesem und jenem sehnte – war er es wohl einfach mal noch nicht. Hieß es nun, dass er zu viel wollte oder gab ich mich mit zu wenig zufrieden? So genau wusste ich es nicht, was das anging schien sich mein Ehrgeiz, aber wohl in Grenzen zu halten. Mir reichte es, wenn wir zusammen gehörten, wir mussten deswegen nicht noch rummachen als wären wir liebeskranke Wesen, betört von Pummeluffs gesang. Ah! Dieses Thema gefiel mir überhaupt nicht, weswegen ich gedachte es auch auf dem schnellsten Weg zu beenden und mir nicht noch weiterhin das Hirn zu zermartern. Hatte auch keinen Sinn – in meiner Ansicht würde sich einfach nichts ändern.
Mir war auch klar, dass er mich damit necken würde, dass ich wohl irgendwie nicht den Mut hatte die Sache auszusprechen, welche mich beschäftigte – was natürlich nur dazu führte, dass ich wieder weitaus grimmiger drein blickte. Von wegen, er war nicht stark. Wenn er schon an solchen Kram dachte – und das nahm ich an, bevor er es mir sagte – dann war er durchaus stark. Was paradox war, weil ich eben glaubte, dass ich selbst schwach werden würde, wenn ich mich solchen Gelüsten hingab. Wir waren aber eben von Grund auf verschieden und dies spiegelte sich auch sehr deutlich in dieser Sache wieder, was mich wieder einmal auf die Frage brachte, warum wir eigentlich zusammen waren. Klar, klar. Wir liebten uns – offensichtlich – aber irgendwie hatten wir ziemlich wenig gemeinsam. Aber vielleicht war es das, was diese Beziehung so spannend machte. Spannend, aber oft auch ziemlich anstrengend, wenn ich mir die Wahrheit eingestand. Dieser Abend war zwar gefühlsduselig und eigentlich süß gewesen, aber er hatte sich an meinen Nerven gelabt wie ein hungriges Relaxo und nun fühlte ich mich ausgezehrt und hoffte, dass mein Freund nun nicht wieder anfangen würde frech zu werden. Nur weil ich ein wenig netter als sonst gewesen war, musste er sich bestimmt nichts darauf einbilden. Dies tat er aber anscheinend, denn ich spürte, wie er mich streichelte und ich schnaubte verächtlich, bevor ich ihm eine schnippische Antwort gab. „Als ob!“ Halbe Wahrheit. War nicht so, als würde ich jeden Tag über diesen Kram wach liegen oder so, aber wenn er immer so komisches Zeug faselte, stellte ich mir schon die eine oder andere Frage bezüglich seiner Libido. Zum Beispiel wie weit die eigentlich ging. Nach seinem einzelnen Wort auf meine Frage, hatte ich nun ja die Gewissheit und obgleich ich damit gerechnet hatte, hinterließ es einen bitteren Geschmack in meinem Mund als hätte ich gerade eine Ninikubeere in den Mund genommen und sie langsam zerkaut. Ebenso verzog sich wohl auch mein Gesicht und im ersten Moment war ich viel zu perplex über dieses Gespräch, als dass ich wirklich passend auf den Kuss auf meine Stirn reagieren konnte – eigentlich hätte ich ihm nämlich liebend gerne die Lippe mit einer Kopfnuss zum Explodieren gebracht, aber da hatte ich wohl zu schlecht aufgepasst. Etwas was anscheinend dazu führte, dass er sich erdreiste sich irgendwie über mich lustig zu machen – so kam es zumindest bei mir an, egal ob es stimmte oder auch nicht. Letztendlich blieb mir nur der trübe Blick in der Dunkelheit, welcher nun seinem Rücken galt.

Als sich die Paralyse in meinem Körper gelöst hatte, verpasste ich ihm einen leichten Kick gegen den Hintern. Brutal war ich, aber ich wollte ihn auch niemals so wirklich richtig misshandeln, weswegen es bei dieser winzigen Strafe blieb. Während wir so lagen, war es ohnehin ziemlich schwer, wenn ich nicht aufstehen und ihn so zertreten wollte – was ich natürlich nicht wollte. Heftig rieben meine Kiefer übereinander, sorgten für ein hartes Knirschen meiner Zähne und unterstrichen mit dem Schnauben, konnte man wirklich glauben, dass gleich ein wildes Pokémon aus dem Gebüsch springen würde... doch hier schien es ohnehin fast nur Voltilamm zu geben und die würden wohl nicht einmal von Tollwut befallen solche Geräusche von sich geben. Konnte ich mir zumindest nicht wirklich vorstellen. Dass ich hier meinen Lupo gefunden hatte, grenzte für mich an ein wunder, einfach weil ich danach kein Riolu mehr gesehen hatte. Somit war es wohl relativ selten – und es hatte den Trost für das entgangene Sniebel dargestellt, da wir nun beide sehr gute Pokémon zur Verstärkung unserer Evoli hatten. Warum dachte ich aber nun darüber nach? Vielleicht um mich abzulenken und meine vor Verlegenheit und Wut röter werdende Rübe loszuwerden. „Ich könnte!“, platzte es aus mir heraus. „Ich will nur nicht... und wie es aussieht, will ich aus einem guten Grund nicht...“ Alleine der Gedanke, dass er irgendwie versuchen würde mich rum zu kriegen, sorgte bei mir für ein beengendes Gefühl in der Brust, welches ich auf keinen Fall als angenehm empfinden konnte. Würde er wirklich jemals so weit gehen, musste ich ihm wohl wirklich zum ersten Mal mit einem sehr hohen Ausmaß an Gewalt gegenüber treten. Ob er dann noch immer bei sich halten könnte? Ob er dann vielleicht zurückschlagen würde? Spielte im Grunde keine Rolle, weil es mir lieber wäre, wenn wir uns prügeln würden, als dass wir miteinander schlafen würden. Wieder einmal zeigte ich, wie kindisch ich bezüglich dieser Sache war, aber ich wusste auch, dass er es nicht tun würde, wenn ich nicht wollte. Musste mir ja dennoch nicht gefallen, dass er wirklich wollte – als ob wir nichts Besseres zu tun hätten. Pokémon trainieren, Pokémon fangen und bald auch Orden sammeln. Alles Dinge, welche uns im Leben mehr bringen würden als irgendwelche Bettgeschichten. Dass es hier um die Vertiefung – leider ziemlich wörtlich – unserer Beziehung ging, berechnete ich nicht und wollte ich auch ehrlich gesagt nicht akzeptieren. So wie es war, war ich zufrieden und wahrscheinlich würde ich diesbezüglich auch niemals Kompromisse eingehen.
Murrend rollte ich mich auf die andere Seite meines Körpers, so dass wir nun mit dem Rücken zueinander lagen und presste meine Lider feste zusammen. „Gute Nacht.“, murmelte ich leise und knabberte mir auf der Unterlippe rum. Das Thema ließ mich ziemlich lange nicht los und ich seufzte mehrfach so, dass ich es selbst nicht einmal bemerkte. Trotz der Müdigkeit – und dem verdammten Hunger – schien meine Energie aber auf einmal ins unermessliche gestiegen zu sein, was nur zeigte, wie aufgekratzt ich dem Thema gegenüber stand. Auf eine Konversation hatte ich aber auch keine Lust mehr. Für heute hatte ich mehr als nur genug mit meinem Partner geredet – vielleicht hatte ich sogar etwas erfahren, was ich lieber nicht gewusst hätte. So blieben meine Schmolllippen aufeinander gepresst, ebenso wie ich die Augen aufeinander gepresst hatte. Als könnte ich einen baldigen Schlaf durch ein solches Verhalten hervorbeschwören. Dabei schlief ich doch eigentlich liebend gerne, nur jetzt hatte ich es mir irgendwie eine lange Zeit versaut. Mehr als die Hälfte der Nacht lag ich wach, spürte wie mir die Glieder durch diese bequeme Lage allmählich steif wurden und das Einschlafen dadurch irgendwie noch schwerer wurde als ohnehin schon. Na super! Alles die Schuld von diesem blöden Touma! Morgen würde ich ihm das alles unter die Nase reiben, es ihm in den Rachen stopfen und hoffen, dass er ein verdammt schlechtes Gewissen bekommen würde. War das fies? Vielleicht, aber das interessierte mich so gar nicht, denn mir fielen die betonschweren Lider tatsächlich erst zu als ich schon die ersten Sonnenstrahlen sah und sich der Himmel langsam wieder hellblau färben wollte. Irgendwo zwitscherten Dusselgurr oder Taubsi – was wusste ich schon – doch ich bemerkte es nicht mehr, als alles schwarz wurde und ich leise schnarchend, den Kopf auf meinen Rucksack gebetet in den Schlaf sank. Doch ein ruhiger Schlaf war es nicht, ich wälzte mich ziemlich viel – einfach weil es nicht gemütlich war – sabberte ein wenig und schnarchte leise, weil meine Nase verstopft schien. Angenehme Nacht? So eine sah definitiv anders aus. Trotzdem konnte ich träumen und von was ich träumte? Von meinem Traummann. Deswegen murmelte ich auch immer wieder mit einem zufriedenen Lächeln seinen Namen, was ich im wachen Zustand wohl super peinlich gefunden hätte. Allgemein... es wäre wohl besser, wenn ich mich an diesen Traum niemals erinnern würde, denn er hatte viel zu wenig mit Pokémon zu tun und viel zu viel mit Knutschen. Warum wurde denn mein verdammtes Gesicht so rot? Zum Glück konnte ich mir auch darum nicht viel Gedanken machen... Träume blieben Träume.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof So Sep 01, 2013 10:50 am

War es frustrierend, dass einem die Chance mit dem Partner über Intimitäten zu sprechen oder sie gar zu durchleben verwehrt blieb? Irgendwie ja schon. Zumindest manchmal fand ich es schade, dass unsere Beziehung in diesem Sinne nicht wirklich voran zu gehen schien, als hätten wir uns festgefahren. Während er in die eine Richtung wollte, wollte ich in die gänzlich andere, war schlussendlich dazu führte, dass wir uns nicht von der Stelle bewegten. Doch solche Momente wie jetzt waren es, die mir wenigstens einen leisen Schimmer von Hoffnung geben konnten, allein schon, weil er damit anfing über solche Dinge nachzudenken. Vermutlich würde man mich in dieser Sache als den wohl größten Heuchler überhaupt ansehen, weil ich zum einen behauptete mit allem, was er mir geben würde, zufrieden und glücklich zu sein, zum anderen aber doch diese und jene Gelüste verspürte, sie nicht abstellen oder kontrollieren konnte und somit offen darlegte, dass ich mich eigentlich nach mehr sehnte. Schwach eben. Der Unterschied war ja, dass er sich seiner sicher war, vermutlich auch, dass er mich nicht so sehr brauchte, wie ich ihn – auch wenn diese Annahme sich lediglich auf das mangelnde Selbstbewusstsein und schlechte Eigenbild ihm gegenüber beruhte. Immer wieder glaubte ich, dass mir nicht viel Zeit mit ihm vergönnt sein würde und so spielte Verlangen der zärtlichen und von Liebe getränkten Art nicht die einzige Rolle, wenn es darum ging, dass ich ihn und seinen Körper begehrte. Natürlich war es allen voran eben das, sein Wesen, sein Körper, der Wunsch ihm näher zu sein, ihn zu spüren und unsere Liebe zu untermauern… Aber wenn man sich selbst für zu schlecht hielt, dann spielte auch die Markierung des Reviers eine große Rolle. Vielleicht war das nur ein Wunschdenken, doch ich malte mir wirklich aus, dass eine Vereinigung unserer Körper nicht nur die Liebe zwischen uns stärken könnte – ob das überhaupt ging? – sondern auch unsere Herzen in Einklang bringen würde, ebenso, wie sie potenzielle Verehrer abschrecken könnte… Von mir aus auch ihn für andere verderben würde, weil ich ach so gut im Bett war. Auf alle Fälle reines Wunschdenken. Man könnte auch sagen, dass es Augenblicke gab, in denen ich es einfach brauchte von ihm berührt zu werden und ihn zu berühren, um sicher zu gehen, dass alles nicht nur ein Traum war und ich mir seine Gestalt an meiner Seite nicht nur einbildete. Doch er hatte seine Regeln, hatte diesbezüglich sicherlich keine Intention etwas zu ändern und ich war sicher, dass ich damit leben würde. Das würde im Endeffekt nämlich bedeuten, dass ich dann auch mit ihm lebte… und mehr wollte ich auch nicht. Oder? Mich selbst zu belügen war einfach, ihm gegenüber war ich immer ehrlich. Und würde er mich fragen, ob es mir reichte in höchst seltenen Fällen seine Hand zu halten oder seine Lippen zu spüren… vielleicht würde ich dann wirklich mit ‚Nein‘ antworten. So gab ich es nicht zu, innerlich sträubte ich mich dagegen zuzugeben, dass ich ein schlechter, ungeduldiger Freund war. Dabei war das Brennen seiner Berührungen noch immer da, ließ mein Herz erzittern… ein eindeutiger Beweis für unbändige Sehnsucht nach mehr.
Oft beschäftigte ich mich damit, ob ich ihm nicht irgendwann zu viel wäre. Eine Last, die er abschütteln würde, sobald er merkte, wie immens sie war. Immerhin versuchte ich es jeden Tag aufs Neue, berührte ihn, neckte ihn, wollte ihn… Würde der Unterschied unserer Einstellungen irgendwann die Wende in diese Beziehung bringen? Ich hoffte es nicht, inständig. Nur war ich eben ein Mann, hatte gewisse Bedürfnisse, die mein Körper nicht leugnen wollte, ganz gleich wie ermahnend mein Geist in dieser Sache zu sein versuchte. Es gab zu viele Situationen, in denen ich mich vergaß und fast schon ignorant verdrängte, dass er es hasste berührt zu werden. Auch von mir. Eigentlich seine Schuld, sicher war er sich dessen nicht bewusst, denn in seiner Nähe brannte bei mir jede Sicherung durch, ich konnte mich nicht zusammenreißen und so tun, als wäre ich ein anderer. Warum war er nochmal mit mir zusammen? Ich verstand es nicht. Aber so wirklich gesagt, hatte er es mir ja auch noch nie…
Dafür verstand ich umso besser die Reaktion, die man mir entgegenbrachte. Sie war eben genau so, wie sie immer war und gehörte zu ihm, wie die kreisrunden, roten Bäckchen zu einem Pikachu gehörten. Es würde niemals eine Situation geben, in dem schnippische Antworten ausblieben. Ebenso würde er niemals normal schauen, wenn ich ihm nahe war und ihn berührte. Immer würde er sich verkrampfen und meine Nähe mit verzogenem Gesichtsausdruck kommentieren. Eigentlich hatte ich ja Glück, dass es dieses Mal nur dabei geblieben war, weil ich ihn scheinbar aus dem Konzept gebracht hatte. Dass meine Ehrlichkeit nichts ändern würde und vielleicht sogar noch abschrecken konnte, war nicht schwer vorzustellen, trotzdem hatte ich meinen Mund nicht gehalten oder gelogen. Würde ich es bereuen? Bestimmt, wenn er am nächsten Tag verschwunden wäre oder mir aus dem Weg gehen würde. Also noch mehr als sonst. Doch ich zählte Ehrlichkeit zu den Grundsteinen einer Beziehung, ebenso wie Vertrauen, außerdem legte ich ihm ohnehin immer mein Herz vor die Füße, ich konnte nicht mehr anders. Abhängig. Sollte er nun eine Kastration von mir verlangen – mir fiel auf, dass dies unser erstes Gespräch über solche Dinge war – tja dann… höchst wahrscheinlich würde ich es tun. Wirklich armselig, nicht? Liebe war eine schlimme Krankheit.

Der Tritt gegen meinen Hintern war sanfter, als ich es erwartet hätte. Fast musste ich lachen, weil er plötzlich so zurückhaltend wirkte, auch wenn ich wusste, dass dem niemals sein würde. Allein die Geräusche, welche hinter mir ziemlich deutlich und irgendwie beängstigend ihre Quelle hatten, machten ja deutlich, dass ich mit meiner Neckerei deutlich ins Schwarze getroffen hatte. Würde er nie zugeben und ich würde jetzt auch nicht weiter darauf herumhacken. Lieber starrte ich in die weite Schwärze vor mir und hörte ihm beim Schnauben zu, mein Knurren und Murren. Meine persönliche Einschlafmelodie. „Jaja, wenn du meinst.“, flüsterte ich schwach und zuckte mit den Schultern, ohne mich umzudrehen. Wir führten uns definitiv nicht aus, wie ein Liebespaar… Doch hätte ich mich umgedreht, hätte ich nicht nur seine Röte gesehen, sondern meine wieder vor ihm dargelegt, damit er darauf rumtrampeln konnte. Dabei zitterte ich noch immer vor tiefster Aufregung, weil er mich geküsst hatte. Immer wieder fuhr meine Zunge über die immer trockener werdenden Lippen, schmeckte ihn und innerlich seufzte ich dabei schwärmerisch. Mir war nicht mehr wirklich zu helfen, denn der Anblick, wie er auf mir gesessen hatte und meine Brust berührt hatte, war wie ein wunderschönes Gemälde in meinem Gehirn eingebrannt, wollte nicht mehr verschwinden und lieferte viel zu viele Kopfkinos, als dass ich mich beruhigen und schlafen hätte können. Nichts auf der Welt war mir wichtiger als er und ebenso gab es nichts, was ich lieber tat, als bei und mit ihm zu sein. Mein Wunsch war es nicht in Normalität zu leben, wie alle anderen. Denn Pokémon fangen, trainieren, mit ihnen Orden gewinnen und herum reisen war für mich banal. Etwas, was ich tat, nur um ihn nicht zu verlieren und sicherlich kein Ersatz für meine Lieblingsbeschäftigungen. So wie er seine Einstellung niemals ändern könnte, würde auch ich für immer ein Mann voller Laster sein, ob ich es leugnete, oder nicht. „Gute Nacht.“, seufzte ich in die Dunkelheit, nachdem ich vernommen hatte, wie er sich von mir gewendet hatte. Wieder eine Nacht, in der wir Fremde waren, wenn man uns von außen betrachten würde. Und trotzdem änderte es nichts an meinen Gefühlen für ihn.
Wir beide konnten diese Nacht wohl keine Ruhe finden, nichts von dem jeweils anderen ahnend. Während sich mein Gegenstück nämlich schmollend zur Aufgabe machte die Augen zusammen gepresst zu halten und meinetwegen schmollend zu seufzen, starrte ich weiterhin in die Leere, zitterte und igelte mich ein wenig ein, um die Eindrücke des Geschehens zu verdauen. Höhen und Tiefen waren ja schön und gut, aber wenn er solche Dinge tat, kam ich nicht umhin, als erregt zu sein und am Ende wach zu liegen, darüber nachdenkend. Über so ziemlich alles. Das stete Pochen meiner deutlich geschwollenen Hand, welche schon einem Luftballon zu gleichen schien, wenn man mich fragte, kehrte dumpf immer mehr in meinen Kopf zurück und vertrieb dabei Stunde um Stunde jegliche Aufregung. Schlaf konnte trotzdem, schlussendlich vielleicht auch gerade deswegen, auch gegen Anfang des neuen Tages nicht gefunden werden, während sich der Rothaarige wälzte und sabberte. Tiefe Augenringe hatten sich in mein Gesicht gegraben, meine Lider wogen schwer, doch ich konnte einfach keine Ruhe finden, selbst wenn ich sie schloss. Mein Geist flackerte unruhig wie die Flamme eines Lichtels im Sturm, beschäftigte sich mit ihm und nur ihm. Na gut, auch mal mit uns, mit meinen Fehlern, mit unseren Gegensätzen. Und am Ende, als das Treiben der wilden Pokémon um uns herum recht deutlich geworden war, kam ich zu dem Entschluss, dass ich weiter machen würde, wie bisher. Ihn lieben und alles geben, mich zurücknehmen und für immer tun, was immer ihn glücklich machte. Also nichts. Wie lange diese Zurückhaltung anhalten würde, wann ich wieder nach seiner Hand zu greifen versuchen würde oder mir einen Kuss stehlen wollen würde, blieb abzuwarten. Am liebsten ja sofort, als ich vernahm, was der verwuschelte Rotschopf da murmelte, während er in seinem Walzer an mich heran gerollt war und mir einen deutlichen Blick auf sein rotes Gesicht und das mit Sabber benetzte Lächeln gewährte. Ich hatte inzwischen auf dem Rücken gelegen und versuchte mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, die vielleicht langweilig wären und mich doch noch ins Land der Träume schicken würden. Nichts da, schon gar nicht nach solch einem süßen Eingeständnis meines Liebsten, auch wenn es nur im Schlaf war. Grinsend schielte ich zu ihm herüber, genoss es eine ganze Weile lang, und fühlte, wie die Last des Grübelns von mir abfiel, als hätte es sie nie gegeben. Schlussendlich beschloss ich den Tag ohne Masao anzufangen und mich nützlich zu machen, jetzt wo er schlief brauchte ich auch nicht fürchten, dass er mich verlassen könnte. Aufgestanden und die Haare mit einigen Handgriffen zurechtgemacht, griff ich mir meine Jacke und begab mich auf Beerensuche. Sicher würde er hungrig sein, wenn er die Augen wieder öffnen würde… und so konnte ich mich vielleicht noch einmal für gestern entschuldigen. Nicht, dass ich nicht sowieso schon immer Essen machte. Meine Ausbeute war recht vielfältig, wurde von mir in einem Fluss gewaschen und vor ihm drapiert, es waren nur die leckersten Beeren, die man hier bekommen konnte. Doch weil ich bezweifelte, dass dieses kleine – ich fand ihn zum Sterben niedlich – Glumanda damit zufrieden sein würde, zog ich mit dem Rucksack auf dem Rücken los, um beim Hof Brot, Marmelade und was es sonst so noch gab, abzustauben. Natürlich wäre eine Entschuldigung fällig… aber was tat man nicht alles, um es seinem Freund recht zu machen? Auch wenn man wusste, dass dies gar nicht möglich war…
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Mo Sep 02, 2013 10:20 am

Dass er sich so viele Gedanken um ein für mich so unwichtiges Thema machte, konnte ich selbst im Traum nicht erahnen. Doch mir war eigentlich vom Beginn unserer Reise aus bewusst gewesen, dass ich und er vollkommen unterschiedliche Ziele haben würden und wir uns auf vielen Ebenen unterschieden. Wir waren schließlich nicht erst Freunde geworden, als wir zusammen losgezogen waren, sondern hatten schon vorher ein inniges Band zueinander geknüpft, welches uns nun zu dem machte, was wir waren und wahrscheinlich immer sein würden. Auch wenn ich – bei genauerer Überlegung – sehr wohl wusste, dass man in einer Beziehung Kompromisse eingehen musste, war ich in diesem Fall nicht bereit dazu dies zu tun. Zumindest nicht so weit wie wir es eben in diesem Thema angeschnitten hatten. Für mich war es schon phänomenal, dass ich mich in seltenen Fällen dazu hinreißen ließ ihn zu küssen oder besser gesagt mich küssen zu lassen. Die Aktion vor dem Schlafen gehen hatte wohl alles getoppt und würde so nicht ein weiteres Mal vorkommen – oder zumindest nicht in nächster Zeit, weil es einfach nicht zu dem passte, wie ich war. Daran musste er sich jetzt sehr lange laben und auch war ich noch sehr lange nicht dazu bereit, erneut über dieses Thema zu sprechen, weil es mir einfach unheimlich unangenehm war mir vor ihm die Blöße zu geben. Zumal ich einfach eben keine Sehnsucht danach hatte und mir die Thematik deswegen unwichtiger vorkam, als sie insgeheim wohl war. Schließlich spielte es für Touma eine Rolle und zu einer funktionierenden Beziehung gehörten immer zwei funktionierende Individuen. So wirklich einsehen wollte ich dies nicht und ich war zu egoistisch um seine Bedürfnisse mit einzubeziehen, weil sie sich mit dem was ich wünschte und hoffte einfach nicht übereinstimmten. Irgendwann würden wir uns sicherlich einem Konflikt stellen müssen und zwar genau diesem, doch bis es soweit war, wollte ich mich nicht unbedingt damit beschäftigen. Oftmals machte ich mir das Leben so viel einfacher und ihm so viel schwerer und selbst wenn es mir auffiel, kehrte ich dieses Wissen lieber unter den Teppich.
Daher war es auch gut, dass der Traum blasser und blasser wurde, je mehr mein Bewusstsein an die Oberfläche schwamm und für ihn wäre es wohl besser, wenn er das was er gesehen hatte für sich behalten würde. In Ehren halten, als hätte er einen Schatz gehoben... wobei er dies wohl eher mit dem Augenblick machen würde, den ich ihm am Vorabend beschert hatte, weil es für ihn sicherlich ein wenig außergewöhnlicher war. War es für mich auch, doch als ich langsam die Augen öffnete, dachte ich schon gar nicht mehr daran, schmatzte nur vor mich her und war heute viel mehr ich, als am Tag davor. Ein Langschläfer und Murmeltier, welcher bei zu frühem Erwachen, sicherlich keine gute Laune mehr hätte. Daher hatte ich auch nicht bemerkt, wie er von Dannen gezogen war, damit ich etwas im knurrenden Magen haben würde, wenn ich mich doch mal dazu entschließen würde die Augen auch offen zu lassen, sobald ich es schon schaffte die Lider zu heben. Da ich nur ausversehen zu ihm gerollt war, störte es mich auch nicht so, dass seine Wärme dann verschwunden war... man merkte wohl, dass ich wirklich nicht sehr abhängig von ihm war und eigentlich auch gut ohne ihn zu Recht kommen würde... zumindest nach außen hin. Doch gerade weil ich einen Partner an der Seite hatte, für den es sich lohnte meine Persönlichkeit nach außen zu tragen, konnte ich eben so sein, wie ich war. Ob er dies verstand oder glaubte – ich wusste es nicht... gesagt hatte ich ihm das wohl noch nie, aber für mich musste auch nicht alles ausgesprochen werden... was aber durchaus einer Aussprache bedurft hätte, war die Sache, wenn man aus dem Schlaf erwachte, nach einem mehr oder minderen Streit und sich definitiv noch am selben Ort wie am Vorabend befand, aber dieser leer war. Nun... nicht leer. Ich war da und mir schauten die Knopfaugen eines Volitlamm direkt ins Gesicht... aber mein Freund war nicht mehr da und seine Sachen konnte ich auch nirgends entdecken, als ich das Lamm von mir geschoben und an den Platz mit dem geplätteten Gras geblickt hatte.

Sorgfältig suchten meine Iriden den Boden weiterhin ab. Ob ich vielleicht den Rucksack oder seine entledigte Jacke irgendwo entdecken würde, doch ich war nicht mehr in seiner Gesellschaft, machte mir im ersten, verschlafenen Augenblick aber auch noch keine allzu großen Gedanken darüber. Vielleicht hatte er sich einfach nur die Beine vertreten oder er verschaffte etwas zu essen – womit ich eigentlich ja richtig lag. Nur kreisten meine Gedanken im Kopf, wie hungrige Grypheldis und flüsterten mir unterschwellig die wildesten Vermutungen ein. Die, dass er die Schnauze voll von mir hatte... eigentlich hatte ich wirklich geglaubt, dass ich es geschafft hatte die Wogen zu glätten, auch wenn der Abend sicherlich nicht perfekt gelaufen war... gab es vielleicht doch noch genug Grund die Flucht vor mir zu ergreifen? So unsicher kannte man mich sehr selten und wenn ich es war, dann ging es definitiv um ihn. Mir auf der Unterlippe rumgekaut, stellte ich fest, wie ich mich von Sekunde zu Sekunde mehr und tiefer in dieses Thema steigerte. Alles andere war im Moment vergessen... die Schmerzen die ich im Handgelenk hatte, der Bärenhunger und auch das Kreuz, welches durch die Nacht auf dem harten Boden ebenso schmerzte. Nichts konnte die fiesen Hirngespinste in meinem Kopf übertünchen... an nichts konnte ich mich klammern, außer die Sekunden zu zählen, in der Hoffnung, dass er jede Minute wieder hier auftauchen würde. Mit Essen. Oder einem neuen Pokémon. Oder irgendwie eben. Nur, dass ich ihn anschnauzen konnte und ihm die Schuld zuschieben könnte... Was fiel ihm auch ein... einfach abhauen und mich hier alleine sitzen lassen. Schmollend schob ich die Unterlippe nach vorne und knurrte in mich hinein, nicht wissend ob ich Wut oder Angst empfinden sollte. Am Ende war es natürlich die Angst, welche gewonnen hatte und die mich leitete... dafür würde er aber dennoch büßen. Wenn ich ihn nur in die Finger bekommen würde, würde ich ihm seinen Hals umdrehen... zumindest nahm ich mir dies ganz feste vor. Ob ich es letztendlich schaffen würde... oder ich wieder so labil reagierte... würde sich noch zeigen.

Meinen Hintern konnte ich jedenfalls nicht mehr ruhig halten, weswegen ich mich trotz der Gliederschmerzen erhob, meine Tasche packte und mich noch einmal umsah, als wäre es möglich, dass mir meine Augen einen Streich gespielt hatten. Doch die Leere in der Umgebung – abgesehen von der Herde aus Pokémon – hinterließ mit einem schmerzenden Hieb auf eine Leere in meinem Herzen. Auf einmal schien ich kooperative Gedanken zu haben, würde mich wohl sofort mit einem heiligen Geist auf ein Kompromiss einlassen, wenn er mir nur versprechen würde, dass ich nicht verlassen wurde. Doch es tauchte niemand vor meinem Gesicht auf. Weder Gespenster, noch irgendwelche hochseltenen Pokémon und schon gar nicht mein verschollener Freund. Das Atmen fiel mir durch die Verlustangst deutlich schwerer und überprüfte nur noch kurz ob ich auch nichts vergessen, beziehungsweise verloren hatte. Alles bei mir wissend, hastete ich los ohne mir wirklich ein Ziel zu setzen oder zu wissen wohin ich eigentlich wollte. Irgendein innerer Instinkt lockte mich glücklicherweise in die richtige Richtung – den Hof. Eigentlich war es dumm zu glauben, dass mein Lebenspartner ausgerechnet da war, wo er sich doch einen unverzeihlichen Fauxpas geleistet hatte – zumindest konnte ich mir denken, dass er selbst die Sache so dramatisch sah – und dennoch schien ich ausnahmsweise mal die richtige Entscheidung zu treffen. Denn als ich die Tür zu dem Hof Inneren betrat, war es der dunkelblaue Haarschopf von dem den ich gesucht hatte, welcher mir sofort ins Blickfeld sprang. Angst? Von wegen! Was er hier tat, warum er es hier tat und ob er wirklich vor mit geflüchtet war, spielte keine Rolle mehr für mich. Nur, dass er mir so einen Schrecken eingejagt hatte und sich nicht einmal verabschiedet hatte, waren Dinge, welche in meiner Seele brannten wie der Flammenwurf eines Gluraks. Zähneknirschend stampfte ich also zu ihm, riss ihn an der Schulter umher und funkelte ihn – mal wieder – fürchterlich böse an. „Was soll der Mist?!“, knurrte ich und nur einen Wimpernschlag später landete meine Faust in seinem Gesicht, auf seiner Wange... seine Entschuldigung – ob er sie schon gebracht hatte oder noch bringen wollte – war nun wohl hinfällig... Mir die eben zum Schlag benutzte Hand reibend, wendete ich mich ab und ließ ein verächtliches Schnauben aus meiner Kehle weichen. Zum ersten Mal konnte ich ihn wieder bei besserer Beleuchtung sehen und mir fiel auf, dass er schon ziemlich mitgenommen aussah... mir tat der Schlag nun fast Leid. „Komm schon... wir gehen.“ Er durfte keinen anderen Weg als ich gehen. Ich würde es nicht erlauben.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Mo Sep 09, 2013 5:23 am

Eine Beziehung bestand eigentlich aus einem Geben und Nehmen… Oder? Zwar hatte ich schon so etwas wie Dates gehabt, doch eine wirkliche Beziehung bisher noch nicht, weshalb das alles hier doch irgendwie Neuland für mich war, ganz gleich wie gefasst und ruhig ich mich gab. Was gab ich ihm und er mir? War ich bekam wusste ich, was ich einsteckte ebenso, doch konnte ich beim besten Willen nichts finden, was Aufschluss darüber geben würde, weshalb jemand wie er mit jemandem wie mir zusammen sein wollen würde. Liebe machte ja bekanntlich blind und so würden vermutlich viele sagen, dass ich genau das gerade war. Blind vor Gefühlen, die in mir rumorten wie ein wütender Schwarm Bibor. Ich hielt mich für nichts Besonderes, war jetzt auch nicht sonderlich gut aussehend und daher… was blieb mir anderes übrig, als mir extra viel Mühe zu geben? Nichts, hatte ich das Gefühl. Und so ging ich diesem Drang ihm alles Recht zu machen – so streng ich manchmal auch zu sein versuchte, weil eben irgendjemand in diesem Gespann erwachsen sein sollte – nach, immer und immer wieder, als wäre ich ein dressierter Hund. Auch wenn er vielleicht nicht wissen mochte, welche Knöpfe er drücken musste, um mich zum Funktionieren zu bewegen, war es in der Tat so, dass es gleich war wo… ich funktionierte einfach. Zumindest tat ich alles was in meiner Macht stand, um jenes zu tun. Dass Fehler eben passierten war irgendwie begreiflich, für mich jedoch unverzeihlich, weshalb es keine Neckereien von seiner Seite aus brauchen würde, um mir die erdrückende Last immer wieder vor Augen zu führen. Ich dachte selbst daran. Zu oft vielleicht, was in Verbindung mit dem mangelnden Selbstbewusstsein ihm gegenüber eine ziemlich toxische Mischung war. Eine, die mich von innen heraus auffraß, bis ich irgendwann in mich zusammenfallen würde, weil ich einfach nicht mehr konnte. Wie gut, dass solche Dinge nicht mehr wirklich eine Rolle spielten und von meinem Bewusstsein ganz, ganz weit weg verfrachtet wurden, je länger ich ihn an meiner Seite wusste, Tag um Tag. Wenn man dann auch noch mit einem Murmeln begrüßt wurde, welches mit sanfter Röte im Gesicht dem eigenen Namen galt… dann konnte man für den Moment wirklich vergessen, welche Unsicherheiten und Ängste einen plagten, von der Schuld mal ganz zu schweigen.  

Es war vielleicht falsch dem Funken in meinem Inneren nachzugeben, der aufgeblitzt war, bei dem Bild, welches er mir präsentiert hatte, doch trotzdem konnte ich nicht anders als meine Hoffnungen zu schüren. Irgendwann, immerhin hatte ich nicht vor ohne ihn zu sterben und hoffte auf viele lange Jahre, die ich an seiner Seite sein durfte, würde vielleicht auch er das Mehr wollen, was zu einer Beziehung dazugehörte. Dummheit ließ grüßen, doch die Zuversicht bestand jetzt erst einmal und beflügelte mich in meinem Treiben, denn auch wenn ich gern bereit war wie ein Mönch mit seltenen Ausnahmen an seiner Seite zu leben, konnte man sich ja trotzdem vorstellen, wie es wäre wenn… In diesen Sachen war ich wohl ein Träumer, auch wenn sonst meine Sicht eher die eines Realisten war. Bezüglich Masao war es für mich eben nicht einfach von dem schwärmerischen verliebten Idioten zu einem ernsten, gelassenen und sachlichen Einzelgänger zu wechseln. Ein Volldepp, genau das schien ich in seiner Nähe zu sein. Zumindest hatte ich es bisher geschafft ihn bei mir zu halten, warum auch immer. Dieser Frage wollte ich fürs erste einfach nicht mehr nachgehen, sondern einfach den Tag überstehen. Denn auch so würde dieses Unterfangen schwieriger werden, als wenn ich mir zusätzlich noch den Kopf über unsere Beziehung und vor allem meiner Funktion in dieser zerbrechen würde. Der Schlafmangel forderte seinen Tribut, sodass ich die durchzechte Nacht deutlich in ihren Auswirkungen spürte, weil meine Lider schwer waren und die Augen brannten, hin und wieder auch tränten und bei der Sonne, die man wieder über dem Hof stand, war es nicht nur schwer Dinge zu fixieren, sondern bereitete sogar auch Schmerzen. Davon abgesehen schien jeder Muskel meines Körpers steif zu sein – außer vielleicht die Körpermitte, die sich nach dem gestrigen Abend zum Glück nach Stunden endlich beruhigt hatte – sodass Herumlaufen ziemlich oft dazu führte, dass meine Knochen knackten, wie bei einem alten Mann. Und natürlich, zu allem Überfluss, war meine Hand nicht von Zauberhand über Nacht wieder heil geworden, pochte und schmerzte scheinbar mehr als zuvor und sah aus, als hätte ich einen Luftballon unter der Haut. Dass ich nicht sofort einen Arzt aufsuchte, um den vielleicht gebrochenen Finger behandeln zu lassen, lag daran, dass es mir nicht wichtig war. Ich kam ziemlich oft an zweiter Stelle und solange das für Masao war, konnte ich recht gut damit leben. Das zumindest glaubte ich tatsächlich, sah noch keine Situation in der ich mal nicht einstecken würde… Aber wer wusste schon, was die Zukunft brachte?

Während ich anfangs mit der Orientierung gekämpft hatte, auch weil ich in Gedanken fast immer bei Masao war und mich fragte, ob er schon aufgewacht war und seine Beeren aß oder ob er noch schlief, wie ich eigentlich annahm, da er irgendwie einem Flegmon glich, wenn es ums Schlafen ging – oder einem Mampfaxo – fand ich am Ende den Hof doch recht schnell und blieb davor stehen, um mir kurz etwas zu überlegen, damit man meine Entschuldigung annehmen würde. Lange musste ich jedoch nicht nachdenken, denn ich wollte nicht nur keine Zeit verlieren, ich glaubte bald umzukippen und außerdem schien ich ja ein Naturtalent im Heucheln – wie Masao es nennen würde – zu sein, es würde also sicher von allein kommen. Tat es am Ende auch, denn sobald ich das Gebäude betreten hatte, wurde ich auch schon mehr oder weniger in Empfang genommen, die Augen waren auf mich gerichtet und von dem Weib zum Glück keine Spur. Bevor die Besitzerin oder der Kerl, der mir meine Lippe aufgeschlagen hatte, etwas sagen konnten, verbeugte ich mich – mitten im Raum stehend – tief. Die Entschuldigung, die darauf folgte reichte aus, um nicht wieder hinaus geworfen zu werden und so konnte ich meinen Rucksack mit Milch, Brötchen, Käse, Obst und sogar Gemüse füllen, die ich allesamt natürlich bezahlte. Das Gespräch zwischen der Wirtin und mir verlief einsilbig, scheinbar war hier vom Ruf her nichts mehr zu retten, doch zumindest verwehrte sie mir die Bitte nach Nahrung nicht und das war wirklich das einzige, was mich interessierte. Vielleicht hätte ich mir mehr darüber Gedanken machen sollen, was mein Freund davon halten würde allein gelassen zu werden… Aber nun ja, wenn man sich ganz viel Mühe gab, tendierte man dazu etwas zu vernachlässigen. Für mich war es eben selbstverständlich, dass ich ihn versorgte, so wie er mir zuvor versichert hatte, dass es egal wäre wo wir waren, die Verbundenheit würde nicht abreißen.
Das Stapfen nahm ich nur gedämpft wahr, scheinbar wurden meine Sinne durch die Müdigkeit, das ‚Gespräch‘ und den Schmerz getrübt, sodass es ein leichter Schockmoment war herumgerissen und angeschrien zu werden. So wirklich realisieren tat ich nichts, selbst nachdem er seine Faust in meine Wange geschlagen hatte, stand ich nur da und blinzelte verwirrt, die blutunterlaufenen Augen zusammenkneifend und mir – zum Glück war ich gerade Aufbruch bereit und hatte den Rucksack geschultert – die geschlagene Seite reibend. Anstatt ihm zu folgen, war ich wie angewurzelt auf dem Fleck stehen geblieben, schluckte und versuchte den Schmerz – scheinbar schien mein Körper nur daraus zu bestehen und nun gab es zwei Quellen dafür, Kopf und Hand – wegzudenken. „Was machst du denn hier?“ Verwirrt klang ich schon, doch ächzte ich auch wegen seinem Schlag, als wäre ich ein gepeinigter Sklave. Irgendwie drehte sich vor meinen Augen alles, weshalb ich wankte, als ich dann doch endlich auf meinen Freund zuging und ihn am Handgelenk griff, um die Sache klar zu stellen. So einen bösen Blick konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, wenn ich überhaupt nicht wusste, was los war. „Und was sollte das?“ Noch immer rieb ich die Stelle, die er geschlagen hatte und konnte förmlich spüren, wie alle Anwesenden uns fixierten. „Haben dir die Beeren nicht geschmeckt, die ich dagelassen habe, oder wofür hab ich diesmal deine Faust in meinem Gesicht verdient?“ Ein wenig gereizt klang ich mittlerweile, war ich sogar auch, was sicherlich der schlaflosen Nacht zuzuschreiben war. Seufzend wankte ich an ihm vorbei und machte mich darauf das Gebäude zu verlassen, um frische Luft zu schnappen. Vielleicht würde es mir dann ja besser gehen? Unwahrscheinlich. „Wir gehen ja, aber wolltest du nicht noch irgendwelche Sachen aus dem Zimmer holen?“ Ohne ihn anzusehen öffnete ich die Pforte nach draußen, kniff die Augen zusammen und hielt mir die gesunde Hand vor diese, weil die Sonne mich blendete und ein unangenehmes Stechen hervorrief. Warum nervte es mich gerade so unglaublich, dass ich es ihm nie recht machen konnte? Was solls… trat ich eben brummend hinaus, würde ihn doch sowieso nicht jucken… „Da geht man mal Essen holen… hmpf.“
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Mo Sep 09, 2013 6:45 am

Ich war ein Mensch, geblendet von Wut. Die meiste Zeit meines Lebens, war es diese eine Emotion, welcher ich meine Aktionen in die Hand legte. Man konnte mein loderndes Temperament mit vielen Pokémon des Typ Feuers in Verbindung bringen, doch wenn man ganz genau hinsah, bemerkte man auch, dass ich weitaus gefährlicher sein konnte. Naturgewalten waren gegen mich meistens vorher zu sehen, ebenso wie man wusste, dass man mit wilden Pokémon behutsam umgehen musste... bei mir... da konnte man sich niemals so sicher sein. Der Ausbruch konnte wegen Kleinigkeiten kommen und da ich mich immer im Recht sah, war es auch wirklich schwer mich von meinen eigenen Fehler zu überzeugen. Weder würde ich darauf aufmerksam werden, wenn mich ein anderer Mensch mit der Nase darauf stoßen würde, noch fiel es sonderlich leicht selbst zu bekennen, wenn ich mir etwas Falsches erlaubt hatte. Manchmal knickte meine betonschwere Sturheit ein, doch in den meisten Fällen sah ich gar nicht ein, dass ich irgendwelche Schuld auf mich nahm... da meine Mutter mich verhätschelt hatte und mir eine strenge Hand der Erziehung fehlte, hatte ich es aber irgendwie auch niemals anders gelernt. In der Schule hatte dann Touma angefangen auf mich und mein freches Mundwerk aufzupassen und so hatte ich mich zu dem entwickelt, was ich jetzt war. Ein unnachgiebiger Kerl, der meistens die wohl einfachste Art wählte um Konflikte aus der Welt zu schaffen – nämlich mit Gewalt. Bekam ich dabei selbst ein paar auf die Fresse, war dies ein Preis, welchen ich durchaus gerne zahlte... Aber um den tieferschürfenden Konflikt zu benennen: Es war heute nicht anders. Anstatt, dass mein Freund mir den Ernst des Lebens mit ein wenig mehr Strenge beibrachte, durfte ich auch in seiner Gegenwart praktisch tun und lassen, was ich wollte... wenn man mich jedoch immer machen ließ wie ich es für richtig hielt, konnte ich meine Lektion nicht lernen. Kindisch wie ich war strampelte ich eben mit den Füßen, stampfte auf den Boden und wollte mit meinem dicken Schädel immer durch die Wand wie ein wildes Tauros. Diese stürmische Art musste man mir austreiben oder man akzeptierte sie, auch auf die Gefahr hin, dass es dann irgendwann zwischen ihm und mir ordentlich krachen würde.
Froh, dass ich ihn gefunden hatte, war ich ja schon. Doch in meinem Gesicht konnte man es nicht sehen. Ich deutete es nicht einmal an, als er mich am Handgelenk faste und ich wieder gezwungen war Augenkontakt mit ihm aufzunehmen. Grantig verzog ich meine Mundwinkel und schüttelte leicht den Kopf, als müsste ich ihm gerade in irgendeiner Sache widersprechen. „Beeren?“ Entweder hatten diese dummen Flauschknäule sie gegessen oder ich hatte sie in meiner blinden Verzweiflung nicht gesehen – eingestehen würde ich diese beiden Möglichkeiten aber nicht, weswegen ich das Thema auch einfach fallen ließ. Es hatte keinen Sinn jetzt über solch triviale Themen zu diskutieren. Außerdem hatte ich Hunger, wahrscheinlich würde mir so ziemlich alles schmecken, wenn es nur bedeuten würde, dass das Knurren meines Magens endlich stillen würde. Dass ich die Aufmerksamkeit unangenehm auf uns gezogen hatte, war mir ziemlich Gleichgültig. Sollten sie sich ihr Maul zerreißen oder irgendwelchen komischen Mist denken... ihre Meinung ging mir am Arsch vorbei, weil für mich nur eine Person zählte... was ich dieser Person gerade mal wieder ganz deutlich und auf die liebevollste Weise zeigte, wie ich es nur konnte... im Grunde also gar nicht. Warum er sich fragte, was ich an ihm mochte, würde ich nicht verstehen, wenn er es mir sagen würde... denn wenn man es genau betrachtete, war ich wohl derjenige in dieser Beziehung, welcher die meisten Sachen falsch machte... zumindest falsch, wenn man eine Beziehung hatte. Ich merkte ja nicht einmal, dass er wirklich schlechte Laune hatte – Beziehungsweise... ich wollte es nicht merken, weil es mir ein schlechtes Gefühl verschaffen würde und ich absolut keinen Bock auf Depressionen oder was-auch-immer hatte. Wenn möglich, dann wollte ich mein Leben so locker und fröhlich wie möglich gestalten, da durfte ich so etwas nicht an mich treten lassen... was natürlich schwer war und ich hoffte sehr, dass ich mich gleich damit ablenken könnte, dass ich den Kram zusammen suchte, an den er mich vor seinem Abgang erinnert hatte. Eine Weile starrte ich ihn aber einfach nur den Rücken an, seufzte über seinen Zustand und dann vielleicht auch ein klein wenig darüber, dass ich wie immer reagiert hatte... ich würde wohl niemals dazu lernen, weil es mir niemand so wirklich beibrachte und das schlechte Gewissen würde sehr bald wieder verfliegen... spätestens dann, wenn ich ihn wieder weichgekocht hätte, was sicherlich nicht allzu lange dauern würde.

Mir durch das strubbelige Haar gefahren, ignorierte ich die Blicke welche auf mir lasteten und zischte den Kerl an, der mich an der Schulter packen und nach Draußen geleiten wollte. War nicht so als wollte ich hier nun noch eine Party feiern, ich wollte nur meinen Krempel holen und dann würde ich mich hier auch ganz schnell wieder zu meinem Freund verkrümeln. Was wir dann genau tun würden und wie es weiter gehen sollte, war mir eigentlich noch gar nicht klar, aber im Endeffekt wollten wir natürlich weiter reisen... ob es in seinem derzeitigen Zustand eine so gute Idee war, würde ich dann noch beurteilen, glaubte aber, dass sich unser erster Arenakampf doch noch eine Weile hinauszögern würde. Das frustrierte mich, auch wenn die Reise mit dem Dunkelhaarigen eigentlich im Vordergrund stand... lange genug hatte ich mich als nutzlosen Teil der Gesellschaft gesehen und mich auf das Abstellgleis geschoben, es war nicht mein Plan weiterhin ein kleiner, Ärger machender Versager zu bleiben, der nur große Reden schwang, aber eigentlich keinen Plan vom Leben hatte. Ja, aber jetzt ging es um andere Dinge und die war in erster Linie Toumas Gesundheit. Dass ich hier gerade einen rücksichtsvollen Gedanken hatte sah ich nicht ein, machte mir auch keinen wirklichen Kopf darum, als ich die Treppen nach oben stampfte und das Zimmer ansteuerte, welches ich am letzten Tag zurückgelassen hatte. Es war ein Wunder, dass ich gedankenverloren wie ich war, wirklich an alles dachte und ich am Ende nichts herrenlos in den vier Wänden zurückließ. Dabei überprüfte ich nicht einmal wirklich, sondern war schnell durch den Raum gehuscht – achtlos, wie ich es eben von Natur aus war. Der Sinn stand mir jetzt aber auch nicht nach Suchaktionen, ich brummte auch rum und es war alles die Schuld von Oniichan... Warum hatte ich mir eigentlich Sorgen gemacht? Das war doch vollkommen lächerlich gewesen, weil er alt genug war um auf sich selbst aufzupassen und wenn er Lust hatte, dann würde er mich auch einfach verlassen können. Verbieten konnte ich es ihm irgendwie schlecht... auch wenn es mir nicht gefiel, dass ich so wenig Macht darüber hatte. Dieses Mal war daran aber nichts zu ändern, ich wollte es aber ebenso nicht mehr zum Thema machen – weder ihm gegenüber noch in meiner eigenen Gedanken- oder Traumwelt.
Als ich wieder nach unten trat und die Tür öffnete, blinzelte auch ich der Sonne entgegen... ich hatte weitaus mehr geschlafen als ein gewisser Jemand und trotzdem musste ich irgendwie gähnen und empfand das grelle Licht als unangenehm. Ich war eben ein wahres Bummelz und die Nacht war auch einfach nicht die Beste in meinem Leben gewesen. Knurrend und ihm bloß nicht ins Gesicht schauend, näherte ich mich ihm und legte meine Hand auf seinen Rücken. Kumpelhaft klopfte ich ein wenig unbeholfen dagegen und murmelte dann. „Du sahst auch mal besser aus...“ Scherzhaft war es über meine Lippen gekommen, da ich aber nicht so der Meister der Worte oder meiner Stimmlage war, klang es vielleicht einfach ein bisschen gehässig. Dabei fand ich ihn eigentlich immer schön... nur gerade sah er eben fertig aus und dagegen mussten wir etwas unternehmen. Vorsichtig schob ich ihn am Rücken in die Nähe des Baches an einen großen Stein, auf den er sich setzen durfte, wenn er wollte. Mich gekniet kramte ich ein Halstuch aus meinem Gepäck und kroch zu dem reißenden Wasser. Summend tauchte ich den Stoff in das kühle Nass und wrang ihn dann sorgfältig aus, bevor ich mich aufrichtete und das nun feuchte, kühle Tuch an den Anderen weiter reichte. „Da... für deine Hand oder so...“, murrte ich und kratzte mich mit den tropfenden Fingern am Hinterkopf, bevor ich es ihm einfach aufzwang. Fürsorge... nicht gerade meine Stärke, aber immerhin gab ich mir Mühe – nur weil ich schnell weiter ziehen wollte, wie sich verstand! Mich wieder von ihm abgewandt, ging ich erneut in die Knie und tauchte meine eigene Hand in den Fluss um auch mein schmerzendes Gelenk zu kühlen. Schnaubend pustete ich mir rotbraune Strähnen aus der Stirn und hielt mir mit dem freien Arm den knurrenden – und mittlerweile vor Hunger schmerzenden – Magen. Ich würde mir diese Blöße aber nicht geben...
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Mo Sep 16, 2013 11:14 am

Dass ich zu schwach war, wusste ich selbst. Es war nicht schwer das zu übersehen und manchmal – so wie heute, in diesem Augenblick – ging es mir auf den Sack. Also ich mir selbst. Denn schlussendlich, ganz gleich was Masao auch tat, er könnte wohl niemals wirkliche Wut in mir hervorholen. Nicht in Bezug auf ihn. Vielleicht war ich aber auch zu fantasielos, was diese Sache anbelangte und kannte noch nicht die Ausmaße, in denen er vermochte mich zu reizen. Denn ganz gleich wie viel ich von ihm wusste und wie gut ich ihn kannte, einen Menschen konnte man nie ganz kennen. Da würden immer unberechenbare Dinge sein und Geheimnisse, die ein jeder in sich trug. Mich eingeschlossen. Vielleicht war es ja doch möglich mich dermaßen wütend zu machen, dass ich die Hand gegen ihn erhob, auch wenn ich es mir jetzt nicht vorstellen konnte. Unter keinen Umständen. Nur weil ich auch nur ein Mensch war und bei mangelndem Schlaf gereizt reagierte, konnte ich mir nicht gleich ausmalen, wie meine Faust in dem Gesicht landete, welches ich am liebsten jeden Tag immer wieder mit Küssen bedecken würde. Meine Verwirrung über sein Erscheinen spielte hier aber auch eine Rolle, nicht nur den Schlag, den ich deutlich in meinem Gesicht spürte, obwohl ich mir keiner Schuld bewusst war. Normalerweise war mir schnell klar – oder schon von vorne rein – was mein vermeintliches Verbrechen war und weshalb ich seine Wutausbrüche verdiente – auch wenn mir wohl ein jeder geistig gesunde Mensch sagen würde, dass ich sie niemals verdient hätte, nicht wirklich zumindest – doch nun hatte ich keinen blassen Schimmer. Und auch das kotzte mich an. Denn ich hatte nicht nur wenig geschlafen, um jetzt den lieben Masochisten raushängen lassen zu können, ich hatte gerade auch genug Schmerz, welcher durch meinen Körper pochte. Manchmal wollte selbst ich einfach nur gewürdigt werden.
Egal was gerade auch aus meinem Mund kam, am Ende war klar, dass er nur in meiner Nähe sein musste, um mich zu besänftigen. Ohne etwas dafür zu tun wohlgemerkt. Auch so ein Fehler, den ich immer wieder zu ließ und so gesehen also selbst die Schuld daran trug, wenn er mich ausnutzte. Ich sah es nicht so, wusste was er mir gab und wie sehr ich ihn brauchte – doch im Moment regierte Unmut über die ganze Situation in mir, ließ mich handeln als wäre ich krank und nicht ganz bei Sinnen. Dabei wäre es sicher nicht verkehrt, wenn ich mir des Öfteren seine Launen nicht gefallen lassen würden, ihn erziehend wie einen Hund aus dem Tierheim, welcher weder Respekt noch sonst irgendetwas gelernt hatte und verwahrlost schien. Doch leider war diese Sache etwas, was Durchhaltevermögen abverlangte. So etwas besaß ich nicht, nicht ihm gegenüber. Was ich schnell merkte, sobald ich draußen vor dem Gebäude mit versrenkten Armen stehen blieb und auf meinen Freund wartete. Allein schon dass ich das tat zeigte nämlich, dass ich nicht sauer genug war, um etwas an unserer Beziehung zu ändern. Oder eher an seinem Umgang mit mir, ließ ich ihn doch machen was er wollte. Viel zu oft. Sein Spitzname war fast schon überflüssig… da sollte er mich doch glatt ‚Dorei‘ oder dergleichen nennen.

Des Öfteren hatte ich gegähnt und während des Wartens nicht nur gehofft, dass sich der Rothaarige beeilen würde, sondern auch meine Hand angestarrt. Das Arme vor der Brust verschränken funktionierte nämlich wegen dem Druck auf die geschwollene Stelle nicht so lange, wie ich gehofft hatte. Vielleicht hätte ich nämlich eine gewisse, eingeschnappte Pose beibehalten können, wenn es nur nicht so verdammt wehgetan hätte. So jedoch offenbarte meine Körpersprache die Müdigkeit in meinen Gliedern und nicht etwa, dass ich sauer war, weil er mich schon wieder behandelte, als wäre ich ein Boxsack. Selbst wenn es an den meisten Tagen reichte, um mich glücklich zu machen, war es im Moment nicht gerade förderlich für meine Laune, wenn man mir ohne Grund eine zentrierte. Nichts Neues eigentlich, aber gerade… einfach unpassend. Ganz gleich was ich am Tag zuvor verbrochen hatte, glaubte ich eigentlich, dass wir das vergessen wollten. Denn selbst wenn ich mir wie immer die Schuld an allem gab, musste er es mir nicht noch ins Gesicht schlagen… Und hatte er nicht selbst gesagt, ich sollte nicht immer alles auf mich laden? Die Worte wirkten wie Schall und Rauch. Und in dem Moment meiner unausgeschlafenen Gereiztheit – ich gähnte immer wieder, fast schon im Minutentakt – machte mich die Sache sogar ein wenig traurig, auch wenn ich es mir nicht anmerken lassen wollte. Ganz gleich nämlich wie viel ich einstecken musste und wie grob er mit mir umging, es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass ich nicht schwach war. Im Vergleich vielleicht sogar stärker, auch wenn er es das nicht wahr haben wollen würde. Ich hatte nicht vor in dieser Beziehung ein Looser zu sein und war – auch wenn man das vielleicht zu selten merkte – weder körperlich, noch geistig ein Schwächling. Ganz gleich wie viel er sich bei mir leisten konnte… Dass das Ganze nicht wirklich überzeugend war, wusste ich selbst, aber ich redete mir gern ein, dass ich Recht hatte.
Nur weil ihn nichts zu kümmern schien, musste ich eben nicht auch ständig ein wutentbranntes Glumanda sein, welches ohne Plan und ohne Gewissen durchs Leben zu stolpern schien. Alles nicht böse gemeint, denn ich schätzte sowohl seine spontane, als auch die unnachgiebige Ader und wollte mich im Taumel meiner Gefühle jetzt nicht dazu hinreißen lassen irgendwie schlecht über ihn zu denken. Das war selbst dann unmöglich, wenn er es sich mit mir verscherzte. Ich merkte es schon, sobald seine Hand – wessen auch sonst, jemand anderen hatte ich irgendwie nicht erwartet… oder erhofft – auf meinen Rücken klopfte und ich zu ihm blickte, weil ich zuvor mit dem Rücken hinzugewandt war. „Ich weiß.“, murmelte ich und hörte selbst, wie in meiner Stimme nichts mehr von gerade eben zu finden war. Müdigkeit nur, aber keine aufgekratzte Wut, die zusammen genommen ohnehin nichts wert war. Was sollte ich auch erwidern, wenn es stimmte. Dazu brauchte ich mich nicht einmal im Spiegel anschauen, ich fühlte mich hässlich. Wirklich hässlich, nicht so wie sonst normal und fast schon unscheinbar. Gerade waren meine Augenringe einfach ziemlich deutlich spürbar, als würde es unter meinen Seelenspiegeln brennen, so wie sie es taten. War mir immer noch ein Rätsel, was er an mir fand…

Ohne etwas zu sagen oder mich zu wehren – fühlte mich für beides gerade irgendwie zu schwach und regelrecht ausgelaugt – ließ ich mich zu dem Bach schieben und nahm auf dem Stein Platz, der da praktisch wie bestellt stand. Nur hatte ich nicht erwartet mit Fürsorge konfrontiert zu werden, im Gegenteil. Momentan fand ich es sogar wahrscheinlicher, dass Mews vom Himmel regnen würden oder er mir noch ein Paar langen würde, weil ich ihn hatte stehen lassen und das nicht mit sonderlich freundlichen Worten. Stattdessen hatte ich, unbeholfen dreinblickend und ihn verwirrt anblinzelnd, sein kühles, nasses Halstuch in den Händen. Meine Augen verengten sich, die Augenbrauen wurden zusammengeschoben und den Kopf leicht schräg gelegt starrte ich von dem Tuch zu Masao und dann zurück. Das ganze einige Male, ehe ich den nassen Stoff vorsichtig um meine geschwollene Hand, vor allem aber den Finger, wickelte. Dass ich ihn dabei fixierte, wie ein Auto und sogar ein wenig entgeistert ausschaute, als würde ich einen Geist sehen, bemerkte ich nicht einmal. „Danke…“ Irgendwie haperte es gerade mit der Kommunikation… Als ich jedoch meinen Magen leicht knurren hörte und spürte, rieb ich mir das Kinn mit der gesunden Hand, seinen Rücken anstarrend, vor allem weil ich nicht verstand, was er da tat. Das Denken fiel meinen müden Gehirnzellen ziemlich schwer, Zusammenhänge erkennen und Vermutungen aufstellen schien ein unmögliches Unterfangen. Also beschloss ich erst einmal wenigstens den Energievorrat von uns beiden aufzufüllen, ehe ich irgendwelche Sätze formen würde, um mich nach seinem Befinden zu erkundigen. Was nämlich mit seinem Handgelenk passiert war wusste ich noch immer nicht. Vermutlich hätte ich das Weib von gestern dafür verprügelt, ohne aufzuhören, wenn ich es gewusst hätte. „Ich hab Essen für uns abgestaubt.“, merkte ich leise an und kramte in dem Rucksack, welchen ich mir auf den Schoß gezogen hatte. Die verletzte Hand versuchte ich ruhig zu halten, damit seine Mühe – die ich schätze und die erreichte, dass ich innerlich wieder mal für ihn schwärmte, wie ein kleines, verliebtes Schulmädchen – nicht vergebens war. Nach einer Weile – war schon schwer alles mit nur einer Hand zu bewerkstelligen – hatte ich Brötchen, Riegel, Belag und Trinken herausgeholt und neben mir ausgebreitet. Mit einem freundlichen Lächeln, auch wenn ziemlich erschöpft, besah ich mich der Sachen und dann meinen Freund. „Greif zu.“ Ich würde erst essen, wenn er genug hatte… weil ich nun mal so war und mir vorstellen konnte, dass er einen Ursaringhunger hatte. Vergessen war nun auch der Ärger darüber, dass er meine aufwendige Beeren-Suchaktion nicht gewürdigt oder gar gesehen hatte.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Sep 17, 2013 2:03 am

Würde mich ein Mensch fragen, warum ich mit Touma zusammen war, dann hatte ich ein ganzes Lexikon voll mit Dingen, die ich nennen konnte, weil sie mir wichtig an einem Partner – oder besser gesagt ihm – waren. Auch wenn ich niemals offensichtlich auf der Suche nach einer Beziehung gewesen war, wusste ich, dass niemand anders in Frage kam. Jemanden den ich lieben konnte, musste ich schon mal eine ganze Weile kennen und dies traf auf den Brillenträger doch zu... aber natürlich war dies nicht das Einzige, denn ich hatte auch andere Freunde gehabt und es hatte einen Grund gehabt, warum es mit ihnen niemals so eng geworden ist – mal abgesehen davon, dass ich in der Schule sowieso von den Meisten verraten worden bin. Der Grund hierfür war einfach, dass ich mich unheimlich wohl an seiner Seite fühlte. Geborgenheit hatte ich niemals so wirklich bekommen, wofür ich meiner Mutter keinen Vorwurf machte, weil ich der Haudegen gewesen war und ihre Annäherungen abgelehnt hatte – egal ob wir uns gut verstanden oder nicht, kam es mir peinlich vor einen engen Draht zu dieser Frau aufzubauen. Jedenfalls war es in der Nähe von ihm schon immer so gewesen... ich konnte von Herzen lachen, wenn ich in seiner Nähe war... fühlte mich sicher, weil er eben immer auf mich Acht gab, als wäre ich ein frisch geschlüpftes Pichu, auf welches man aufpassen musste... und außerdem vertraute ich ihm, weil er sich über die Zeit die wir kannten, immer bewiesen hatte. Er war stärker als ich, auch wenn ich selbst immer so super selbstbewusst tat – zumindest in meinen Augen. Während ich kaum fähig war in meinen Anfällen der Rage klar zu denken, behielt er doch zu meist einen kühlen Kopf. Während mir Rationalität ein Fremdwort schien, schien er es erfunden zu haben. Nicht immer war er super erwachsen, ließ seinen Vorteil in Intelligenz und Manieren – ja, ich war dumm und ungehobelt – heraushängen und gab mir niemals das Gefühl, dass ich minderwertiger war als er. Stattdessen alberte er mit mir rum, akzeptierte meine fast unendliche Vielzahl an Fehlern immer mit seiner Sanftheit und stand mir zur Seite, selbst wenn ich auf der Falschen zu stehen schien. Kurz gesagt: Er machte mich glücklich.
Jetzt kamen wir zu den Schattenseiten... denn obwohl ich – zumindest nach außen hin – ein Ego hatte, so groß wie ein ausgewachsenes Dragoran, würde ich die Frage, was er an mir mochte, ganz klar mit einem ‚Nichts.‘ beantworten. Dabei gab es sicherlich Dinge die er an mir mochte und ich wollte ihn auch nicht als einen Lügner darstellen... es war nur eine Frage der Zeit bis er unter dem Berg meines grenzenlosen Egoismus, Zorns und der kindischen Sturheit gar nicht mehr wissen würde, was er an mir gut finden sollte. Was brachte es ihm, dass ich einen starken Gerechtigkeitssinn hatte, wenn er ihm gegenüber hinfällig wurde, weil ich mein Temperament nicht zügeln konnte? Viele der Schläge die ich ihm verpasste, waren überstürzt und nicht gerechtfertigt. Zudem konnte ich ihm nicht einmal zeigen, was er mir bedeutete, weil ich nicht mit diesem ganzen Schmusekram zu Recht kam. Warum war er eigentlich bei mir, wenn jeder ihm offensichtlich sagen konnte, dass hier gewaltig etwas falsch lief? Selbst ich... doch ich würde ihn nicht mit der Nase darauf stoßen, weil ich dafür wieder einmal zu egoistisch war. Ich brauchte ihn – ob ich dies offensichtlich zugab und zeigte oder nicht. Mich bessern? Eigentlich wäre dies die beste Möglichkeit, doch ich war nicht dazu in der Lage mich zu bessern... manchmal versuchte ich es... so wie am gestrigen Morgen, als ich mich hatte breit schlagen lassen ihn gebührend zu wecken – doch solche Fälle waren sehr selten und ich war mir nicht sicher, wie lange er sich damit zufrieden geben würde. Man sah es mir vielleicht nicht an, weil ich eben meistens stur wie ein bockiges Pokémon wirkte, welches partout nicht in den Pokéball wollte, aber auch ich machte mir Gedanken um unsere gemeinsame Zukunft und ziemlich oft zweifelte ich daran, dass es eine geben würde. Sicherlich nicht, weil er ein schlechter Freund war, sondern ich war so schlecht. Vielleicht waren meine Gedanken aber auch nur so trüb, weil ich einen leeren Magen hatte und mir das Kreuz von der Nacht auf dem unbequemen Untergrund schmerzte. Oder aber einfach, weil ich menschlich war und auch Gefühle hatte und diese sich natürlich ziemlich oft um das drehten, was mein Leben ausmachte. In meinem Fall Pokémon und natürlich auch mein Freund.

Ich war froh darum, dass er sich so willig gefügt hatte, auch wenn er nicht nur gesundheitlich schon besser ausgesehen hatte. Auch seine Laune zeichnete sich deutlich ab und auch wenn eigentlich ein Gefühl der Reue in mir auftreten sollte, änderte sich an meiner Verhaltens- aber auch Denkweise nicht sehr viel, musste ich offen eingestehen. Ich hatte zudem ja mein übriges getan und ihm ärztlichen Beistand geleistet, so gut es mir in meinen begrenzten Möglichkeiten eben gelang. Sicherlich würde er sich mehr freuen, wenn ich einen Kuss auf das Wehwehchen gab – so wie es Mütter manchmal bei Kindern taten – aber darauf würde er sehr lange warten können. So sehr ich mich auch manchmal, in seltenen Fällen, am Riemen reißen konnte, war es dieses Mal nicht meine Absicht so zu tun, als wäre ich verschmust und mir würde etwas an körperliche Nähe liegen. Außerdem hatte ich sowieso zu großen Hunger und ich linste immer wieder zu meinem Freund, als dieser anfing irgendetwas vorzubereiten. Am liebsten wäre ich sofort wie ein hungriges Mampfaxo auf das Essen gestürzt, doch wie gehabt... ich war ein wahrer Sturkopf und wollte mir die Blöße nicht geben, dass ich mich hier zum Affen machte, weil er mitgedacht hatte und ich irgendwie nicht. War ja nicht mal auf die Idee gekommen im Gasthof irgendwelche Anstalten zu machen, damit wir an Nahrung kamen. Schmollend blickte ich lieber wieder auf das Wasser und machte mir dumme Gedanken, die ich eigentlich nicht haben sollte, weil es nicht zu mir passte... aber ehrlich gesagt hatte der Streit am gestrigen Abend, aber auch alles was darauf gefolgt war, auch eine gewisse Wirkung auf mich – die ich vielleicht nicht zugeben wollte, aber sie war da. Glücklicherweise war mein Gesicht noch immer steif und streng und ließ kein Anzeichen darauf, dass ich irgendwie traurig, nachdenklich oder irgendetwas anderes war, was nicht so zu meinem Typ passte. Trotzdem war es mein Magen der stur brummte und den Anschein machte, als wäre hier irgendwo ein schreiendes Krakeeleon in der Umgebung – was mir schon leicht unangenehm war, einfach weil es eine Schwäche war, die ich nicht verbergen konnte, egal was ich auch tun würde.
Daher konnte ich mich auch nicht zurückhalten, als er mir den Startschuss gab. Erst einmal ließ ich Lady und Lupo aus ihren Pokébällen und teilte für sie einen Riegel, den sie gierig fraßen und dann griff ich mir selbst ein Brötchen um mir Butter und Beerenmarmelade aufzustreichen. Grinsend stopfte ich mir beinahe das Ganze in den Mund, ohne wirklich zu kauen, sofern es nicht nötig war und hatte es in großen Klumpen hinunter geschluckt – mein Magen war noch nicht wirklich zufrieden gestellt. Dass ich gerade stopfte wie ein Kleinkind war mir egal, ich hatte Essen und es machte mich unglaublich froh. Wenn ich danach noch ein Schläfchen machen könnte, wäre es perfekt. Da ich aber ebenso um die Bescheidenheit und Zurückhaltung von Touma wusste, nahm ich als nächstes in Angriff auch ihm etwas zu Essen zu machen. Das Käsebrötchen, welches ich ihm praktisch in den Mund drückte, sah nicht gerade liebevoll aus, aber es sollte seinen Zweck zumindest erfüllen. „Iss.“, befahl ich, während ich den nächsten Riegel teilte, auch wenn Lady und Lupo damit beschäftigt waren im Fluss selbst umher zu tollen. Das zweite Brot – wieder mit der Beerenmarmelade – schlang ich ebenso hinunter, wie das Erste und um nicht zu ersticken, musste ich auch einen Schluck trinken. Viel Zeit zum Reden blieb mir nicht, so gierig wie ich war und nach der vierten Portion sah ich... aus wie fünf. Höchstens. Mir klebte die Marmelade am Mund und an den Fingern, teilweise sogar auf dem Unterarm, den ich ohne Scham ableckte und dann den Größeren ansah... „D... danke...“, murmelte ich und ließ mich dann vor dem Fluss sinken, ihm wieder den Rücken zu gedreht. Nachdenklich beobachtete ich meine zwei Pokémon, wie sie sich von oben bis unten mit Wasser vollgesogen hatten... bei dem Evoli sah es wirklich zum Schreien komisch aus, doch mir war nicht nach Schmunzeln zu Mute. Vielleicht merkte man doch ein wenig, dass ich nicht ganz so Energiegeladen war, was ich unbedingt verhindern wollte. So richtete ich mich auf, zog Schuhe und Socken uns und stiefelte dann selbst in den Fluss um mit meinen zwei Schützlingen zu spielen. Lachend rannte ich ihnen hinterher, spritzte sie mit Wasser voll und am Ende war ich es, der von Beiden überwältigt worden war und im Wasser lag... von oben bis unten nass... Wie war das noch? Nickerchen? Bestimmt.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Sep 24, 2013 10:46 am

Dank meines Schlafmangels wirkte es so, als hätte ich zu schlechte Laune, um mich an meinem Partner zu erfreuen und etwas zu finden, was ich an ihm liebte. Doch das stimmte nicht, ganz gleich ob in meinem Kopf dann und wann bittere Gedanken auftauchen würden, oder nicht. Es gab trotz dem, dass ich ständig einstecken musste und nicht gerade behandelt wurde, als wäre ich wichtig geschweige denn wertvoll genügend Dinge, die ich an ihm liebte und unwiderstehlich fand. Sein Wille das durchzuziehen, was er sich in den Kopf gesetzt hatte, der Ehrgeiz, den er dabei aufbringen konnte und die zumeist kindliche Begeisterung bezüglich gewisser Dinge, obwohl er versuchte es runter zu spielen und lässig zu tun. Es waren seine flammenfarbenen Augen, die meist vor Energie so strotzten oder aber vor Müdigkeit ganz glasig wurden, sodass ihr Glänzen noch stärker schien. Ich bewunderte sein Durchhaltevermögen und die Sicherheit, die er immerzu ausstrahlte – die mich zwar auch zu verunsichern wusste, weil ich mich fragte, in wie fern gerade er mich dann noch brauchen konnte – vor allem nach allem, was er durchgemacht haben musste. Auch die Art wie er jedem seine Meinung an den Kopf knallte, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen fand ich fantastisch und manchmal beneidete ich ihn sogar darum. Gerne hätte ich solch eine Kraft und Ausstrahlung, fand mich aber ziemlich eintönig und langweilig, ganz zu schweigen davon, dass ich mich nicht so oft durchsetzen konnte, wie er es tat. Nicht in dieser Beziehung zumindest. Aber es war auch schwer für mich ‚Nein‘ zu sagen, im Allgemeinen und nicht nur ihm gegenüber, weil ich nicht auffallen wollte und somit alles allen recht zu machen versuchte. Ihm natürlich als aller ersten… was mir viel zu oft einfach nicht gelang. Da gäbe es noch etliche Dinge, die ich aufzählen könnte, um meine Zuneigung zu ihm in Worte zu fassen, beziehungsweise zu beschreiben, was alles an ihm in meinen Augen perfekt war. Sicherlich, da waren auch Fehler, doch die Zeit, welche wir zusammen verbracht hatten und welche wie eine Ewigkeit schien, hatte gezeigt, dass kein Fehler der Welt es schaffen konnte ihn mir abspenstig zu machen.
Für mich stand fest, dass ich einen Verbündeten gefunden hatte, mit dem ich in diesem Leben sowohl durch dich, als auch durch dünn gehen konnte, ohne dabei Angst haben zu müssen. Mein Vertrauen auf ihn bezogen war schon ziemlich groß… unendlich groß. Wenn ich versuchte mich ihm zu nähern und auch oft den Drang hatte ihn zu markieren, damit kein anderer sich in seine Nähe wagte, dann war diese starke Eifersucht nicht da, weil ich an seinen Gefühlen zweifelte oder seiner Loyalität. Das Misstrauen galt allen anderen auf dieser Welt, die ihn mir mit Leichtigkeit entreißen konnten. Auf verschiedenste Art und Weisen, doch die schlimmste wäre wohl, dass er Gefühle für andere bekam, ganz gleich welcher Art. Natürlich würde es mich am meisten treffen, wenn er jemand anderen lieben würde, mehr als mich… endlich erkennend, dass mein Wesen ihm gegen den Strich ging. Endlich merkend, dass mein fürsorgliches Verhalten, der Drang ihn zu küssen und die einhergehende Unfähigkeit mich dahingehend immer zu kontrollieren, zu viel für ihn war und er genug von meiner langweiligen, unscheinbaren Art hatte, vor allem weil ich immer an ihm klebte. Es war für mich sehr wahrscheinlich, dass ich ihn vergraulte, je öfter ich versuchte nach ihm zu greifen, doch trotz dieser unbeschreiblich großen Angst den Rotschopf zu verlieren, konnte ich nichts dagegen tun, als mir einen Kuss oder die Berührung unserer Hände zu ersehnen, denn für mich war so etwas nun mal wichtig und es würde das Märchen, welches ich mit meinem Liebsten zu leben schien, einfach perfekt machen. Obwohl ich wusste, dass er es hasste… Mir machte es nichts aus, doch wie lange würde er meine penetrante Art noch ertragen? Ich glaubte, trotz allen Strapazen und Schmerzen, die seine Schläge mit sich brachten, es noch ewig mit ihm aushalten zu können. Für immer eben, bis das der Tod uns scheidet. Doch bei dem, was ich zu bieten hatte – also nichts – würde er es doch nicht auch so sehen können? Vielleicht war es schwarzmalerisch, doch meine Frucht fand ich selbst berechtigt, brauchte doch nur jemand daherkommen, der ihn wachrüttelte und ihm mehr gefiel, als ich es tat… und schon hätte ich verloren. Solange ich hin und wieder bekam, was mir ein wenig Bestätigung gab – einen Kuss oder eine Umarmung nämlich, die ich als besonders erachtete und von denen ich glaubte, dass nur ich so etwas von ihm bekommen würde – konnte ich diese Panik ein wenig dämpfen. Glücklich machte er mich nämlich immer… Nur wie sah es anders herum aus? So wie er war, konnte ich es manchmal nicht fassen, dass er mit  mir zusammen war. Doch wenn er dann solche Dinge sagte, wie noch am Abend zuvor… dann sehnte ich mich nicht nur nach mehr, sondern hatte das Gefühl wirklich genug für ihn zu sein. Vielleicht war das der Grund, warum ich so verzweifelt versuchte so viel Nähe abzustauben, wie mir nur möglich war.

Man merkte ja, wie schnell er mich wieder für sich gewinnen konnte, sodass es deutlich wurde, dass keine negative Laune der Welt ihm gegenüber lange bestehen konnte. Allein schon, dass er sich um mich kümmerte ließ mein Herz höher schlagen. Dass er nicht gleich mit einem freudigen Strahlen zu mir gehüpft kommen würde war vorher zu sehen, doch sein knurrender Magen verriet ihn, ganz gleich wie steif seine Gesichtszüge auch sein mochten. Meine waren dafür umso weicher geworden, müde aber auch. Aufmerksam beobachtete ich ihn dabei, wie er seine Pokémon aus den Bällen holte, blieb aber stumm und zurückhaltend, so wie ich es vorgehabt hatte. So war es immer und ich konnte an meinem gluckenhaften Verhalten nicht viel ändern, denn er ging immer vor und dann kam vielleicht mein eigenes Wohl. Hier offenbarte sich noch eine Eigenschaft, die ich an ihm liebte. Er sorgte sich auch um seine Pokémon, dachte nicht nur an sich und war dem zu Folge nicht so egoistisch, wie es anfänglich vielleicht den Anschein machte. Ich dagegen hatte meine fast schon vergessen, würde aber auch bei ihnen warten, bis Masao und sein Team gesättigt waren, wenn nichts übrig blieb… tja dann Pech. Manchmal war meine Selbstaufgabe ziemlich fraglich, vor allem wenn meine Pokémon darunter litten, aber hier sah man nun mal auch, wie wichtig mir dieser Mensch war – und seine Bedürfnisse natürlich auch. Wichtiger, als es irgendwelche Tierchen oder gar meine Eltern je sein könnten.
Ein Kichern konnte ich mir bei aller Liebe nicht verkneifen, leise schmunzelte ich und kämmte meine Haare mit der gesunden Hand nach hinten. Der Anblick eines Masao, welcher über das Essen herfiel, war einfach zu köstlich… und zu süß. Das waren so Momente in denen es mir noch mehr in den Fingern juckte ihm auf die Pelle zu rücken auf wenn ich mich dieses Mal beherrschte und körperlich vielleicht auch zu schwach war, um einen Sturm an Fäusten zu überstehen. Gähnend hatte ich alles beobachtet, bis mir plötzlich ein gewisser jemand ein Brötchen in den Mund stopfte. Damit hatte ich nicht so wirklich gerechnet, starrte Masao mit geweiteten Augen an und verschluckte mich an einigen Krümeln, das Essen noch im Mund halb keuchend, halb hustend halb erstickend. Ob mich das aufregte? Im Gegenteil. So brutal diese Maßnahme auch gewesen war, zeigte sie doch nur Fürsorge, die er eben genau so demonstrierte. Ich wäre dumm mich deswegen zu ärgern, weil das auch etwas war, was ich an ihm liebte. Nach einer halben Ewigkeit hatte ich aufgehört zu würgen und es geschafft das Brot zu vertilgen, schwach und abgekämpft lächelnd. Mir war das Danke wortwörtlich im Hals stecken geblieben. Hatte ich gerade erst dieses Brot geschafft – und war wohlgemerkt schon satt, beziehungsweise war mir ein wenig schlecht sogar – war er mit seinen vier Portionen gerade fertig geworden und blickte drein, als wäre er ein Kindergartenkind. So sah er auch aus. Am liebsten hätte ich ihm durch die wilde Mähne gewuschelt, doch natürlich ließ ich auch das bleiben. Irgendwie sah es außerdem verdammt erotisch aus, wie er die Marmelade von seinem Arm leckte… Schluckend schüttelte ich den Kopf, nahm so sein Danke entgegen und glaubte zu träumen. Vielleicht sollte ich öfter die Nacht durchmachen und mir etwas brechen, damit er so freundlich war. Törichter, eher unernster Gedanke. „Gern geschehen.“

Die Vorräte überblickt – Masao ließ ich nicht aus den Augen, nicht nur weil ich zur Stelle sein wollte, wenn etwas passierte, sondern auch weil seine nassen Sachen, welche an der Haut so eng an lagen, und die Wasserperlen, die von seiner Haut und den Haaren tropften ihn ziemlich… unwiderstehlich machten, also noch unwiderstehlicher, als er ohnehin in meinen Augen war – fand ich, dass es nun okay wäre auch meine Pokémon zu füttern. Prince und Shadow waren froh endlich frische Luft schnuppern zu können, wurden von mir mit einigen Pokériegeln gefüttert und machten sich dann daran ihren Vorlieben nachzugehen. Während Shadow sich mit einem durchdringenden Blick zu mir setzte, bereit mir auf den Kopf zu springen und an meinen Haaren zu klammern, wenn ich mich auch nur einen Millimeter von ihm weg bewegte, war es Prince, der das Wasser für sich entdeckte und erst einmal seine Pfötchen zögerlich in jenes tauchte, als wollte er prüfen, ob es gut genug für seine Majestät war. Als dann die Spritzer von dem tobenden Dreierpack im Wasser ihn fast gänzlich nass machten, funkelte er diejenigen im Wasser an, die diese Untat verbrochen hatten und verzog sich auf einen Stein nicht unweit von mir, um sein Fell wieder schön zu bekommen und zu trocknen. Wie immer sah er dabei ziemlich verwöhnt aus, auch wenn man meinen sollte, dass die Mimik von Pokemon nicht so vielfältig war. Ich dagegen musste deshalb schwach lachen, was Shadow erst erschreckte und dann veranlasste tatsächlich meinen Kopf in Beschlag zu nehmen. War ziemlich unangenehm… Mit verzogenem Gesicht beobachtete ich Masao weiter, wie er so im Wasser lag. Natürlich wurden meine Sorgen gleich geweckt. „Du solltest nicht zu lange im Wasser bleiben, sonst erkältest du dich noch. Vor einem Arena-Kampf wäre das doch eher kontraproduktiv, oder?“ Mit einem lauten und ausgiebigen Gähnen rieb ich mir die Augen und versuchte weiterhin konzentriert den Aufpasser zu geben, während ich das Essen langsam aber sicher wieder einpackte und von dem Müll trennte, um diesen später irgendwo entsorgen zu können. „Trockne deine Sachen in der Sonne, solange es noch geht.“ Den Kopf schief gelegt kniff ich die Augen zusammen. „Und mach ein Nickerchen.“ Da ich ihn kannte, hatte ich seine Erschöpfung schon bemerkt, doch es war trotzdem ziemlich unpassend, dass ausgerechnet ich so etwas sagte, wo mir die Augen schon nicht nur wegen der Sonneneinstrahlung tränten.
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BeitragThema: Re: Dausing-Hof Di Sep 24, 2013 12:24 pm

Wir machten und Beide wohl einfach zu viele Gedanken darum, was wir dem anderen eigentlich bieten können, anstatt dass wir uns einfach an dem erfreuten, was wir eben bekamen. Eigentlich komisch, da es nicht in meiner Natur lag irgendwie sonderlich viel nachzudenken und zu grübeln als würde mein Leben davon abhängen. Meistens ging ich mit dem Kopf durch die Wand und kam dann irgendwann ans Ziel. Meistens mit Kopfschmerzen, aber ich schaffte es schon irgendwie mit dieser Ellenbogen-Politik voran zu kommen. Vielleicht auch, weil ich eine starke Stütze – Touma – bei mir hatte und ich mich auf ihn immer verlassen konnte. Was ich auch tat, er blieb bei mir und somit konnte ich doch gar nicht allzu viel falsch machen. Oder selbst wenn ich etwas falsch machte... ich hatte eben jemanden der mich trotz der Fehler annahm. Was den Rest meines Lebens anging? Da war ich nicht im Geringsten so nachdenklich, sondern ließ das meiste auf den Zufall ankommen oder nahm mir was ich wollte. Es hieß nun nicht unbedingt, dass ich dumm war, aber ich war gedankenlos und es gab auch schon etliche Momente im Leben, in denen mich dieses Verhalten in ziemlich schwierige Angelegenheiten gebracht hatte. So war ich aber eben einfach und noch war ich nicht reif genug dazu mich zu ändern. Tatsächlich würde ich mich vielleicht ändern, wenn mir mein Freund sagen würde, dass ihn irgendetwas extrem störte – aber er tat es ja niemals nie. Daher musste ich mir selbst Gedanken darum machen, was ihn stören konnte und schon waren wir wieder an diesem Punkt. Anstatt, dass wir mal miteinander redeten wie zwei erwachsene Männer, lebten wir oftmals in unserer Gedankenwelt... dabei war es wichtig – und das glaubte ich eigentlich wirklich, wenn es auch schwer war dies einzugestehen – dass man sich über alles austauschte. Nicht nur sagen, dass man sich mochte, sondern auch sagen, wenn man komische Ängste hatte... oder einfach mal fragen was im anderen vorging, damit man einen Einblick bekam und sich selbst vielleicht auch ein bisschen Unsicherheit nehmen konnte. Ja... selbst mich streiften manchmal solche fast schon tiefgründigen Gedanken... aber ich trug sie eben nicht nach außen. Daher konnte ich nicht sagen, dass ich es irgendwie besser machte als er... im Grunde waren wir uns hier nämlich sehr ähnlich, dabei empfand ich uns sonst als pure Gegensätze.
Ebenso wie unsere Pokémon Gegensätzlich zu sein schienen. Meine schienen in ihrer Art ein wenig aufblühender. Zwar hatte Lupo schnell einen Draht zu mir aufgebaut, doch er war niemals so anhänglich wie das Sniebel meines Freundes... dafür ein wenig leicht auszutricksen. Doch diese naive Art machte es zu einem guten Spielkameraden für meine freche Lady, welche somit die Cheffin im Team bleiben konnte und trotzdem einen kleinen Spielkameraden hatte, mit dem sie rumtollen konnte. Und natürlich konnte ich mit ihnen Blödsinn treiben. Im Grunde passten die Zwei also zu mir... und Shadow... er erinnerte mich ein bisschen an Touma... demnach passte der wohl auch. Prince war eingebildet, was ich meinem Partner nun nicht vorwerfen würde... aber ich fand es spannend zu beobachten, welche Vielfalt unsere kleine Familie schon hatte. In meiner Eifrigkeit beim Rumspielen hatte ich gar nicht bemerkt, wie wenig der Brillenträger gegessen hatte, doch immer wenn ich einen Blick zu ihm warf, erkannte ich schon, wie müde er war... warum er sich nicht einfach hinlegte? Ganz einfach, weil er glaubte, dass er mal wieder die hätschelnde Kagama-Mutter sein musste und ich war das Baby-Kangama im Beutel... dieser Vergleich gefiel mir gar nicht, aber man konnte es vielleicht doch schon ein klein wenig so sehen. Leider. Dass ich nicht unbedingt mit diesem Gedankengang Unrecht hatte, zeigte er mir auch schon sehr deutlich... denn natürlich kam von seiner Seite mal wieder eine Anweisung, die man so eigentlich eher von der Familie hörte. Irgendwo hatte er vielleicht ja auch Recht – würde ich aber nicht zugeben – aber ich mochte es auch nicht, wenn ich zu sehr bemuttert wurde. Einfach, weil selbst meine Mutter dies nicht getan hatte und wenn es schon jemand machen sollte, dann doch eben jene Person und nicht etwa der Mensch mit dem man den Rest seines Lebens verbringen sollte. Sorge schön und gut, aber ein bisschen im Fluss rumstiefeln würde doch wohl erlaubt sein und sicherlich würde ich mir nicht sofort den Tod holen. Zudem ich vielleicht allgemein ein guter Schläfer war, aber diese kleine Flussaktion ließ mich jetzt nicht unbedingt müde werden. Hatte wohl eher den Gegenteiligen Effekt, weswegen ich seine Anweisung auch einfach erst einmal ignorierte und mich nicht weiter beirren ließ. Sollte der Herr doch quatschen, er hatte mir schließlich keinen Befehl erteilt... Moment Mal... wie war das mit den Kompromissen gewesen?

Seufzend packte ich Lady und Lupo also und hatte sie unter die Arme geklemmt als ich aus dem Fluss stiefelte –selbst nicht weniger tropfend als die Beiden Fellknäule. Vorsichtig setzte ich sie ab und auch ohne, dass ich ein Wort über die Lippen brachte verstanden sie was sie zu tun hatten. Lady trottete zu Prince an den Stein, schüttelte sich neben ihm das Fell – und spritzte ihn dabei wahrscheinlich beabsichtigt nass – und rollte sich dann neben ihm zusammen, ihm nur noch wenig Platz auf seinem ausgesuchten Plätzchen lassend. Lupo war ein wenig zurückhaltender, folgte meiner Pokémon-Dame aber, setzte sich neben den Stein und zupfte sich einen Grashalm ab, welchen es sich in den Mund steckte und dann mit geschlossenen Augen in der Sonne saß, wie ein richtiger Draufgänger. Mit gehobener Augenbraue starrte ich den Pokémon-Haufen – Shadow wurde ausgeschlossen, weil er lieber an Touma klebte – an und musste leicht kichern. Definitiv war ich glücklich darüber, dass ich die Entscheidung gefasst hatte auch diesen Weg einzuschlagen. Natürlich war es der Weg von Vielen, aber das war vollkommen okay, weil jeder seine eigene Geschichte schrieb, seine eigenen Pfade beschritt und die Reise von niemandem glich der eines anderen. Natürlich konnte ich nur so glücklich sein, wegen der Person, welche mich begleitete, der ich nun einen kurzen Blick zuwarf, während ich mich ein bisschen abtropfen ließ. Dabei hatte ich die Arme in die Seite gestemmt und stand breitbeinig da. Einige hätten es sicher ein bisschen frisch gefunden, aber ich fand es eigentlich ganz angenehm die kühle Brise um meinen Körper wehen zu spüren... auch wenn er sicherlich vor Sorge vergehen würde, wenn ich weiter so stehen blieb und wohlmöglich noch eine Lungenentzündung kassieren würde. Nicht, dass ich wirklich glaubte, dass ich einer solchen Sache zum Opfer fallen würde, aber ich musste die Nerven des Blauhaarigen nicht überstrapazieren und wenn er sich schon so tapfer wach hielt, dann könnte ich ihm ja auch winzige, winzige Pichu-Schritte entgegenkommen. Viel war das nicht, aber mehr als man von mir erwarten konnte und solche Dinge durfte auch nur er überhaupt erwarten... jeder andere hätte von mir mit so einer Art den Stinkefinger gezeigt bekommen. Doch bei ihm wusste ich ja, dass es ihm nicht darum ging meinen Charakter irgendwie zu seinen Gunsten zu verbiegen, sondern darum, dass er sich – unnötigerweise – um mich Sorgen machte.
„Oniichan sollte selbst eine Mütze Schlaf nachholen~“, stichelte ich und versuchte dabei ebenso wie er zu klingen – erwachsen und so. Aber natürlich war es dieser Spitzbübische Unterton in meiner Stimme, welcher mich doch irgendwie verriet und aussagte, dass ich ihn nur necken wollte. Nun... nicht nur, denn ein Kern Wahrheit steckte in dieser Aussage selbstredend schon. Nur wenn er nicht wollte, dann konnte ich auch nicht viel machen. War doch sein Ding was er wie anstellte und im Grunde ging es mich nichts an. Auch wenn wir eine Beziehung hatten, war er noch immer sein eigener Mensch und vermutlich hatte er noch tausende Dinge die er machen und planen wollte. Würde mich zumindest nicht allzu sehr verwundern. Sein Pech! Ich für meinen Teil streifte mir mein Oberteil über den Kopf und warf es dann auf den Boden – so zusammengeknüllt konnte das sicher großartig trocknen – bevor ich meine Hose lockerte und die ebenso im Gras landete – ebenso zerknüllt, was wieder den Sinn verfehlen würde. Oberkörperfrei und eigentlich nur mit einer dunkelroten Boxershort bekleidet ging ich in den Schneidersitz und lehnte mich zurück. Meine Hände stützte ich im Gras ab und ich sonnte mich nun ähnlich wie es Lupo tat, damit vor allem meine nasse Haut und das tropfende Haar trocknete. Wie immer in solchen Situationen sah ich sehr entspannt aus... ich mochte die Sonne und mochte Wasser... und ich mochte es sehr mich auszuruhen. Trotzdem kreisten mir zu einem kleinen Teil auch noch immer die Fragen im Kopf, welche ich mir vorhin so selbst gestellt hatte. Seufzend ließ ich mich komplett ins Gras sinken, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ die Augen geschlossen, zeigte aber durch das Runzeln meiner Stirn, dass ich gerade ziemlich grübelte. Ob ich ihn jedoch an meinen Gedanken teilhaben lassen wollte? Ich wusste es nicht. „Touma? Warum sind wir...“ Ich schüttelte den Kopf. Ich konnte nicht so ernste Themen anfangen ohne mir dabei vorzukommen wie ein dämliches Weichei, weswegen ich es so aussehen ließ, als hätte ich sowieso etwas anderes sagen wollen und mit dem Schütteln nur die nassen Haare aus meiner Stirn gefegt. „... eigentlich noch wach?“, beendete ich also den Satz und gähnte dann demonstrativ. Ein Nickerchen konnte ich nun wirklich gebrauchen und er... er sowieso. Dann konnten meine Sachen auch schön trocknen.
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